Ich kann nicht…

Selbstliebe erfordert Mut. Wie oft habe ich früher, als ich selbst noch am Aufbauen meiner Selbstliebe war, gesagt: „Ich kann nicht!“, wenn jemand mir in einer bestimmten Situation sagte, ich müsse lernen, Nein zu sagen, oder mich bei einer Ungerechtigkeit wehren.
Der wohl wichtigste Satz, den eine Therapeutin mir damals entgegnete, war: „Ich kann nicht, gibt es nicht, es gibt nur: Ich will nicht.“ Recht hatte sie! Weder hatte ich nämlich die Sprache verloren noch die Einsicht, was ich wirklich wollte. Das einzige, was mich jeweils daran hinderte, war meine Angst.

Inzwischen habe ich den Satz „Ich kann nicht!“ unzählige Male gehört, wenn ich jemanden ermunterte, Nein zu sagen und sich zu wehren. Und ebenso oft habe ich dann erwidert: „Du kannst nicht? Doch, du kannst! Du musst es nur wollen!“
Um die Selbstliebe, das Selbstwertgefühl und dabei vor allem das Selbstvertrauen zu stärken und die Selbstachtung nicht zu verlieren, müssen wir zuweilen über unseren eigenen Schatten springen. Anders geht es nicht. Darauf zu warten, dass es irgendwann einmal leichter wird, ist eine Illusion.

Habt ihr schon einmal eine Fliege beobachtet, die an einem Fenster hinauf und hinunter, von rechts nach links und zurück herumsurrt? Sie denkt wohl: Ich kann nicht… Dabei merkt sie nicht, dass das Fenster gleich daneben sperrangelweit offen steht und sie sich nur über den Fensterrahmen wagen müsste, um frei zu sein.

Solange wir in einer Situation denken „Ich kann nicht!“, schaffen wir es tatsächlich nicht, wir blockieren uns selbst. Seien wir dann ehrlich zu uns selbst und sagen wir: „Ich will nicht.“ Sofort wird sich in uns etwas regen, das schreit: „Doch, ich will! Ich will Nein sagen! Ich will mich wehren!“ Das ist der Moment, in dem wir es auch schaffen, über unseren Schatten zu springen, und tatsächlich Nein sagen, uns tatsächlich wehren.

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Weise Sprüche

Im Internet, vor allem in den sozialen Medien, kursieren weise Sprüche zum Thema Selbstliebe zu Tausenden und werden millionenfach weiterverbreitet. Sinnvoll und nützlich sind sie meistens nicht, sie hören sich nur beim oberflächlichen Lesen gut an. Hier zwei Beispiele, die mir neulich begegnet sind:

„Glück bedeutet nicht, alles zu haben, was man will, sondern die Menschen zu haben, die man braucht.“

„Nichts und niemand ist es wert, dass du dich selbst kaputt machst. Sag öfter mal Nein und nimm dir Zeit. Ganz für dich allein.“

Die vielen „likes“ und positiven Kommentare in den sozialen Medien zu solchen Sprüchen liessen vermuten, dass die Zustimmung sehr gross ist; allerdings glaube ich, dass nur diejenigen reagieren, die zustimmen, die anderen melden sich nicht. Und ich gebe zu, ich schreibe auch nur äusserst selten dagegen – sonst wäre ich bald den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt.
Für den ersten der oben erwähnten Sprüche will ich es an dieser Stelle tun, um aufzuzeigen, wie oberflächlich solche „Lebensweisheiten“ oft daherkommen, ja geradezu falsch und deshalb sogar schädlich sind. „Die Menschen haben, die man braucht“ – braucht? Ist es denn gut, jemanden zu brauchen? Bedeutet dies nicht Abhängigkeit von diesem Menschen? Doch! Und Abhängigkeit von anderen steht immer Widerspruch zur Selbstliebe.

Betrachtet man es genauer, sind solche „Weisheiten“ ohnehin nutzlos.
Es gibt nämlich drei wesentliche Arten, wie wir sie bewerten und aufnehmen:

1. Unsere Selbstliebe ist bereits stark, wir stimmen dem Spruch zu, ohne weiter darüber nachzudenken; in diesem Fall nützt er uns also nichts, da wir bereits danach leben. Er schadet uns auch nicht, er ist einfach überflüssig.

2. Oder unsere Selbstliebe ist zwar nicht stark genug, aber wir wissen eigentlich, dass wir genau das, was der Spruch vorschlägt, an uns ändern müssten, und stimmen ebenfalls zu (ohne die Aussage einer eingehenderen Prüfung zu unterziehen). Doch wie wir es konkret machen sollen, wird uns nicht gesagt, es bleibt in diesem Sinne beim „Sprüche klopfen“ und nützt uns nichts für die Stärkung unserer Selbstliebe. Haben wir solche Sprüche denn nicht schon zur Genüge gesagt bekommen? „Du musst halt Nein sagen, wenn du etwas nicht willst.“ „Lass dich nicht immer benutzen!“ „Steh zu dir selbst!“
Ich gebe zu, dass ich auf meinen Websites und in meinen Büchern zuweilen auch „weise“ Sprüche, eigene und zitierte, verwende. Doch ich lasse sie nicht unkommentiert stehen, ich bemühe mich jeweils zu erläutern, wie wir sie in unserem Alltag konkret umsetzen können, um unsere mangelnde oder schwache Selbstliebe und Urvertrauen aufzubauen und zu stärken. Ich bemühe mich – ich will nicht behaupten, dass es mir immer gelingt.

3. Unsere Selbstliebe ist schwach und der Spruch beweist uns einmal mehr, wie unvollkommen wir sind, dass wir auch hier versagen, während andere (die Sprücheschreiber) all das perfekt können. Denn die Menschen, die wir zu brauchen meinen, haben wir nicht, sie lieben uns vermeintlich nicht. Und wir machen uns selbst kaputt, mit Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen, Versagensempfinden. Und Nein sagen können wir auch nicht! Zudem: „Nimm dir Zeit für dich allein“ – aber ich bin ja schon allein, ich fühle mich einsam, ich will doch nichts lieber, als Menschen um mich zu haben, die mich wertschätzen, doch ich habe keine.
Diese Sprüche, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt, wirken also kontraproduktiv, sie schwächen unser Selbstwertgefühl noch mehr und machen uns noch unglücklicher; sie treiben die Spirale versagen – Selbstvorwürfe – schwaches Selbstwertgefühl – erst recht versagen – noch mehr Selbstvorwürfe – noch schwächeres Selbstwertgefühl an.

Darum: Betrachtet die „Weisheiten“, die ihr hier und dort lest, kritisch, denkt darüber nach, ob sie sich nicht nur schön anhören, sondern auch wahr sind, und nützlich. Und seid euch vor allem bewusst: Sprüche machen ist einfach, aber auch diejenigen, die ach so weise scheinen, leben oft nicht nach ihrer eigenen Weisheit (ich bin da manchmal auch keine Ausnahme!). Wir sind alles nur schwache Menschen auf dem Weg zur Vollkommenheit.

Ich will allerdings noch hinzufügen: Es gibt auch viele schöne, tiefsinnige, förderliche Sprüche und Zitate 🙂

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Über allem die Liebe

Mein neues Buch, der 3. Band der Sonnwandeln-Reihe, mit dem Titel „Über allem die Liebe“ ist soeben erschienen.

Sonnwandeln_Band_3

Über allem die Liebe
Sonnwandeln Band III
von Karin Jundt
nada Verlag
ISBN 978-3-907091-13-5
Paperback, 236 Seiten
EUR 19.00 / ca. CHF 25.00

Erhältlich in Buchhandlungen und Online-Shops.

Die göttliche Liebe trägt das Universum. Doch wie könnte sie in der Welt fliessen, wenn nicht von Wesen zu Wesen? In diesem Buch beleuchte ich Aspekte un­se­­rer unvoll­kommenen menschlichen Liebe.
Zuallererst geht es um die Selbstliebe, eine unabdingbare Voraus­setzung, wollen wir andere Menschen wahrhaftig lieben. Dann um die Liebe zu unserem Nächsten im Allgemeinen und zwischen Eltern und Kindern im Besonderen. Ein ganzes Kapitel widme ich auch der Paarbeziehung; ich zeige Wege auf zu einer dauerhafteren, glück­licheren Partnerschaft in be­din­gungsloser, uneigennütziger Liebe, jenseits von Er­war­tungen und Forderungen, Eifersucht und Verlust­angst, Macht­kämpfen und Ver­letzungen. Aber auch die leidvolle Tren­nung von geliebten Men­schen, sei es durch Verlassen oder Tod, und schliesslich die Einsamkeit sind ein wichtiges Thema.
Im Licht einer im gewöhnlichen Alltag gelebten Spiritualität stelle ich die Thematik, wie in all meinen Büchern, praxisbezogen dar und biete konkrete Empfehlungen, Anleitungen und wirksame In­stru­­men­te zur Selbst­veränderung.

Hier einige Leseproben.

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Die drei Siebe der Selbstliebe

Vielleicht kennt ihr die Geschichte von Sokrates und den drei Sieben. Ich erzähle sie kurz.

Ein Mann kam zu Sokrates und sagte: „Ich muss dir unbedingt etwas erzählen!“
Der Weise unterbrach ihn: „Warte. Zuerst wollen wir deine Geschichte durch die drei Siebe sieben. Das erste Sieb ist das der Wahrheit: Bist du sicher, dass das, was du mir erzählen willst, wahr ist?“
Der Mann antwortete: „Nein, sicher bin ich nicht. Ich habe es auch nur gehört.“
„Und wie steht es mit dem zweitem Sieb, dem des Guten? Ist das, was du mir erzählen willst, etwas Gutes?“
„Nein“, gab der Mann zu, „im Gegenteil…“
„Dann bleibt nur noch das dritte Sieb. Ist es nötig, dass du mir die Geschichte erzählst?“
„Nötig?“, fragte der Mann und überlegte einen Augenblick. „Nein, nicht wirklich…“
Sokrates lächelte: „Nun, wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch nötig ist – dann lass es lieber bleiben.“

Wenn wir denken, dass wir es nicht wert sind, uns selbst zu lieben, sollten wir diese Überzeugung auch durch drei Siebe sieben:
• Das Sieb des Ich: Wer ist es, der sich nicht als wertvoll empfindet? Nicht etwa nur das Ego, das Liebe abhängig macht von Äusserem, wie Aussehen, Eigenschaften, Leistung, während die Seele um ihre Vollkommenheit weiss?
• Das Sieb des Massstabs: Wer bestimmt denn, was wertvoll ist und was nicht? Unser Unbewusstes, das sich auf Bewertungen stützt, die unsere Eltern uns als Kinder eingepflanzt haben? Unsere heutigen Mitmenschen, die uns dann für wertvoll halten, wenn wir uns so verhalten, wie sie es erwarten?
• Und schliesslich das Sieb der Liebe: Ist Liebe denn nicht bedingungslos, ohne Forderungen und Erwartungen?

Nun, wenn es nur das Ego ist, das meint sich nicht lieben zu dürfen, der Wertmassstab falsch oder zumindest höchst unvollkommen ist und die Liebe ohnehin keine Bedingungen stellt – was sollte uns daran hindern, uns selbst zu lieben?

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Habt Mut zur Selbstliebe!

Viele Beiträge über unsere unzähligen Ängste habe ich schon geschrieben. Heute will ich euch einfach wieder einmal Mut machen, Mut, zu euch selbst zu stehen, Mut, so zu entscheiden und zu handeln, wie ihr selbst es wirklich wollt, und vor allem Mut, euch zu verändern, eure Selbstliebe zu stärken.

Wie ich schon mehrmals sagte: Mut ist nicht Furchtlosigkeit. Etwas zu tun, und sei es noch so spektakulär, wovon wir überzeugt sind, dass wir es können, es gut ausgeht, alle es billigen, verlangt uns keinen Mut ab. Die Angst überwinden, das ist Mut.
Wenn wir immer nur tun, was wir schon können, kommen wir keinen Schritt weiter. Dabei haben wir doch in unserem Leben schon unzählige Male Mut bewiesen. Seit frühester Kindheit brauchten wir ihn: als wir das erste Mal einen Schritt gingen, ohne uns festzuhalten, zum ersten Mal eine Treppenstufe überwanden, uns das erste Mal auf das Fahrrad ohne Stütz­räder wagten, den ersten Tag ohne die Mutter im Kindergarten verbrachten, erstmals einen grossen Hund streichelten oder von einem Mäuerchen sprangen, das erste Mal allein auf dem Schulweg waren, …
Als Kinder besassen wir diesen Mut; die Neugier, die Lust am Entdecken und am Lernen war schliesslich immer stärker als unsere Angst vor dem Unbekannten und dem Ver­sagen. Es lag bestimmt auch daran, dass wir nicht ständig darüber nachdachten, welche Konsequenzen unser Tun ha­ben könnte. Kinder handeln in der Regel nach dem Prinzip „trial and error“: Sie versuchen einfach etwas und wenn es schiefgeht, haben sie (vielleicht) daraus gelernt und tun es nicht mehr. Was sie jedoch niemals davon abhält, bei der nächsten Gelegenheit freimütig wieder etwas anderes auszuprobieren.
Wir Erwachsene hingegen haben für Fehlschläge, Miss­erfolge und unangenehme Situationen ein ausgezeichnetes Gedächtnis und lassen zu, dass diese Erinnerungen uns da­ran hindern, das Gleiche nochmals zu wagen oder unbelas­tet an eine neue Herausforderung heranzugehen.
Bemühen wir uns, diesen kindlichen Mut wiederzufinden! Betrachten wir das Leben als eine Schule und gehen wir freudig gespannt auf neue Erfahrungen zu, um innerlich daran zu wachsen. Die Angst wird uns immer wieder be­gleiten und zu behindern versuchen. Denken wir in solchen Situationen an eine Begebenheit in der Kindheit zu­rück, in der wir die Angst überwanden, und fühlen wir die da­malige Freude, als es uns gelang. Erinnern wir uns dabei auch da­ran, wie oft wir als Kinder gefallen sind… und immer wieder aufgestanden.

Es gibt, je nach Situation, eine ganze Reihe an Argumenten, mit denen wir uns selbst Mut zusprechen können; nachfolgende einige davon:
• Wenn jemand mich nicht mehr mag, nicht mehr liebt, bloss weil ich es wage, ich selbst zu sein, so habe ich an dieser Person nicht viel verloren. Denn Menschen, die mich nur mögen, weil ich lieb, nett, grosszügig, hilfsbereit bin, weil ich ihnen nie widerspreche, mich ihrem Willen füge, solche Menschen will ich nicht mehr um mich haben. Es wäre entwürdigend für mich. Und ich weiss: Für jeden sogenannten „Freund“, den ich verliere, finde ich einen neuen, echten Freund.
• Ich bin kein Egoist, nur weil ich mein Leben lebe und mich nicht in Rollen drängen lasse, weil ich die Entscheidungen für mich treffe und meinen Weg gehe. Jeder hat das Recht, ja die Pflicht dazu. Und vor allem bin ich nicht für die Empfindungen und Reaktionen der anderen verantwortlich, egal was ich sage und tue.
• Ich kann es so oder so nicht immer allen recht ma­chen: Also tue ich, was ich für richtig halte, und mache es da­durch wenigstens mir selbst recht.
• Ich vertraue darauf, dass meine Seele (die Innere Stim­me) mich stets zum Richtigen anleitet – selbst wenn es nicht so scheint und Mitmenschen es anders beurteilen. Ich glau­be fest daran, dass alles immer so kommt, wie es für alle Beteiligten gut ist.
• Niemand ist fehlerlos. Auch mir kann es passieren, dass ich jemandem wehtue, etwas Dummes sage oder mache, in einer Situation versage, mich der Kritik aussetze. Lieber bin ich aber mutig und mache einmal etwas falsch, als dass ich aus Angst davor nur schweige und im alten Trott weiterfahre. Ich kann mich ja für meine Fehler entschuldigen – auch das ist ein Beweis für Mut und Stärke.

Ich wünsche uns allen stets den Mut, wir selbst zu sein. Mehr braucht es nicht, um erhobenen Hauptes durch das Leben zu gehen.

Dieser Text beruht auf Kapitel 1 meines Buches „Ich liebe mich selbst 2“.

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Die Beziehung mit mir selbst

Sucht man nach Zitaten unter dem Stichwort „Selbstliebe“ oder „Eigenliebe“, so fällt auf, dass diese Begriffe früher mit Egoismus gleichgesetzt wurden, vor allem in einem religiösen Zusammenhang. Zwei Beispiele:

Nichts bewahrt uns mehr vor dem Hochmut und der Eigenliebe als die ununterbrochene Gemeinschaft des Kreuzes Jesu.
Friedrich Christoph Oetinger (1702 –1782)

Selbsterkenntnis ist ein unfehlbares Mittel gegen Selbstliebe.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Erst in jüngster Zeit verstehen wir Selbstliebe als eine positive Eigenschaft eines Menschen und haben erkannt, dass es dabei um unsere Beziehung mit uns selbst geht – so wie es bei der Liebe für andere Menschen um unsere Beziehung mit ihnen geht.

Fragen wir uns, wie wir uns selbst lieben können und sollen? Schauen wir doch einfach, wie die Beziehung mit einem von uns geliebten Menschen sich äussert und übertragen es auf unsere Beziehung mit uns selbst (ich nenne ihn hier Aimé – französisch für „geliebt“; ersetze du beim Lesen „Aimé“ durch den Namen eines Menschen, den du liebst).

Dabei geht es vor allem um die folgenden Aspekte:
Respekt: Ich respektiere Aimé, seine Eigenart, seine Entscheidungen, seine Selbstverantwortung für sein Leben –> Ich respektiere mich selbst, akzeptiere meine Eigenart, nehme mir das Recht auf meine eigenen Entscheidungen für mein Leben als selbstverantwortlicher Mensch.
Wertschätzung: Ich schätze Aimé als menschliches Wesen, unabhängig von seinen Eigenschaften und seinem Verhalten –> Ich schätze mich selbst als menschliches Wesen, einfach weil ich bin, unabhängig davon, wie ich bin und was ich tue; ich werte micht nicht ab wegen „schlechter“ Eigenschaften oder fehlender Fähigkeiten.
Vergebung: Meiner Liebe für Aimé wohnt die Kraft inne, ihm „Fehler“ und Unzulänglichkeiten zu verzeihen, da er, wie alle Menschen, nicht perfekt ist –> Ich verzeihe mir alle meine „Fehler“, die vergangenen ebenso wie die künftigen, die mir immer wieder passieren werden, da ich nicht vollkommen bin, es nicht sein kann und nicht sein muss; meine weniger guten Eigenschaften und sogenanntenn Schwächen akzeptiere ich ebenfalls als einen Teil von mir und verurteile mich nicht deswegen.
Vertrauen: Ich bringe Aimé ein grundlegendes Vertrauen entgegen –> Ich vertraue mir selbst, meinen Entscheidungen, meiner inneren Stimme, dem, was ich für mich als richtig spüre, und handle entsprechend.
Bedingungslosigkeit: Ich liebe Aimé nicht weil… Ich brauche keinen Grund, um ihn zu lieben, ich liebe ihn einfach –> Ich brauche keinen Grund, um mich selbst zu lieben, und es gibt nichts, gar nichts, was mich daran hindern soll, ich habe keine Vorbehalte, weil ich doch nicht so perfekt bin, dieses und jenes falsch mache…

Abschliessend eines meiner Lieblingszitate zum Thema Liebe und Selbstliebe:

Wer sich selbst nicht auf die rechte Art liebt, kann auch andere nicht lieben.
Robert Musil

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Ein neues Buch zur Selbstliebe

Nach meinem Buch „Ich liebe mich selbst und mache mich glücklich“ habe ich nun einen zweiten Band veröffentlicht mit dem Titel „Ich liebe mich selbst 2“, das ich als „Übungsbuch“ konzipiert habe. Bei der Theorie habe ich mich auf das Nötigste beschränkt; es handelt sich hauptsächlich um eine konkrete Anleitung zum Ablegen der Verhaltensmuster, die durch eine zu schwache Selbstliebe und ein geringes Selbstwertgefühl verursacht werden.
In jedem der 26 kurzen Kapitel behandle ich eine Verhaltensweise und schlage eine auf den gewöhnlichen Alltag ausgerichtete Übung vor, um sie zu ändern. So könnte der Untertitel dieses Buches „In 26 Schritten zur Selbstliebe“ lauten. Darin sind teilweise auch die Texte meines früheren Monatsblatts zu diesem Thema eingeflossen.

Es geht dabei um unsere Abhängigkeit von der Liebe, Anerkennung und Wertschätzung an­derer Menschen, um Verlust­angst, Geborgenheit, Selbstbestimmung, aber auch um Per­fek­tio­nismus, Überheblichkeit, mangelnde Spontaneität, Schüch­ternheit und wei­te­re beeinträchtigende Wesenszüge.
Ein zentrales Thema sind unsere zahlreichen Ängste, die uns daran hindern, authentisch, eigen­ständig und frei zu leben. Wie in meinen ande­ren Büchern ist es mir auch diesmal ein wichtiges Anliegen, euch Mut zu machen – Mut, euch zu wandeln, euch selbst zu vertrauen und vor allem auf die Innere Stimme zu hören.

Den Weg und die Methode, die ich hier beschreibe, habe ich seiner­zeit selbst praktiziert, denn bis zum Alter von 40 Jahren fehlten mir das Selbst­­wertgefühl und die Selbstliebe fast vollständig; ich musste diese für ein zu­frie­denes Dasein unerläss­lichen Eigenschaften in einem langen Pro­zess der Selbstveränderung erlernen und aufbauen. Dementsprechend sind meine Erörterungen und Musterbeispiele, meine Erkenntnisse und Einsichten aus dem Leben gegriffen, meine Vor­schläge und Tipps für alle prakti­kabel. Der Alltag ist die Schule der Selbstliebe.

Ich liebe mich selbst 2
Ich liebe mich selbst 2
Ein Kurs in Selbstliebe, Band 2: Übungsbuch
von Karin Jundt
nada Verlag
ISBN 978-3-907091-06-7
Paperback, 156 Seiten
EUR 17.00 / ca. CHF 23.00

–> zu den Leseproben

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Ist unser Gehirn verantwortlich für unsere Gefühle?

Nein – das will ich gleich vorwegnehmen – nein, das glaube ich nicht!
Im letzten Jahrzehnt sind mir in Fachzeitschriften immer wieder einmal Artikel begegnet, die unsere Gefühle auf Vorgänge im Gehirn reduzierten. Die Thematik erstreckte sich oft auch auf die Frage nach unserem freien Willen: Besitzen wir tatsächlich die Freiheit, Entscheidungen zu treffen, oder werden wir gewissermassen fremdgesteuert von einem Organ, das durch die Aussendung von chemischen Stoffen und durch elektrische Impulse unser Handeln bestimmt?
Artikel* wie „Die Dirigenten unseres Lebens“, „Wie sie [die Hormone] gute Laune machen“, „Wie sie die Liebe bestimmen“ und Aussagen wie „Ein Anfall von weiblicher Zickigkeit. Aus einem geschlechtslosen Embryo entwickelt sich ein Junge. Verliebte spüren Schmetterlinge im Bauch. Ganz unterschiedliche Lebenssituationen, die alle eins gemeinsam haben: Immer sind Hormone die Auslöser“ suggerieren, dass wir nichts als Marionetten eines Supergehirns sind, das über uns herrscht und uns nicht nur die Willensfreiheit nimmt, sondern auch die Verantwortung. Und fördern die bereits weit verbreitete Tendenz, bei psychischen Problemen, auch bei vermeintlichen, Medikamente zu verschreiben, die in diesen Prozess eingreifen, vor allem bei Depressionen, Angstzuständen und kindlicher (Über?-)Aktivität. Anstatt das Problem, sofern es tatsächlich eines ist und nicht ein normaler Bestandteil des menschlichen Lebens, dort anzugehen, wo es wirklich und nachhaltig behoben werden kann, nämlich in der Psyche. (Zu diesem Thema kann ich euch eine ausgezeichnete Sendung des SWR empfehlen: Das Milliardengeschäft mit der Psyche.)

Für mich stellt sich hingegen immer die Frage: Was war zuerst, das Huhn oder das Ei? Dass gewisse Stoffe in uns zirkulieren, wenn wir bestimmte Empfindungen haben, ist unbestritten. Aber: Veranlasst das Gehirn die Ausschüttung von Hormonen und dann empfinden wir Verliebtheit, Depression oder Angst? Oder empfinden wir Verliebtheit, Depression, Angst und dies führt zu Vorgängen im Gehirn?

Nun sind mir in letzter Zeit mehrmals Aussagen begegnet, die eine entgegengesetzte Ansicht zu solchen „gehirnbestimmten“ Theorien stützen. Nämlich beispielsweise dass eine Psychotherapie die Gehirnstruktur nachweislich verändert: Bei depressiven Patienten zeigte die MRT nach der Therapie neuronale Veränderungen in den Gehirnarealen, die mit der Depression in Verbindung gebracht werden. Oder allgemeiner, dass Gefühle die Biologie des Gehirns beeinflussen und umbauen: Erhält etwa ein Mensch ständig schlechte Kritik, verändert sich sein Gehirn. Und noch weitergehend bewies eine Studie, dass bei Menschen, die ihre Meinung frei äussern dürfen, das Motivationszentrum im Gehirn aktiviert wird und dadurch sogenannte Glücksbotenstoffe wie körpereigene Opiate ausgeschüttet werden.

Was bedeutet das nun konkret für unser Bemühen, unsere Selbstliebe und unser Selbstwertgefühl aufzubauen und zu stärken? Dass gute Gespräche mit Fachleuten tatsächlich helfen, ebenso dass Imaginationen und Affirmationen wirken. Aber auch allgemein positive Gedanken und das Einüben von Verhaltensweisen, die von Selbstliebe und Selbstwertgefühl zeugen.
Wie ich in meinem Buch „Ich liebe mich selbst und mache mich glücklich“ schreibe, funktioniert es tatsächlich, uns die Selbstliebe „einzureden“, auch wenn wir sie noch nicht besitzen. Meine Methode beruht ja auf zwei Pfeilern, die dann am besten funktionieren, wenn wir mit beiden gleichzeitig an uns arbeiten: Einerseits uns selbst durch Affirmationen und positiver Selbstbeeinflussung davon zu überzeugen, dass wir es wert sind, uns selbst zu lieben, und dies auch können; andrerseits indem wir die Verhaltensweisen verändern, die von unserer schwachen Selbstliebe und unserem Mangel an Selbstwertgefühl zeugen. Dabei entsteht eine positive Wechselwirkung: Indem wir mehr und mehr daran glauben, dass wir uns selbst lieben, finden wir den Mut, uns tatsächlich selbstbewusster zu verhalten, und durch unser Verhalten, das mehr und mehr auf Selbstvertrauen und Selbstachtung beruht, stärken wir unseren Glauben an unsere Selbstliebe.
In jedem Fall will ich euch wieder einmal dazu ermuntern, an euch zu arbeiten – wie die Wissenschaft beweist: Es lohnt sich! Vielleicht euer guter Vorsatz fürs Neue Jahr…

*Alle von mir verlinkten Artikel und Fernsehsendungen sind beispielhaft ausgewählt; es gibt unzählige davon, die ihr findet, wenn ihr etwa nach Gehirn Veränderung Gefühle oder nach Gehirn Veränderung Psychotherapie googlet. Oder für die ersten von mir erwähnten Aussagen nach Hormone steuern Gefühle.

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Mein neues „Sonnwandeln“

Vor gut zehn Jahren begann ich, Sonnwandeln zu schreiben, eine Schriftenreihe für spirituelle Entwicklung im Alltag. Es entstanden schliesslich dreissig thematische Ausgaben, insgesamt über 600 Seiten. Den Namen Sonnwandeln wählte ich in der dop­pelten Be­deutung von „auf dem sonnigen Lebensweg wandeln“ und „sich zu einem sonnigen Gemüt wandeln“. Diese Schriftenreihe, die es nur in elektronischer Form gab, habe ich jetzt in gedruckte Bücher umgeformt und bei dieser Gelegenheit gründlich überarbeitet. Der erste Band mit dem Titel „Der Sinn des Lebens und die Lebensschule“ ist soeben erschienen, die übrigen vier erscheinen nach und nach.
Jedes Kapitel entspricht einer Ausgabe der früheren Schriftenreihe und weist die gleiche Struktur auf: „Einführende Gedanken“ stellt eine Einleitung ins Thema dar und wirft auch Fragen auf, die ich dann in den weiteren Rubriken „Vertiefende Aspekte“ und „Fragen & Antworten“ konkret und alltagsbezogen be­handle, wie es meine Art ist.
Zu jedem Thema gibt es eine Aufgabe für die innere Entwicklung, ergänzt durch Vorschläge für Affirmationen, eine Ima­gination oder Meditation und unterstützende Heilsteine und Bach-Blüten.

Das Konzept von Sonnwandeln ist einzigartig in seiner Ganzheitlichkeit und seinem Alltagsbezug.
Dabei geht Sonnwandeln einen Schritt weiter als die meisten Ratgeber-Bücher und die spirituelle Literatur, indem es die behandelten Themen nicht nur in einen konkreten Alltagsbezug stellt, vielmehr auch Entwicklungsziele Schritt für Schritt klar definiert und die entsprechenden Aufgaben dazu stellt.

Gebet und Meditation sind eine Seite der Spiritualität, eine wichtige – doch darüber gibt es schon viel Literatur und manche Website.
Deshalb konzentriert sich Sonnwandeln darauf zu zeigen, wie wir die spirituelle Ebene in unseren Alltag einbringen können, im Beruf, in Partnerschaft und Familie, bei Freizeitaktivitäten, mit Freunden und all unseren Mitmenschen, in unseren täglichen Entscheidungen und Taten, durch Krisen und Herausforderungen: Wir lernen Ängste und Wünsche abzubauen, Selbstwert, Urvertrauen und Gleichmut zu stärken – dadurch wachsen wir innerlich und kommen dem Göttlichen näher.

Sonnwandeln steht keiner Religion, Lehre, Kirche, Sekte oder Organisation nahe, ist völlig unabhängig und keiner bestimmten Ideologie verpflichtet. Ich schöpfe aus weltweiter spiritueller, philosophischer und psychologischer Weisheit. Eine Gottfigur der Gebote und Verbote, mit Belohnung und Strafe, findet darin keinen Platz, wohl aber das Göttliche als Absolutes, Einheit, Allheit.

Buchtitel_Der_Sinn_des_LebensDer Sinn des Lebens und die Lebensschule
von Karin Jundt
nada-Verlag
ISBN 978-3-907091-05-0
Paperback, 220 Seiten
EUR 19.00 / ca. CHF 25.00

Erhältlich:
• im Buchhandel und in den Online-Shops

Die Kapitel:
1. Der Sinn des Lebens und unsere Lebensaufgabe
2. Lebensphasen und Lebenskrisen
3. Zufall und Schicksal
4. Freier Wille oder Vorbestimmung?
5. Wille und Wollen
6. Unsere Innere Stimme

Sonnwandeln zeigt Wege auf
• wie wir mit weniger Angst und Sorgen gleichmütiger und zufriedener durch das Leben wandern,
• und im alltäglichen Handeln spirituell wachsen können,
• mit beiden Füssen fest in dieser Welt verankert, ohne asketische Praktiken und Entsagung.

Zu den Leseproben…

Noch eine Bitte: Falls euch das Buch gefällt und euch auf eurem spirituellen Weg unterstützt, wäre es für mich sehr hilfreich, wenn ihr eine Bewertung/Rezension in einem oder mehreren Online-Shops abgebt. Vielen Dank!

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Das bin nicht ich!

Ein junger Mann, ich nenne ihn Florian*, erzählte mir neulich die Geschichte seiner Liebesbeziehung, die vor einer Weile zu Ende gegangen war. Beiderseits eine Reihe von Erwartungen, die nicht erfüllt wurden, von Fehlinterpretationen und Missverständnissen, die auf zu wenig Offenheit beruhten, von Beschuldigungen und Vorwürfen, von empfundener Ablehnung und gegenseitigem Sichbrauchen, vom Projizieren der eigenen Probleme auf den Anderen – vor allem aber der verzweifelte Versuch zweier Menschen mit zu wenig Selbstwertgefühl im Partner den Rettungsanker zu sehen.
Florian hat seine Beziehung sehr gründlich und bemerkenswert realistisch analysiert und viel daraus gelernt. Ich stimmte ihm in vielem zu, was er erkannt hat.
Eine sich wiederholende Aussage von ihm hat mich aber aufhorchen lassen. Wenn er jeweils erzählte, wie ungerecht er seine Partnerin behandelte, wie er ihr eine Eifersuchtsszene machte, ständig an ihr herummäkelte, sich mit gemeinen Sprüchen dafür rächte, wenn er sich verletzt fühlte, ergänzte er: „Aber so bin ich nicht. Das ist nicht der wahre Florian.“ Oder: „Ich war nicht ich selbst, als ich das gesagt habe.“ Oder: „Das fühlte sich nicht nach meinem wahren Ich an.“

Doch. Alles war Florian. Der wahre Florian besteht aus den guten und den schlechten Eigenschaften, wie wir alle. Sonst könnten wir nicht einmal so und einmal so sein. Wir können es Seele und Ego nennen oder höheres und niederes Selbst, aber beide gehören zu uns.

Solange wir einen Teil von uns, den wir für den „schlechten“ halten, nicht akzeptieren, können wir ihn auch nicht verändern und nach und nach loslassen. Zuerst geht es nämlich immer darum, uns zu lieben, wie wir sind.
Dann können wir anfangen, die Eigenschaften an uns, die wir als negativ betrachten, in die positiven zu verwandeln. Dabei brauchen wir es uns niemals vorzuwerfen, wenn der „böse“ Teil gerade im Vordergrund steht: Schauen wir ihn an, nehmen ihn zur Kenntnis, akzeptieren ihn. Dagegen anzukämpfen, ist hoffnungslos. Vielmehr müssen wir einfach die guten Eigenschaften in uns fördern und versuchen, uns neue gute Eigenschaften anzueignen. So überlagern diese nach und nach die schlechten.
Dabei ist es nützlich zu erkennen, wie viele unserer Verhaltensweisen mit mangelnder Selbstliebe zusammenhängen. Arbeiten wir konsequent und beharrlich am Aufbau oder an der Stärkung unseres Selbstwertgefühls und unserer Selbstliebe, so verschwinden mit der Zeit die schlechten Eigenschaften. Es kommt nicht so sehr darauf an, welches „Symtpom“ mangelnder Selbstliebe wir gerade ins Visier nehmen und uns dabei um eine Veränderung bemühen, denn alle hängen zusammen: Ändern wir eine Eigenschaft, so verändern sich andere mit. Diese Methode, an uns zu arbeiten, habe ich ausführlich in meinem Buch „Ich liebe mich selbst und mache mich glücklich beschrieben.“

* Name aus Diskretionsgründen geändert.

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