„Geteiltes Leid ist…

… halbes Leid“, sagt das Sprichwort. Zweifellos tragen wir leichter an unserem Schicksal, wenn jemand uns zur Seite steht, uns auf einem schweren Gang begleitet; es tut uns gut, mit jemanden reden zu können, Mitgefühl zu spüren, uns an einer starken Schulter anlehnen oder ausweinen zu können.

Ich aber behaupte: Geteiltes Leid ist doppeltes Leid. Laden wir Kummer, Schmerz, Sorgen bei einem Mitmenschen, der uns liebt oder mag, ab, so wird er mit uns mit-leiden. Nützt uns das etwas? Nein!
Bitte nicht missverstehen: Wenn wir Hilfe brauchen und jemand uns helfen kann, dann sollen wir darum bitten. Es ist wichtig für eine gesunde Selbstliebe, dass wir es wagen, uns auch schwach und bedürftig zu zeigen.

Aber wie oft, obwohl wir wissen, dass ein anderer uns nicht helfen kann, jammern wir bloss, klagen, stellen uns als Opfer dar, suchen Anteilnahme und Mitleid. Mit-Leid – im wahren Sinn des Wortes – verursachen wir dann. Das zeugt eher von Egoismus als von gesunder Selbstliebe.
Um unsere Selbstliebe und unser Urvertrauen zu stärken und um zu lernen, uns in uns selbst geborgen zu fühlen, sollten wir der Versuchung widerstehen, andere unnötig mit unseren Sorgen zu belasten. Schweigen ist oft tatsächlich Gold.

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Vom Vorsatz zur Tat

Wie oft habe ich hier auf dieser Webseite, in Artikeln und Büchern schon geschrieben, dass der Weg zur Selbstliebe ein bisschen Mut erfordert! Es braucht den Mut, für sich selbst einzustehen, nicht immer nur „lieb“ sein und allen gefallen zu wollen, manchmal gar den Mut zum Risiko, einen sogenannten Freund zu verlieren. Wenn ihr auf dieser Website auf das Stichwort „Mut“ klickt (in der rechten Spalte weiter unten auf der Seite), so findet ihr einige Artikel zu diesem Thema.

Gut, dann fassen wir also diesen Vorsatz, mutiger zu sein, und … dann muss er auch in die Tat umgesetzt werden. Was uns oft schwer fällt, wenn eine konkrete Situation eintritt. Darum will ich heute einige Anregungen geben, wie es uns gelingen kann.

• Wichtig ist, den Vorsatz für sich selbst konkret und situationsbezogen zu formulieren. Nicht einfach: Ab sofort will ich mutiger sein, sondern beispielsweise: Wenn eine Freundin/Bekannte/Partnerin/Mutter/… mich das nächste Mal bevormunden und mir vorschreiben will, was ich zu tun habe, sage ich zu ihr: „Ich kann mich sehr wohl um mich selbst kümmern, bitte misch dich nicht mehr in meine persönlichen Angelegenheiten ein.“

• Habe ich diesen konkreten Vorsatz gefasst, so gehe ich ihn gedanklich immer wieder einmal durch. Ich stelle mir die Situation bildlich vor, also auch wie ich vor der Freundin/… stehe und ihr gerade in die Augen schaue, während ich den vorbereiteten Satz sage. Dadurch, dass ich diese Situation mehrmals gedanklich durchspiele, wird sie schon gewissermassen zu einer Gewohnheit, als hätte ich sie tatsächlich mehrmals erlebt. Dank dieses Automatisierungsprozesses, wird es mir leichter fallen, so zu handeln, wenn die Situation dann tatsächlich eintritt.

• Schliesslich nehme ich mir auch vor, mich nicht auf eine Diskussion einzulassen. Es ist anzunehmen, dass die Freundin/… sich mit meiner Aussage nicht einfach abfinden, sondern etwas erwidern wird. Auch für diesen Fall bereite ich mir einen Satz vor, den ich beim vorherigen gedanklichen Durchspielen der Situation immer wieder übe: „Darüber diskutiere ich nicht. Ich habe dir meine Meinung gesagt und dabei bleibt es.“ Und dann schweige ich tatsächlich, vielleicht kehre ich ihr auch den Rücken und gehe davon.

• Zu guter Letzt, was ich ja auch immer wieder sage und schreibe: Ein Vorsatz aufs Mal ist genug! Will hier konkret heissen: Ich fasse einen Vorsatz, für eine konkrete Situation mit einem bestimmten Menschen. Und nicht für mehrere zugleich. Wir sollen uns nicht überfordern!

Unnötig zu erwähnen, dass diese Methode, Vorsätze in die Tat umzusetzen, nicht nur im Bereich der Selbstliebe funktioniert, sondern bei allen guten Vorsätzen, beispielsweise für eine gesündere Lebensweise: „Wenn ich diesen Artikel fertig geschrieben habe, ziehe ich mich gleich um und gehe ins Fitness-Training.“ 😉

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Selbstliebe und die konkurrierenden Ängste

Die Angst, nicht geliebt zu werden, ist eine unserer ursprünglichsten Ängste. Je nach Situation äussert sie sich in verschiedenen Formen, nämlich als Angst vor
• Zurückweisung,
• Ausgrenzung,
• Verurteilung,
• Missachtung,
• Einsamkeit,
• Verlust,
• Konflikten
und viele mehr.

Auf der anderen Seite, gewissermassen als Konkurrenz, stehen die Angst vor
• Abhängigkeit, Unterlegenheit, Ausnutzung,
• Fremdbestimmung,
• fehlender oder mangelhafter Selbstverwirklichung,
• Selbstverurteilung, Schuldgefühlen,
• Nichterlangen persönlicher Ziele und Wünsche, Lebensversäumissen,
• Sinnlosigkeit,
• und viele mehr.

Welche der beiden Kategorien auch immer dominiert, sie hindert uns daran, zutiefst glücklich zu sein – wie Ängste unserem Glück ja immer im Wege stehen.
Stärken wir unser Selbstwertgefühl und unsere Selbstliebe, so verschwinden auch die oben aufgeführten Ängste nach und nach.
Meine Methode, die ich in meinen Buch „Ich liebe mich selbst und mache mich glücklich“ beschreibe, beruht ja darauf, an unseren Verhaltensweisen zu arbeiten, und zwar an einer nach der anderen. Die Frage stellt sich also: Bei welcher sollen wir beginnen?
Auf jeden Fall bei einer Verhaltensweise, die uns unmittelbar zu mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung führt, denn wir sollen unser eigenes Leben leben und nicht das eines anderen! Unsere Seele wird es nämlich auf die Dauer nicht akzeptieren, dass wir unseren eigenen Lebensplan, unsere existenziellen Wünsche, Ziele, Wertvorstellungen missachten, weil wir es anderen recht machen und ihre Anerkennung und Wertschätzung nicht verlieren wollen. Der innere Konflikt zwischen diesen konkurrierenden Ängsten macht uns krank, psychisch und/oder körperlich.

Zugegeben, es braucht etwas Mut. Ich erinnere daran, dass Mut nicht Furchtlosigkeit ist, wie man so leichthin annehmen könnte. Mut ist die Überwindung der Angst. Etwas zu tun – und sei es noch so spektakulär –, von dem wir überzeugt sind, dass wir es können, es gut ausgeht, alle es billigen, erfordert keinen Mut. Mut haben heisst, seine Angst erkennen, annehmen, zu ihr stehen und sie übergehen, sich von ihr nicht abhalten lassen und trotz und mit ihr handeln.
Viele Hinweise und Tipps dazu finden sich in meinen Büchern. An dieser Stelle deshalb nur ein wichtiger Glaubenssatz, den wir uns immer und immer wieder sagen müssen, wenn die Angst, nicht geliebt zu werden, über die Angst, uns nicht selbst zu verwirklichen, zu siegen droht: „Ich will auf meinem Sterbebett nicht bereuen müssen, nicht mich selbst gelebt zu haben.“

Oder mit anderen Worten: Unsere Angst, etwas bereuen zu müssen, sollte immer stärker sein als unsere Angst, nicht geliebt zu werden. Denn diese Angst treibt uns dazu an, den für uns richtigen Weg einzuschlagen.Artikel teilen auf:

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Ich kann nicht…

Selbstliebe erfordert Mut. Wie oft habe ich früher, als ich selbst noch am Aufbauen meiner Selbstliebe war, gesagt: „Ich kann nicht!“, wenn jemand mir in einer bestimmten Situation sagte, ich müsse lernen, Nein zu sagen, oder mich bei einer Ungerechtigkeit wehren.
Der wohl wichtigste Satz, den eine Therapeutin mir damals entgegnete, war: „Ich kann nicht, gibt es nicht, es gibt nur: Ich will nicht.“ Recht hatte sie! Weder hatte ich nämlich die Sprache verloren noch die Einsicht, was ich wirklich wollte. Das einzige, was mich jeweils daran hinderte, war meine Angst.

Inzwischen habe ich den Satz „Ich kann nicht!“ unzählige Male gehört, wenn ich jemanden ermunterte, Nein zu sagen und sich zu wehren. Und ebenso oft habe ich dann erwidert: „Du kannst nicht? Doch, du kannst! Du musst es nur wollen!“
Um die Selbstliebe, das Selbstwertgefühl und dabei vor allem das Selbstvertrauen zu stärken und die Selbstachtung nicht zu verlieren, müssen wir zuweilen über unseren eigenen Schatten springen. Anders geht es nicht. Darauf zu warten, dass es irgendwann einmal leichter wird, ist eine Illusion.

Habt ihr schon einmal eine Fliege beobachtet, die an einem Fenster hinauf und hinunter, von rechts nach links und zurück herumsurrt? Sie denkt wohl: Ich kann nicht… Dabei merkt sie nicht, dass das Fenster gleich daneben sperrangelweit offen steht und sie sich nur über den Fensterrahmen wagen müsste, um frei zu sein.

Solange wir in einer Situation denken „Ich kann nicht!“, schaffen wir es tatsächlich nicht, wir blockieren uns selbst. Seien wir dann ehrlich zu uns selbst und sagen wir: „Ich will nicht.“ Sofort wird sich in uns etwas regen, das schreit: „Doch, ich will! Ich will Nein sagen! Ich will mich wehren!“ Das ist der Moment, in dem wir es auch schaffen, über unseren Schatten zu springen, und tatsächlich Nein sagen, uns tatsächlich wehren.Artikel teilen auf:

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Weise Sprüche

Im Internet, vor allem in den sozialen Medien, kursieren weise Sprüche zum Thema Selbstliebe zu Tausenden und werden millionenfach weiterverbreitet. Sinnvoll und nützlich sind sie meistens nicht, sie hören sich nur beim oberflächlichen Lesen gut an. Hier zwei Beispiele, die mir neulich begegnet sind:

„Glück bedeutet nicht, alles zu haben, was man will, sondern die Menschen zu haben, die man braucht.“

„Nichts und niemand ist es wert, dass du dich selbst kaputt machst. Sag öfter mal Nein und nimm dir Zeit. Ganz für dich allein.“

Die vielen „likes“ und positiven Kommentare in den sozialen Medien zu solchen Sprüchen liessen vermuten, dass die Zustimmung sehr gross ist; allerdings glaube ich, dass nur diejenigen reagieren, die zustimmen, die anderen melden sich nicht. Und ich gebe zu, ich schreibe auch nur äusserst selten dagegen – sonst wäre ich bald den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt.
Für den ersten der oben erwähnten Sprüche will ich es an dieser Stelle tun, um aufzuzeigen, wie oberflächlich solche „Lebensweisheiten“ oft daherkommen, ja geradezu falsch und deshalb sogar schädlich sind. „Die Menschen haben, die man braucht“ – braucht? Ist es denn gut, jemanden zu brauchen? Bedeutet dies nicht Abhängigkeit von diesem Menschen? Doch! Und Abhängigkeit von anderen steht immer Widerspruch zur Selbstliebe.

Betrachtet man es genauer, sind solche „Weisheiten“ ohnehin nutzlos.
Es gibt nämlich drei wesentliche Arten, wie wir sie bewerten und aufnehmen:

1. Unsere Selbstliebe ist bereits stark, wir stimmen dem Spruch zu, ohne weiter darüber nachzudenken; in diesem Fall nützt er uns also nichts, da wir bereits danach leben. Er schadet uns auch nicht, er ist einfach überflüssig.

2. Oder unsere Selbstliebe ist zwar nicht stark genug, aber wir wissen eigentlich, dass wir genau das, was der Spruch vorschlägt, an uns ändern müssten, und stimmen ebenfalls zu (ohne die Aussage einer eingehenderen Prüfung zu unterziehen). Doch wie wir es konkret machen sollen, wird uns nicht gesagt, es bleibt in diesem Sinne beim „Sprüche klopfen“ und nützt uns nichts für die Stärkung unserer Selbstliebe. Haben wir solche Sprüche denn nicht schon zur Genüge gesagt bekommen? „Du musst halt Nein sagen, wenn du etwas nicht willst.“ „Lass dich nicht immer benutzen!“ „Steh zu dir selbst!“
Ich gebe zu, dass ich auf meinen Websites und in meinen Büchern zuweilen auch „weise“ Sprüche, eigene und zitierte, verwende. Doch ich lasse sie nicht unkommentiert stehen, ich bemühe mich jeweils zu erläutern, wie wir sie in unserem Alltag konkret umsetzen können, um unsere mangelnde oder schwache Selbstliebe und Urvertrauen aufzubauen und zu stärken. Ich bemühe mich – ich will nicht behaupten, dass es mir immer gelingt.

3. Unsere Selbstliebe ist schwach und der Spruch beweist uns einmal mehr, wie unvollkommen wir sind, dass wir auch hier versagen, während andere (die Sprücheschreiber) all das perfekt können. Denn die Menschen, die wir zu brauchen meinen, haben wir nicht, sie lieben uns vermeintlich nicht. Und wir machen uns selbst kaputt, mit Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen, Versagensempfinden. Und Nein sagen können wir auch nicht! Zudem: „Nimm dir Zeit für dich allein“ – aber ich bin ja schon allein, ich fühle mich einsam, ich will doch nichts lieber, als Menschen um mich zu haben, die mich wertschätzen, doch ich habe keine.
Diese Sprüche, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt, wirken also kontraproduktiv, sie schwächen unser Selbstwertgefühl noch mehr und machen uns noch unglücklicher; sie treiben die Spirale versagen – Selbstvorwürfe – schwaches Selbstwertgefühl – erst recht versagen – noch mehr Selbstvorwürfe – noch schwächeres Selbstwertgefühl an.

Darum: Betrachtet die „Weisheiten“, die ihr hier und dort lest, kritisch, denkt darüber nach, ob sie sich nicht nur schön anhören, sondern auch wahr sind, und nützlich. Und seid euch vor allem bewusst: Sprüche machen ist einfach, aber auch diejenigen, die ach so weise scheinen, leben oft nicht nach ihrer eigenen Weisheit (ich bin da manchmal auch keine Ausnahme!). Wir sind alles nur schwache Menschen auf dem Weg zur Vollkommenheit.

Ich will allerdings noch hinzufügen: Es gibt auch viele schöne, tiefsinnige, förderliche Sprüche und Zitate 🙂Artikel teilen auf:

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Über allem die Liebe

Mein neues Buch, der 3. Band der Sonnwandeln-Reihe, mit dem Titel „Über allem die Liebe“ ist soeben erschienen.

Sonnwandeln_Band_3

Über allem die Liebe
Sonnwandeln Band III
von Karin Jundt
nada Verlag
ISBN 978-3-907091-13-5
Paperback, 236 Seiten
EUR 19.00 / ca. CHF 25.00

Erhältlich in Buchhandlungen und Online-Shops.

Die göttliche Liebe trägt das Universum. Doch wie könnte sie in der Welt fliessen, wenn nicht von Wesen zu Wesen? In diesem Buch beleuchte ich Aspekte un­se­­rer unvoll­kommenen menschlichen Liebe.
Zuallererst geht es um die Selbstliebe, eine unabdingbare Voraus­setzung, wollen wir andere Menschen wahrhaftig lieben. Dann um die Liebe zu unserem Nächsten im Allgemeinen und zwischen Eltern und Kindern im Besonderen. Ein ganzes Kapitel widme ich auch der Paarbeziehung; ich zeige Wege auf zu einer dauerhafteren, glück­licheren Partnerschaft in be­din­gungsloser, uneigennütziger Liebe, jenseits von Er­war­tungen und Forderungen, Eifersucht und Verlust­angst, Macht­kämpfen und Ver­letzungen. Aber auch die leidvolle Tren­nung von geliebten Men­schen, sei es durch Verlassen oder Tod, und schliesslich die Einsamkeit sind ein wichtiges Thema.
Im Licht einer im gewöhnlichen Alltag gelebten Spiritualität stelle ich die Thematik, wie in all meinen Büchern, praxisbezogen dar und biete konkrete Empfehlungen, Anleitungen und wirksame In­stru­­men­te zur Selbst­veränderung.

Hier einige Leseproben.Artikel teilen auf:

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Die drei Siebe der Selbstliebe

Vielleicht kennt ihr die Geschichte von Sokrates und den drei Sieben. Ich erzähle sie kurz.

Ein Mann kam zu Sokrates und sagte: „Ich muss dir unbedingt etwas erzählen!“
Der Weise unterbrach ihn: „Warte. Zuerst wollen wir deine Geschichte durch die drei Siebe sieben. Das erste Sieb ist das der Wahrheit: Bist du sicher, dass das, was du mir erzählen willst, wahr ist?“
Der Mann antwortete: „Nein, sicher bin ich nicht. Ich habe es auch nur gehört.“
„Und wie steht es mit dem zweitem Sieb, dem des Guten? Ist das, was du mir erzählen willst, etwas Gutes?“
„Nein“, gab der Mann zu, „im Gegenteil…“
„Dann bleibt nur noch das dritte Sieb. Ist es nötig, dass du mir die Geschichte erzählst?“
„Nötig?“, fragte der Mann und überlegte einen Augenblick. „Nein, nicht wirklich…“
Sokrates lächelte: „Nun, wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch nötig ist – dann lass es lieber bleiben.“

Wenn wir denken, dass wir es nicht wert sind, uns selbst zu lieben, sollten wir diese Überzeugung auch durch drei Siebe sieben:
• Das Sieb des Ich: Wer ist es, der sich nicht als wertvoll empfindet? Nicht etwa nur das Ego, das Liebe abhängig macht von Äusserem, wie Aussehen, Eigenschaften, Leistung, während die Seele um ihre Vollkommenheit weiss?
• Das Sieb des Massstabs: Wer bestimmt denn, was wertvoll ist und was nicht? Unser Unbewusstes, das sich auf Bewertungen stützt, die unsere Eltern uns als Kinder eingepflanzt haben? Unsere heutigen Mitmenschen, die uns dann für wertvoll halten, wenn wir uns so verhalten, wie sie es erwarten?
• Und schliesslich das Sieb der Liebe: Ist Liebe denn nicht bedingungslos, ohne Forderungen und Erwartungen?

Nun, wenn es nur das Ego ist, das meint sich nicht lieben zu dürfen, der Wertmassstab falsch oder zumindest höchst unvollkommen ist und die Liebe ohnehin keine Bedingungen stellt – was sollte uns daran hindern, uns selbst zu lieben?
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Habt Mut zur Selbstliebe!

Viele Beiträge über unsere unzähligen Ängste habe ich schon geschrieben. Heute will ich euch einfach wieder einmal Mut machen, Mut, zu euch selbst zu stehen, Mut, so zu entscheiden und zu handeln, wie ihr selbst es wirklich wollt, und vor allem Mut, euch zu verändern, eure Selbstliebe zu stärken.

Wie ich schon mehrmals sagte: Mut ist nicht Furchtlosigkeit. Etwas zu tun, und sei es noch so spektakulär, wovon wir überzeugt sind, dass wir es können, es gut ausgeht, alle es billigen, verlangt uns keinen Mut ab. Die Angst überwinden, das ist Mut.
Wenn wir immer nur tun, was wir schon können, kommen wir keinen Schritt weiter. Dabei haben wir doch in unserem Leben schon unzählige Male Mut bewiesen. Seit frühester Kindheit brauchten wir ihn: als wir das erste Mal einen Schritt gingen, ohne uns festzuhalten, zum ersten Mal eine Treppenstufe überwanden, uns das erste Mal auf das Fahrrad ohne Stütz­räder wagten, den ersten Tag ohne die Mutter im Kindergarten verbrachten, erstmals einen grossen Hund streichelten oder von einem Mäuerchen sprangen, das erste Mal allein auf dem Schulweg waren, …
Als Kinder besassen wir diesen Mut; die Neugier, die Lust am Entdecken und am Lernen war schliesslich immer stärker als unsere Angst vor dem Unbekannten und dem Ver­sagen. Es lag bestimmt auch daran, dass wir nicht ständig darüber nachdachten, welche Konsequenzen unser Tun ha­ben könnte. Kinder handeln in der Regel nach dem Prinzip „trial and error“: Sie versuchen einfach etwas und wenn es schiefgeht, haben sie (vielleicht) daraus gelernt und tun es nicht mehr. Was sie jedoch niemals davon abhält, bei der nächsten Gelegenheit freimütig wieder etwas anderes auszuprobieren.
Wir Erwachsene hingegen haben für Fehlschläge, Miss­erfolge und unangenehme Situationen ein ausgezeichnetes Gedächtnis und lassen zu, dass diese Erinnerungen uns da­ran hindern, das Gleiche nochmals zu wagen oder unbelas­tet an eine neue Herausforderung heranzugehen.
Bemühen wir uns, diesen kindlichen Mut wiederzufinden! Betrachten wir das Leben als eine Schule und gehen wir freudig gespannt auf neue Erfahrungen zu, um innerlich daran zu wachsen. Die Angst wird uns immer wieder be­gleiten und zu behindern versuchen. Denken wir in solchen Situationen an eine Begebenheit in der Kindheit zu­rück, in der wir die Angst überwanden, und fühlen wir die da­malige Freude, als es uns gelang. Erinnern wir uns dabei auch da­ran, wie oft wir als Kinder gefallen sind… und immer wieder aufgestanden.

Es gibt, je nach Situation, eine ganze Reihe an Argumenten, mit denen wir uns selbst Mut zusprechen können; nachfolgende einige davon:
• Wenn jemand mich nicht mehr mag, nicht mehr liebt, bloss weil ich es wage, ich selbst zu sein, so habe ich an dieser Person nicht viel verloren. Denn Menschen, die mich nur mögen, weil ich lieb, nett, grosszügig, hilfsbereit bin, weil ich ihnen nie widerspreche, mich ihrem Willen füge, solche Menschen will ich nicht mehr um mich haben. Es wäre entwürdigend für mich. Und ich weiss: Für jeden sogenannten „Freund“, den ich verliere, finde ich einen neuen, echten Freund.
• Ich bin kein Egoist, nur weil ich mein Leben lebe und mich nicht in Rollen drängen lasse, weil ich die Entscheidungen für mich treffe und meinen Weg gehe. Jeder hat das Recht, ja die Pflicht dazu. Und vor allem bin ich nicht für die Empfindungen und Reaktionen der anderen verantwortlich, egal was ich sage und tue.
• Ich kann es so oder so nicht immer allen recht ma­chen: Also tue ich, was ich für richtig halte, und mache es da­durch wenigstens mir selbst recht.
• Ich vertraue darauf, dass meine Seele (die Innere Stim­me) mich stets zum Richtigen anleitet – selbst wenn es nicht so scheint und Mitmenschen es anders beurteilen. Ich glau­be fest daran, dass alles immer so kommt, wie es für alle Beteiligten gut ist.
• Niemand ist fehlerlos. Auch mir kann es passieren, dass ich jemandem wehtue, etwas Dummes sage oder mache, in einer Situation versage, mich der Kritik aussetze. Lieber bin ich aber mutig und mache einmal etwas falsch, als dass ich aus Angst davor nur schweige und im alten Trott weiterfahre. Ich kann mich ja für meine Fehler entschuldigen – auch das ist ein Beweis für Mut und Stärke.

Ich wünsche uns allen stets den Mut, wir selbst zu sein. Mehr braucht es nicht, um erhobenen Hauptes durch das Leben zu gehen.

Dieser Text beruht auf Kapitel 1 meines Buches „Ich liebe mich selbst 2“.Artikel teilen auf:

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Die Beziehung mit mir selbst

Sucht man nach Zitaten unter dem Stichwort „Selbstliebe“ oder „Eigenliebe“, so fällt auf, dass diese Begriffe früher mit Egoismus gleichgesetzt wurden, vor allem in einem religiösen Zusammenhang. Zwei Beispiele:

Nichts bewahrt uns mehr vor dem Hochmut und der Eigenliebe als die ununterbrochene Gemeinschaft des Kreuzes Jesu.
Friedrich Christoph Oetinger (1702 –1782)

Selbsterkenntnis ist ein unfehlbares Mittel gegen Selbstliebe.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Erst in jüngster Zeit verstehen wir Selbstliebe als eine positive Eigenschaft eines Menschen und haben erkannt, dass es dabei um unsere Beziehung mit uns selbst geht – so wie es bei der Liebe für andere Menschen um unsere Beziehung mit ihnen geht.

Fragen wir uns, wie wir uns selbst lieben können und sollen? Schauen wir doch einfach, wie die Beziehung mit einem von uns geliebten Menschen sich äussert und übertragen es auf unsere Beziehung mit uns selbst (ich nenne ihn hier Aimé – französisch für „geliebt“; ersetze du beim Lesen „Aimé“ durch den Namen eines Menschen, den du liebst).

Dabei geht es vor allem um die folgenden Aspekte:
Respekt: Ich respektiere Aimé, seine Eigenart, seine Entscheidungen, seine Selbstverantwortung für sein Leben –> Ich respektiere mich selbst, akzeptiere meine Eigenart, nehme mir das Recht auf meine eigenen Entscheidungen für mein Leben als selbstverantwortlicher Mensch.
Wertschätzung: Ich schätze Aimé als menschliches Wesen, unabhängig von seinen Eigenschaften und seinem Verhalten –> Ich schätze mich selbst als menschliches Wesen, einfach weil ich bin, unabhängig davon, wie ich bin und was ich tue; ich werte micht nicht ab wegen „schlechter“ Eigenschaften oder fehlender Fähigkeiten.
Vergebung: Meiner Liebe für Aimé wohnt die Kraft inne, ihm „Fehler“ und Unzulänglichkeiten zu verzeihen, da er, wie alle Menschen, nicht perfekt ist –> Ich verzeihe mir alle meine „Fehler“, die vergangenen ebenso wie die künftigen, die mir immer wieder passieren werden, da ich nicht vollkommen bin, es nicht sein kann und nicht sein muss; meine weniger guten Eigenschaften und sogenanntenn Schwächen akzeptiere ich ebenfalls als einen Teil von mir und verurteile mich nicht deswegen.
Vertrauen: Ich bringe Aimé ein grundlegendes Vertrauen entgegen –> Ich vertraue mir selbst, meinen Entscheidungen, meiner inneren Stimme, dem, was ich für mich als richtig spüre, und handle entsprechend.
Bedingungslosigkeit: Ich liebe Aimé nicht weil… Ich brauche keinen Grund, um ihn zu lieben, ich liebe ihn einfach –> Ich brauche keinen Grund, um mich selbst zu lieben, und es gibt nichts, gar nichts, was mich daran hindern soll, ich habe keine Vorbehalte, weil ich doch nicht so perfekt bin, dieses und jenes falsch mache…

Abschliessend eines meiner Lieblingszitate zum Thema Liebe und Selbstliebe:

Wer sich selbst nicht auf die rechte Art liebt, kann auch andere nicht lieben.
Robert Musil

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Ein neues Buch zur Selbstliebe

Nach meinem Buch „Ich liebe mich selbst und mache mich glücklich“ habe ich nun einen zweiten Band veröffentlicht mit dem Titel „Ich liebe mich selbst 2“, das ich als „Übungsbuch“ konzipiert habe. Bei der Theorie habe ich mich auf das Nötigste beschränkt; es handelt sich hauptsächlich um eine konkrete Anleitung zum Ablegen der Verhaltensmuster, die durch eine zu schwache Selbstliebe und ein geringes Selbstwertgefühl verursacht werden.
In jedem der 26 kurzen Kapitel behandle ich eine Verhaltensweise und schlage eine auf den gewöhnlichen Alltag ausgerichtete Übung vor, um sie zu ändern. So könnte der Untertitel dieses Buches „In 26 Schritten zur Selbstliebe“ lauten. Darin sind teilweise auch die Texte meines früheren Monatsblatts zu diesem Thema eingeflossen.

Es geht dabei um unsere Abhängigkeit von der Liebe, Anerkennung und Wertschätzung an­derer Menschen, um Verlust­angst, Geborgenheit, Selbstbestimmung, aber auch um Per­fek­tio­nismus, Überheblichkeit, mangelnde Spontaneität, Schüch­ternheit und wei­te­re beeinträchtigende Wesenszüge.
Ein zentrales Thema sind unsere zahlreichen Ängste, die uns daran hindern, authentisch, eigen­ständig und frei zu leben. Wie in meinen ande­ren Büchern ist es mir auch diesmal ein wichtiges Anliegen, euch Mut zu machen – Mut, euch zu wandeln, euch selbst zu vertrauen und vor allem auf die Innere Stimme zu hören.

Den Weg und die Methode, die ich hier beschreibe, habe ich seiner­zeit selbst praktiziert, denn bis zum Alter von 40 Jahren fehlten mir das Selbst­­wertgefühl und die Selbstliebe fast vollständig; ich musste diese für ein zu­frie­denes Dasein unerläss­lichen Eigenschaften in einem langen Pro­zess der Selbstveränderung erlernen und aufbauen. Dementsprechend sind meine Erörterungen und Musterbeispiele, meine Erkenntnisse und Einsichten aus dem Leben gegriffen, meine Vor­schläge und Tipps für alle prakti­kabel. Der Alltag ist die Schule der Selbstliebe.

Ich liebe mich selbst 2
Ich liebe mich selbst 2
Ein Kurs in Selbstliebe, Band 2: Übungsbuch
von Karin Jundt
nada Verlag
ISBN 978-3-907091-06-7
Paperback, 156 Seiten
EUR 17.00 / ca. CHF 23.00

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