Misserfolge und Schuldgefühle

Wenn du auf Schwierigkeiten triffst oder Misserfolge erleidest, die nicht von deinem eigenen Verschulden herrühren, brauchst du dich nicht zu sorgen.
(Übersetzt aus Sri Aurobindo: Letters on Yoga I)

Wie oft empfinden wir doch Schuldgefühle, wenn wir einen sogenannten Fehler machen, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie sollten, wenn andere vermeintlich wegen uns leiden oder Probleme haben!
Dann werfen wir uns alles Mögliche vor, können die kreisenden Gedanken kaum mehr abstellen und geraten in einen Strudel, in dem wir uns schlecht fühlen und aus dem wir nur mit Mühe oder mit der Zeit herausfinden.

Selbstvorwürfe und Schuldgefühle sollten wir generell nicht aufkommen lassen, denn sie nützen nichts – weder einem betroffenen Mitmenschen noch uns selbst. Kritisch und ehrlich die Situation anschauen, erkennen ob wir anders hätten handeln sollen und falls ja, es uns selbst und anderen eingestehen, uns vielleicht dafür entschuldigen, uns vornehmen, es das nächste Mal besser zu machen – ja, das sollten wir tun. Und es dann dabei bewenden lassen, nicht mehr daran denken, nicht mehr darüber reden, nicht zulassen, dass andere es uns weiterhin vorhalten.

Falls wir tatsächlich gefehlt haben! Denn wie oft fühlen wir uns schlecht, wenn Schwierigkeiten auftauchen, uns Missgeschicke oder sogenannte Fehler passieren, jemand angeblich wegen uns leidet, ohne dass wir etwas dafür können! Wir neigen dazu, uns die Schuld für dies und das aufzuladen, obwohl wir es gar nicht hätten verhindern, nichts hätten besser machen können.
Genau das meint Sri Aurobindo im obigen Zitat. Wenn wir uns Mühe geben, das tun, was in unserer Macht steht, nach bestem Wissen und Gewissen handeln: Warum sollten wir uns dann verantwortlich fühlen für das, was dabei herauskommt? Selbst wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass wir einen sogenannten Fehler begangen haben. Nachher ist man immer schlauer, im Rückblick ist es leicht zu kritisieren und es besser zu wissen!

Wenn wir es schon nicht lassen können, uns Vorwürfe zu machen für das, was aus unserer Nachlässigkeit, Unachtsamkeit oder aus unserem schlechten Willen entsteht – dann nehmen wir uns heute und für alle Zukunft wenigstens vor, uns nicht mehr verantwortlich zu fühlen für all das, wofür wir keine Schuld tragen.
Treten nämlich Schwierigkeiten oder Misserfolge auf, obwohl wir uns redlich bemüht haben, so haben sie bestimmt nicht den Sinn, uns Schuldgefühle aufzuladen, sondern den Sinn, uns etwas zu lehren, damit wir uns mit den Problemen auseinandersetzen und sie bewältigen oder gleichmütig ertragen.

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4 Gedanken zu “Misserfolge und Schuldgefühle

  1. Hallo, ich bin durch Zufall auf diese Website gestossen und finde sie sehr sehr sehr gut. Habe schon einiges gelesen und gelernt. Ich hätte aber noch eine Frage. Ich habe mich durch mein Selbstverschulden in eine missliche Lage gebracht. die Motivation etwas dafür zu machen fehlt mir aber, weil mich meine Gedanken und meine Angst darüber, auch über die Konsequenzen, auffressen und ich einfach keinen Weg sehe.
    Wie kann ich meine Gedanken darüber „umpolen“ das ich auch wieder meine Motivation dazu finde etwas zu tun und meine Angst verliere? ich konnte leider darüber noch nichts lesen.
    Oder bin ich auf einem ganz falschen Weg und sehe es einfach nicht?

    Ich wäre sehr dankbar wenn ich irgendwelche Tipps darüber bekomme.

  2. Liebe Sandra

    Danke für deine lieben Worten zu meiner Website.

    Eine wirksame Methode, um Gedanken und Einstellungen „umzupolen“, sind Affirmationen. Hier habe ich etwas darüber geschrieben:
    http://www.selbstliebe.ch/?p=33
    und hier kannst du eine Datei mit der Anleitung herunterladen:
    http://www.selbstliebe.ch/pdf/Affirmationen_fuer_Selbstliebe.pdf

    Was die Angst betrifft, so habe ich auch schon einmal etwas dazu geschrieben, aber ich finde es gerade nicht 🙄
    Doch unter den veröffentlichten Leseproben meines Buches „Karma Yoga“ stehen unter dem Untertitel „Handeln trotz Angst!“ ebenfalls einige Gedanken dazu:
    http://www.nada-verlag.ch/leseproben.html

    Zudem könnten dir vielleicht die folgenden Artikel helfen:
    http://www.karma-yoga.ch/?p=296
    http://www.selbstliebe.ch/?p=346

    Falls du nach der Lektüre dieser Artikel immer noch Fragen zu deiner konkreten Situation hast, schreib ruhig wieder hier einen Kommentar und beschreibe die Situation, die dich gerade belastet, etwas ausführlicher. Vielleicht kann ich dir dann ein paar Anregungen dazu geben.

    Alles Liebe und herzliche Grüsse,
    Karin

  3. Liebe Karin,

    ich habe nach einer Seite wie Deiner gesucht…mein Problem ist .-..ich bin gerade wieder Single und ich geniess es eigentlich sehr. Ich habe mich in der BEziehung sehr eingeengt gefühlt und unglücklich und es hat lange gedauert sich zu befreien denn an Liebe hat es trotzdem nicht gemangelt. Während dieser Zeit hatte ich das Gefühl meine Lebensfreude regelrecht einschränken zu müssen weil das meinen Expartner irgendwie verunsicherte, zumindest hatte ich dieses Gefühl.
    Dementsprechend befreit lebe ich jetzt und gehe sehr viel aus und lebe mich aus…am nächsten Tag aber fühl ich micht total schlecht und merke wie ich einerseits diese Energie habe, diese riesige und sie irgendwie ausleben muss. Aber dann wieder habe ich angst dass andere mich als zu heftig und abgedreht erleben…da ich derzeit sehr offen bin werd ich auch sehr viel angesprochen….also ich weiss nicht ob du das verstehst… eigentlich geh ich mit dem anspruch fort frei zu sein und freu mich drauf und trink leider dann auch mal zuviel. Andererseits fühl ich mich am nächsten Tag so richtig sündig und schlecht und kann nicht zu mir stehen und kriege angst dass ich andere verärgert habe mit meiner Lebensfreude und Offenheit. ich hoffe du verstehst mich irgendwie..

    was denkst du dazu?

    alles liebe

  4. Liebe Helene,

    natürlich kann ich nicht beurteilen, ob du einfach das Leben geniesst oder ob du zu weit gehst.

    Zum Thema Selbstvorwürfe und Schuldgefühle habe ich auf dieser Website schon viel geschrieben, darauf will ich nicht eingehen. Aber auf zwei andere Punkte:

    • Fühlst du dich deshalb schlecht, weil du das Urteil anderer Menschen über dein Verhalten fürchtest? Oder weil du lustfeindlich erzogen wurdest? Oder weil du unbewusst meinst, es nicht wert zu sein, das Leben einfach zu geniessen?
    Das würde auf einen Mangel an Selbstwertgefühl hindeuten und du könntest daran arbeiten – auf dieser Website habe ich viele Tipps gegeben (du findest sie, wenn du die entsprechenden Stichwörter in der rechten Seitenleiste anklickst). Auch mein Buch „Ich liebe mich selbst und mache mich glücklich“ könnte dir helfen.

    • Fühlst du dich schlecht, weil „etwas“ in dir (deine Seele, dein Bauchgefühl oder wie du es nennen willst) weiss, dass du tatsächlich überbordest und dies nicht gut für dich ist?
    Ich glaube, wenn du ehrlich in dich hineinhorchst, spürst du, ob das der Fall ist, und dann wäre es sinnvoll, wenn du dein Verhalten in Richtung Mässigung änderst. Aber ohne Selbstvorwürfe und Schuldgefühle, du bist in jedem Augenblick genau richtig, so wie du bist – denn das Leben ist eine Schule der Erfahrung, und nur Erfahrungen lehren dich und bringen dich weiter.

    Deshalb solltest du auch keine Angst haben, wie das alles möglicherweise noch ausgehen könnte… Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir immer wieder eine Chance bekommen, selbst wenn wir lange alles „falsch“ gemacht haben, und dass für jeden Menschen der Zeitpunkt für einen wichtigen Schritt im Leben individuell ist. Du wirst bestimmt spüren, wenn der richtige Zeitpunkt für dich gekommen ist, dein Leben wieder in andere Bahnen zu lenken. Und ich bin sicher, in deiner nächsten Partnerbeziehung wirst du dir deine Lebensfreude nicht mehr einschränken lassen.

    Herzlichst,
    Karin

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