Selbstvertrauen durch Niederlagen

Erfolge, sowohl berufliche als auch private, stärken das Selbstvertrauen und damit das Selbstwertgefühl, hört man sagen. Immer wieder weise ich in meinen Büchern und Schriften darauf hin, dass diese Art „Stärkung“ nur vorübergehend ist, denn das so gestärkte Selbstwertgefühl währt nur so lange die Erfolge anhalten. Kurz zur Erinnerung: Das wahre, unerschüttliche Selbstwertgefühl (und damit Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbstachtung usw.) beruht einzig auf der Tatsache des „Ich bin“ – ich bin ein wertvolles menschliches Wesen, unabhängig von meinen Eigenschaften und Leistungen. Ich bin wertvoll einzig dadurch, dass ich bin.

Nun habe ich neulich, gewissermassen im Vorbeigehen, eine interessante These gehört: „Selbstvertrauen durch Erfolge ist vorübergehend. Selbstvertrauen durch Misserfolge hingegen ist dauerhaft und stark.“ Sich darüber ein paar Gedanken zu machen, lohnt sich, wie ich meine.

Tatsächlich kann ich dem zustimmen. Niederlagen erfahren wir alle, und wir alle werden damit irgendwie fertig, sei es durch Kämpfen oder durch gleichmütiges Erdulden, sei es, indem wir uns Hilfe holen oder uns diese „zufällt“ und wir sie annehmen. Jedenfalls ist es immer eine persönliche Leistung, über einen Misserfolg hinwegzukommen. Selbst wenn wir es bewusst nicht so wahrnehmen – oder uns aus einem Mangel an Selbstwertgefühl nicht als persönliche Leistung zugestehen –, so prägt sich dieser „Sieg“ dennoch in unser Unbewusstes ein und es bleibt die Erkenntnis hängen, dass wir es geschafft haben.
Dies stärkt auch in Zukunft unsere Zuversicht, dass wir es bei neuen Herausforderungen ebenfalls schaffen und sogar Misserfolge besser bewältigen werden. Ein Gewinn an Selbst- und Urvertrauen.

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Habt Mut zur Selbstliebe!

Viele Beiträge über unsere unzähligen Ängste habe ich schon geschrieben. Heute will ich euch einfach wieder einmal Mut machen, Mut, zu euch selbst zu stehen, Mut, so zu entscheiden und zu handeln, wie ihr selbst es wirklich wollt, und vor allem Mut, euch zu verändern, eure Selbstliebe zu stärken.

Wie ich schon mehrmals sagte: Mut ist nicht Furchtlosigkeit. Etwas zu tun, und sei es noch so spektakulär, wovon wir überzeugt sind, dass wir es können, es gut ausgeht, alle es billigen, verlangt uns keinen Mut ab. Die Angst überwinden, das ist Mut.
Wenn wir immer nur tun, was wir schon können, kommen wir keinen Schritt weiter. Dabei haben wir doch in unserem Leben schon unzählige Male Mut bewiesen. Seit frühester Kindheit brauchten wir ihn: als wir das erste Mal einen Schritt gingen, ohne uns festzuhalten, zum ersten Mal eine Treppenstufe überwanden, uns das erste Mal auf das Fahrrad ohne Stütz­räder wagten, den ersten Tag ohne die Mutter im Kindergarten verbrachten, erstmals einen grossen Hund streichelten oder von einem Mäuerchen sprangen, das erste Mal allein auf dem Schulweg waren, …
Als Kinder besassen wir diesen Mut; die Neugier, die Lust am Entdecken und am Lernen war schliesslich immer stärker als unsere Angst vor dem Unbekannten und dem Ver­sagen. Es lag bestimmt auch daran, dass wir nicht ständig darüber nachdachten, welche Konsequenzen unser Tun ha­ben könnte. Kinder handeln in der Regel nach dem Prinzip „trial and error“: Sie versuchen einfach etwas und wenn es schiefgeht, haben sie (vielleicht) daraus gelernt und tun es nicht mehr. Was sie jedoch niemals davon abhält, bei der nächsten Gelegenheit freimütig wieder etwas anderes auszuprobieren.
Wir Erwachsene hingegen haben für Fehlschläge, Miss­erfolge und unangenehme Situationen ein ausgezeichnetes Gedächtnis und lassen zu, dass diese Erinnerungen uns da­ran hindern, das Gleiche nochmals zu wagen oder unbelas­tet an eine neue Herausforderung heranzugehen.
Bemühen wir uns, diesen kindlichen Mut wiederzufinden! Betrachten wir das Leben als eine Schule und gehen wir freudig gespannt auf neue Erfahrungen zu, um innerlich daran zu wachsen. Die Angst wird uns immer wieder be­gleiten und zu behindern versuchen. Denken wir in solchen Situationen an eine Begebenheit in der Kindheit zu­rück, in der wir die Angst überwanden, und fühlen wir die da­malige Freude, als es uns gelang. Erinnern wir uns dabei auch da­ran, wie oft wir als Kinder gefallen sind… und immer wieder aufgestanden.

Es gibt, je nach Situation, eine ganze Reihe an Argumenten, mit denen wir uns selbst Mut zusprechen können; nachfolgende einige davon:
• Wenn jemand mich nicht mehr mag, nicht mehr liebt, bloss weil ich es wage, ich selbst zu sein, so habe ich an dieser Person nicht viel verloren. Denn Menschen, die mich nur mögen, weil ich lieb, nett, grosszügig, hilfsbereit bin, weil ich ihnen nie widerspreche, mich ihrem Willen füge, solche Menschen will ich nicht mehr um mich haben. Es wäre entwürdigend für mich. Und ich weiss: Für jeden sogenannten „Freund“, den ich verliere, finde ich einen neuen, echten Freund.
• Ich bin kein Egoist, nur weil ich mein Leben lebe und mich nicht in Rollen drängen lasse, weil ich die Entscheidungen für mich treffe und meinen Weg gehe. Jeder hat das Recht, ja die Pflicht dazu. Und vor allem bin ich nicht für die Empfindungen und Reaktionen der anderen verantwortlich, egal was ich sage und tue.
• Ich kann es so oder so nicht immer allen recht ma­chen: Also tue ich, was ich für richtig halte, und mache es da­durch wenigstens mir selbst recht.
• Ich vertraue darauf, dass meine Seele (die Innere Stim­me) mich stets zum Richtigen anleitet – selbst wenn es nicht so scheint und Mitmenschen es anders beurteilen. Ich glau­be fest daran, dass alles immer so kommt, wie es für alle Beteiligten gut ist.
• Niemand ist fehlerlos. Auch mir kann es passieren, dass ich jemandem wehtue, etwas Dummes sage oder mache, in einer Situation versage, mich der Kritik aussetze. Lieber bin ich aber mutig und mache einmal etwas falsch, als dass ich aus Angst davor nur schweige und im alten Trott weiterfahre. Ich kann mich ja für meine Fehler entschuldigen – auch das ist ein Beweis für Mut und Stärke.

Ich wünsche uns allen stets den Mut, wir selbst zu sein. Mehr braucht es nicht, um erhobenen Hauptes durch das Leben zu gehen.

Dieser Text beruht auf Kapitel 1 meines Buches „Ich liebe mich selbst 2“.

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Neuauflage meiner Romane

Meine beiden spirituellen Romane, die ich um die Jahrtausendwende unter Pseudonym geschrieben hatte, sind inzwischen vergriffen. Deshalb habe ich mich entschlossen, sie als Softcover unter meinem richtigen Namen neu aufzulegen.

Ich empfehle euch, den „Jonathan“ zuerst zu lesen, da diese Hauptfigur auch in der Geschichte des Wanderers wieder eine Rolle spielt, aber chronologisch später.

Beide Bücher und die entsprechenden E-Books sind bereits im Buchhandel und in Online-Buchshops verfügbar.

Viel Freude bei der Lektüre dieser tiefsinnigen Romane!

Buchtitel_Jonathan Buchtitel_Wanderer

Jonathan von der Insel
von Karin Jundt
nada Verlag
ISBN 978-3-907091-09-8
Softcover, 160 Seiten
Format 12 x 19 cm
EUR 13.00

E-Book
ISBN 978-3-907091-11-1
EUR 9.49

–> weitere Infos

Der Wanderer im dunklen Gewand
von Karin Jundt
nada Verlag
ISBN 978-3-907091-10-4
Softcover, 164 Seiten
Format 12 x 19 cm
EUR 13.00

E-Book
ISBN 978-3-907091-12-8
EUR 9.49

–> weitere Infos

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Lieb Kind

Eines der Verhaltensmuster aus der Kindheit, in das wir als Erwachsene am häufigsten wieder fallen: das liebe Kind sein zu wollen.
Uns bei jemandem anzubiedern oder einzuschmeicheln, kann zwar auch aus Berechnung erfolgen, weil wir uns einen Vorteil davon versprechen. Doch oft geschieht es unbewusst, wie eine spontane Reaktion, sobald jemand uns um etwas bittet, etwas von uns verlangt oder auch nur still erwartet. Wir haben Ja gesagt, bevor wir darüber nachgedacht haben und ohne zuerst auf die eigenen Bedürfnisse zu hören.

Unzählige sind die Situationen, in denen uns dieses „Liebkindphänomen“ passieren kann. Bitten um einen Gefallen, die wir eigentlich ablehnen wollen. Einladungen, die wir in Wirklichkeit gar nicht annehmen möchten. Berechtigte Reklamationen oder Kritiken, die wir nicht anbringen. Unsere wahre Meinung nicht äussern. Eine Reaktion zeigen, obwohl es uns im Grunde genommen nicht interessiert. Eine überdurchschnittliche Leistung erbringen, obwohl wir die Kraft dazu gar nicht haben. Und heutzutage auch dem Druck der sozialen Medien nachgeben, Präsenz zeigen, Kommentare abgeben, liken…

Es ist nicht unbedingt ein ausgeprägter Mangel an Selbstliebe, der hier dahintersteckt. Obwohl ich von mir wahrlich behaupten darf, dass es mir an Selbstliebe nicht mehr mangelt, stelle ich dennoch fest, dass ich hie und da in dieses Muster falle – wie gesagt, es ist eine unbewusste Reaktion auf einen „äusseren Reiz“. Zu oft hatte ich in meiner Kindheit und Jugend alles getan, um Liebe zu bekommen, mich angenommen zu fühlen. Und ich bin davon überzeugt, dass es vielen von euch ähnlich ergeht.
Darum brauchen wir, um dieses Verhaltensmuster loszuwerden, nicht speziell an der Stärkung unserer Selbstliebe zu arbeiten, vielmehr an der Achtsamkeit. Es geht darum, die entsprechenden Situationen rechtzeitig wahrzunehmen, sodass wir die Chance haben darüber nachzudenken, was wir sagen, wie wir uns verhalten wollen.
Eine Methode besteht darin, solche Situationen, auf die wir automatisch „hereinfallen“, in Gedanken, in einer Art Imagination, durchzuspielen und beim entscheidenden Punkt zu verweilen, gut in uns zu spüren, wie es sich anfühlt und uns dieses bestimmte Gefühl einzuprägen.
Kommen wir dann wirklich wieder einmal in diese Lage, werden wir eben dieses Gefühl in uns wahrnehmen – und das sollte uns aufhorchen lassen und uns diesen winzigen Augenblick einer „Auszeit“ gewähren, in dem wir uns bewusst für unsere Reaktion entscheiden können.
Allerdings wird es uns vermutlich nicht jedes Mal gelingen, denn es ist tatsächlich Übungssache: Je häufiger wir es praktizieren, desto stärker wird sich dieses neue Verhalten in uns einprägen und mit der Zeit das alte, automatische Verhalten des Musters verdrängen.

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Weihnachtsmärchen

Es war einmal ein Bauer… so könnte mein Märchen beginnen. Aber es beginnt anders, denn der Bauer ist hier nur eine Nebenfigur.

Es war einmal ein Nussbaum, ein alter, prächtiger Baum, der vor einem Bauernhaus stand. Jeden Herbst schenkte er der Bauernfamilie reichlich Nüsse und von seinen äussersten Zweigen aus, die bis zum oberen Stockwerk das Hauses reichten, beobachtete er dann gerne, wie die Kinder die Nüsse knackten und sich daran erfreuten.
Doch der Nussbaum, der nicht nur alt, sondern auch weise war, hatte wohl bemerkt, wie seine Früchte in den letzten Jahren weniger geworden waren und seine Blätter im Frühjahr nicht mehr so saftig sprossen und gediehen, und er wusste, dass sich sein Leben dem Ende zu neigte.

Eines Tages im Spätherbst, nachdem die Kinder alle Nüsse aufgelesen hatten, kam der Bauer mit einer Kettensäge zum Nussbaum. Man sah ihm an, dass es ihn schmerzte, als er sie am mächtigen Stamm ansetzte. Doch es ging schnell. Der Nussbaum schaute ein letztes Mal zum Bauernhaus und sah die Kinder mit Tränen in den Augen am Fenster stehen. Dann stürzte er in die vom Morgentau noch feuchte Wiese. Wie er da lag, spürte er, dass seine Säfte nicht mehr flossen, und dachte: „So ist also der Tod.“ Dann wurde es dunkel und still in ihm.

Die Monate vergingen, Weihnachten nahte. So langsam wie die Stille den Nussbaum umhüllt hatte, so langsam floss nun Licht in ihn. Er wachte auf wie aus einem tiefen Schlaf, meinte warme Sonnenstrahlen zu spüren, ja, er spürte sich wieder, anders zugegeben, aber er fühlte sich lebendig. „Ist dies das Jenseits?“, fragte er sich. Da entdeckte er die Bauernkinder, die vor ihm standen und ihn anstaunten und sie sahen gar nicht wie jenseitige Wesen aus, sondern ganz lebendig. Auch der Bauer und seine Frau waren da und lächelten.

Da wusste der Nussbaum: Er war auferstanden, in anderer Gestalt, aber er war es. Er lebte weiter.

Ich wünsche euch, liebe Leser, eine lichtdurchflutete Weihnachtszeit, Frieden und Liebe!
Eure Karin

kerzen

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„Mein“ Königsgaukler

Einen Herzenswunsch habe ich mir erfüllt: „Der Königsgaukler“ von Manfred Kyber in meinem Verlag neu herausgegeben. Dieses Märchen aus dem Jahr 1921 über den tieferen Sinn des Lebens kenne ich seit vielen Jahrzehnten und habe es ebenso oft wieder gelesen wie weitergegeben. Jedes Mal, wenn Freunde sich gerade in einer schwierigen Lebenslage befanden und traurig waren oder meinten, nicht mehr weiter­zuwissen, habe ich ihnen mein Exemplar geschenkt, in der Hoffnung, es möge ihnen ebenso viel Trost und Zuversicht spenden wie es mir bei ähnlichen Gemütszuständen jeweils gebracht hat. Für mich habe ich dann immer sofort ein neues Büchlein gekauft – und bald schon wieder verschenken „müssen“.
Gab es früher einmal eine schöne gebundene Ausgabe, so finde ich seit Jahren keine mehr, die mir gefällt und die ich gerne verschenke. Das ist der Grund, warum ich mich entschlossen habe, den Königs­gauk­ler selber herauszugeben: Dieses Juwel der spirituellen Literatur soll liebevoll gestaltet sein und sich edel präsentieren.

Der Königsgaukler ist eines der vier Bücher, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wäre ich für den Rest des Lebens dorthin verbannt. Jetzt wollt ihr wahrscheinlich wissen, welche die anderen drei sind? Die „Bhagavad Gita“, ein fast zwei Jahrtausende alter spiritueller Text aus Indien, „Essays on the Gita“ von Sri Aurobindo, dem großen indischen Philosophen und Mystiker, und „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Auch diese Bücher habe ich, wie den Königsgaukler, schon unzählige Male gelesen. Natürlich würde ich viele andere Werke nur ungerne zurücklassen, aber mit diesen vier könnte ich meine Seele und mein Gemüt ausreichend nähren. Bis an mein Lebensende. Alle sind sie nämlich zeitlos – ich bin versucht zu sagen: ewig – in ihrer Weisheit und ihrer Eigenschaft, das Herz zu erwärmen und zutiefst zu berühren.

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Manfred Kyber: Der Königsgaukler
nada Verlag
Hardcover, 72 Seiten
ISBN 978-3-907091-08-1
Preis: EUR 17.00

„Der Königsgaukler“ von Manfred Kyber im nada Verlag ist erhältlich in Buchhandlungen und in Online-Shops.

ACHTUNG: Es gibt mehrere Ausgaben dieses Märchens auf dem Markt (keine so schön wie meine 😉 Beim Kauf müsst ihr deshalb unbedingt angeben, dass ihr diejenige des nada Verlags wollt, oder die ISBN 978-3-907091-08-1 mitteilen.

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Selbstbewusstsein: Verändert eure äussere Erscheinung!

Nein, ich meine damit nicht, wir sollten etwas für unsere Schönheit tun, eine neue Frisur, Sexy-Kleidung und solche Dinge. Das verbessert die Selbstsicherheit und das Selbstwertgefühl nicht anhaltend, wie ich schon in einem früheren Artikel erörtert habe.

Es geht mir vielmehr um die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist. Der Körper widerspiegelt unser Denken und Fühlen. Wie Albert Schweitzer sag­te: „Mit 20 hat jeder das Gesicht, das Gott ihm ge­geben hat, mit 40 das Gesicht, das ihm das Le­ben gegeben hat, und mit 60 das Gesicht, das er verdient.“
Im Körper ist nicht so sehr gespeichert, was wir erlebt haben, sondern wie wir damit umgegangen sind. Es gibt Menschen, die mehrere schwere Schicksalsschläge erfahren mussten und deren Gesicht dennoch einen heiteren, offenen, zuversichtlichen Ausdruck zeigt. Und es gibt Menschen, denen man die Verbitterung von Weitem ansieht – obwohl ihnen im Leben nichts wirklich Schlimmes widerfahren ist.
Nicht nur das Gesicht verrät einiges über unsere innere Welt; besonders deutlich zeigt sich ein Mangel an Selbst­bewusstsein und Selbstsicherheit in der Körperhaltung.
Wir können so weit gehen zu sagen, dass alles, was wir je erlebt haben, selbst wenn wir uns bewusst nicht mehr da­ran erinnern, wie ein Abdruck in uns geprägt ist, auf der mentalen und der emotionalen Ebene, aber auch, wie Wissenschaftler glauben, in jeder Körperzelle, in den Genen. Letzteres haben Experimente mit Tieren bewiesen: Während des Lebens erfahrene und gelernte Inhalte wurden auf genetischem Weg an die Nachkommen weitergegeben.
Das bedeutet: Der Körper vergisst nichts, kein Gedanke, keine Emotion, keine Sinneswahrnehmung. Was wir heute sind, entspricht unserer vollständigen bisherigen Le­bens­geschichte.

Es ist uns meistens weniger bewusst, aber wie der Geist auf den Körper wirkt, so beeinflusst auch der Körper den Geist. Ändern wir die äußere Haltung, so wandelt sich auch die in­nere. Darauf beruhen körperorientierte psychologische Therapieformen, Tanz- und Bewegungs­thera­pien, die Kinesiologie und weitere Methoden.
In der Regel ist es für uns einfacher, mit dem Körper zu arbeiten, als innere Einstellungen zu ändern. Oft wissen wir auch nicht (mehr), woher unsere traurigen Augen, die eingezogenen Schultern stammen, und können deshalb nicht auf der psychischen Ebene einwirken. Auf dieses Wissen sind wir jedoch nicht angewiesen; es kann sich, im Gegenteil, sogar kontraproduktiv auswirken, wenn wir negative oder traumatische Ereignisse wieder an die Oberfläche ho­len – und die Vergangenheit lässt sich oh­nehin nicht mehr ändern.
Es geht also darum, unseren Körper, wie er gegenwärtig ist, zu betrachten und eine neue Haltung einzuüben, die Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit ausdrückt. Wir ge­winnen diese Eigenschaften nicht allein dadurch, dass wir unser Äußeres ändern. Doch eine selbstbewusste Ausstrahlung unterstützt die übrigen Bemühungen, einerseits; an­drerseits begegnen uns die Mitmenschen mit mehr Respekt und neigen weniger dazu, uns zu erniedrigen, zu dominieren oder auszunutzen, was es uns wiederum erleichtert, tatsächlich selbst­bewusst auf sie zuzugehen.

Ich schlage euch zwei einfach Übungen vor, um auf der körperlichen Ebene an eurem Selbstwertgefühl zu arbeiten.

1. Schaut euch einmal euer Gesicht im Spiegel an.
• Was drückt es aus? Traurigkeit, Enttäuschung, Unsicherheit, Überheblichkeit, …?
• Worin genau erkennt ihr diese Eigenschaften? Heruntergezogene Mundwinkel, gepresste Lippen, zusammengekniffene Augen, hochgezogene Brauen, tiefe Stirnfalten, …?
• Verändert dann vor dem Spiegel bewusst und willentlich die dafür verantwortlichen Stellen des Gesichts: lächeln, die Lippen entspannen, locker in die Ferne schauen, alle Muskeln loslassen, … Achtet bei dieser Übung darauf, dabei an etwas Erfreuliches zu denken oder euch ein liebliches, schönes Bild (eine Blume, eine Landschaft, ein lachendes Kindergesicht) vor euer inneres Auge zu holen, vielleicht auch heitere Mu­sik zu hören.
• Prägt euch diesen neuen Gesichtsausdruck jetzt mit ge­schlossenen Augen ein, spürt gut, wie er sich anfühlt, und merkt euch diese Empfindung. Übt ihn über einen längeren Zeitraum täglich mindestens einmal vor dem Spiegel und seid im Alltag achtsam, ihn wieder einzunehmen, wenn ihr merkt, dass der alte zurückgekehrt ist.

2. Schaut eure Körperhaltung im Spiegel an, frontal und von der Seite.
• Was drückt sie aus? Niedergeschlagenheit, Angst, Trägheit, Tendenz sich zu ducken, zu un­terwerfen, auszuweichen, …?
• Worin genau erkennt ihr diese Eigenschaften? Gesenkter Kopf, ein- oder hochgezogene Schultern, zu breiter oder zu schmaler Stand, rückwärts ­geneigter Oberkörper, schlaffe Haltung, gebeugter Rü­cken, …?
• Verändert dann vor dem Spiegel bewusst und willentlich eure Haltung, sodass ihr aufrecht, locker und entspannt (aber nicht träge) steht und den Blick geradeaus richtet, nicht nach unten. Ein Tipp: Um den Körper aufzurichten, hebt das Brustbein an; das ist besser, als den Kopf oder das Kinn anzuheben oder die Schultern nach hinten zu ziehen. Achtet bei dieser Übung darauf, dabei an etwas Erfreuliches zu denken oder euch ein liebliches, schönes Bild (eine Blume, eine Landschaft, ein lachendes Kindergesicht) vor euer in­ne­­­res Auge zu holen, und vielleicht auch heitere Musik zu hören.
• Prägt euch diese neue Haltung jetzt mit geschlossenen Augen ein, spürt gut, wie sie sich anfühlt, und merkt euch diese Empfindung. Übt sie über einen längeren Zeitraum täglich mindestens einmal vor dem Spiegel und seid im Alltag achtsam, sie wieder einzunehmen, wenn ihr merkt, dass die alte zurückgekehrt ist.

Denkt daran: Euer Gesichtsausdruck und eure Körperhaltung haben sich über Jahrzehnte gebildet. Es wird Monate oder Jahre dauern, bis die neuen zu euren „normalen“ werden. Aber jedes Mal, wenn ihr willentlich einen anderen Gesichtsausdruck, eine andere Haltung einnehmt, trägt ihr zu dieser äußeren Wandlung bei. Und, noch viel bedeutsamer, zur inneren.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus Kapitel 5 meines Buches „Ich liebe mich selbst 2“.

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Band II meiner spirituellen Buchreihe Sonnwandeln ist erschienen

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Alltägliches Handeln im spirituellen Geist
Sonnwandeln Band II

von Karin Jundt
nada Verlag
ISBN 978-3-907091-07-4
Paperback, 256 Seiten
EUR 19.00 / ca. CHF 25.00

Die geerdete Spiritualität, die meiner ganzen Sonnwandeln-Reihe zugrunde liegt, prägt besonders diesen zweiten Band: Wie sollen wir Menschen auf dem spirituellen Weg konkret mit All­tags­themen und -heraus­forderungen umgehen? Etwa mit Ängsten und den lästigen Ge­wohn­heiten, mit den schwer überwindbaren Prä­gun­gen der Kindheit, mit den „Lastern“ wie Zorn oder Unmäßigkeit, den Lügen, die uns so leicht über die Lippen kommen… Und schließ­lich geht es auch um die Achtsamkeit im täglichen Leben und die un­er­lässliche Selbstdisziplin.

Erhältlich:
• im Buchhandel und in den Online-Shops

Die weiteren Bände dieser Reihe erscheinen nach und nach bis 2018.

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Oder?

„Heute ist Mittwoch, oder?“
„Die Theateraufführung gestern Abend hat kaum den Erwartungen entsprochen, nicht wahr?“
„Die erste Mondlandung war 1969, oder nicht?“
Warum suchen wir die Bestätigung, dass was wir sagen, richtig ist, obwohl wir uns dessen sicher sind oder es unsere persönliche Meinung wiedergibt?

Auch berufen wir uns gerne auf andere oder zitieren sie:
„…………, sagt meine Freundin.“
„Ich habe gelesen, dass ……….“
„Ein bekannter Philosoph ist davon überzeugt, dass ……..“
Warum müssen wir unsere Ansicht untermauern, indem wir belegen, dass andere sie teilen?

Meine italienischen Texte lasse ich manchmal von einer Bekannten überprüfen. Sie – eine italienische Lehrerin! – traut sich jeweils kaum, meine Fehler zu korrigieren: Jede Korrektur, die sie mir angibt, leitet sie ein mit „Ich glaube, dass“ oder beendet den Satz mit „aber ich bin nicht ganz sicher“. Dabei beherrscht sie die Sprache perfekt und ist sich sicher!

Alle diese Verhaltensweisen verraten einen Mangel an Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein. Warum wagen wir es nicht, zu dem zu stehen, was wir wissen und können, und zu unserer Meinung? Warum stellen wir unser Licht so oft unter den Scheffel?

Lassen wir doch einfach alle „oder“, „nicht wahr“, „oder nicht“ weg und hören wir auf, andere zur Bestätigung unserer Aussagen zu zitieren!
Ich sage das und das. Ist jemand der Meinung, es sei falsch, oder teilt meine Ansicht nicht, kann er sich ja dazu äussern. Auch brauchen wir uns dann nicht kritisiert oder zurechtgewiesen zu fühlen, haben wir tatsächlich einmal etwas Unrichtiges gesagt. Niemand ist perfekt, wir alle machen Fehler! Aber gewissermassen vorzubeugen, indem wir unsere eigenen Aussagen in Frage stellen oder relativieren, ist unserem Selbstwertgefühl nicht förderlich. Haben wir den Mut zu uns selbst zu stehen!

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Die Beziehung mit mir selbst

Sucht man nach Zitaten unter dem Stichwort „Selbstliebe“ oder „Eigenliebe“, so fällt auf, dass diese Begriffe früher mit Egoismus gleichgesetzt wurden, vor allem in einem religiösen Zusammenhang. Zwei Beispiele:

Nichts bewahrt uns mehr vor dem Hochmut und der Eigenliebe als die ununterbrochene Gemeinschaft des Kreuzes Jesu.
Friedrich Christoph Oetinger (1702 –1782)

Selbsterkenntnis ist ein unfehlbares Mittel gegen Selbstliebe.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Erst in jüngster Zeit verstehen wir Selbstliebe als eine positive Eigenschaft eines Menschen und haben erkannt, dass es dabei um unsere Beziehung mit uns selbst geht – so wie es bei der Liebe für andere Menschen um unsere Beziehung mit ihnen geht.

Fragen wir uns, wie wir uns selbst lieben können und sollen? Schauen wir doch einfach, wie die Beziehung mit einem von uns geliebten Menschen sich äussert und übertragen es auf unsere Beziehung mit uns selbst (ich nenne ihn hier Aimé – französisch für „geliebt“; ersetze du beim Lesen „Aimé“ durch den Namen eines Menschen, den du liebst).

Dabei geht es vor allem um die folgenden Aspekte:
Respekt: Ich respektiere Aimé, seine Eigenart, seine Entscheidungen, seine Selbstverantwortung für sein Leben –> Ich respektiere mich selbst, akzeptiere meine Eigenart, nehme mir das Recht auf meine eigenen Entscheidungen für mein Leben als selbstverantwortlicher Mensch.
Wertschätzung: Ich schätze Aimé als menschliches Wesen, unabhängig von seinen Eigenschaften und seinem Verhalten –> Ich schätze mich selbst als menschliches Wesen, einfach weil ich bin, unabhängig davon, wie ich bin und was ich tue; ich werte micht nicht ab wegen „schlechter“ Eigenschaften oder fehlender Fähigkeiten.
Vergebung: Meiner Liebe für Aimé wohnt die Kraft inne, ihm „Fehler“ und Unzulänglichkeiten zu verzeihen, da er, wie alle Menschen, nicht perfekt ist –> Ich verzeihe mir alle meine „Fehler“, die vergangenen ebenso wie die künftigen, die mir immer wieder passieren werden, da ich nicht vollkommen bin, es nicht sein kann und nicht sein muss; meine weniger guten Eigenschaften und sogenanntenn Schwächen akzeptiere ich ebenfalls als einen Teil von mir und verurteile mich nicht deswegen.
Vertrauen: Ich bringe Aimé ein grundlegendes Vertrauen entgegen –> Ich vertraue mir selbst, meinen Entscheidungen, meiner inneren Stimme, dem, was ich für mich als richtig spüre, und handle entsprechend.
Bedingungslosigkeit: Ich liebe Aimé nicht weil… Ich brauche keinen Grund, um ihn zu lieben, ich liebe ihn einfach –> Ich brauche keinen Grund, um mich selbst zu lieben, und es gibt nichts, gar nichts, was mich daran hindern soll, ich habe keine Vorbehalte, weil ich doch nicht so perfekt bin, dieses und jenes falsch mache…

Abschliessend eines meiner Lieblingszitate zum Thema Liebe und Selbstliebe:

Wer sich selbst nicht auf die rechte Art liebt, kann auch andere nicht lieben.
Robert Musil

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