Zweite Chance?

Ich bin davon überzeugt, dass wir im Leben immer eine zweite oder sogar dritte und vierte Chance bekommen, das sagt mir mein Urvertrauen. Aber vor ein paar Tagen ist mir bewusst geworden, dass wir manchmal doch Entscheidungen im Leben treffen, die „für immer“ sind, nicht „geradegebogen“ und schon gar nicht rückgängig gemacht werden können.

Ein Bekannter erzählte mir vor ein paar Tagen, seine Tochter, Anfang 20, befinde sich seit zwei Wochen in der Psychiatrie. Sie leidet an einer Psychose, die durch Cannabiskonsum verursacht wurde. Gerade Cannabis ist besonders gefährlich, da diese Psychosen – anders als beispielsweise bei LSD – bis zu einem Jahr dauern können und auch danach dazu neigen, wiederzukommen. Meistens muss man dann lebenslänglich Psychopharmaka einnehmen.
Vielleicht wusste die junge Frau nicht, dass sie durch diese als harmlos geltende Droge eine Psychose auslösen kann. Doch „Unwissenheit schütz nicht vor Strafe“, das ist eine traurige Wahrheit. An der Entscheidung, Drogen zu konsumieren, wird sie nun vielleicht ein Leben lang leiden.

Das hat mich nachdenklich gestimmt. Offenbar bekommen wir nicht immer eine zweite Chance. Zumindest keine leichte. Und dies vermutlich auch in weniger gravierenden Fällen.
Wie oft trauen wir uns nicht, das zu tun, was wir eigentlich möchten, aus Angst, jemanden zu verletzen, zu verärgern, zu verlieren. Wie oft wagen wir es nicht, aus einer belastenden Situation auszubrechen, weil wir Konsequenzen befürchten. Mitunter versagen wir uns sogar Herzenswünsche, um die Erwartungen von Mitmenschen nicht zu enttäuschen.
Gut, oft bekommen wir tatsächlich nochmals eine Chance. Aber mit Sicherheit wissen wir es vorher nicht, vielleicht ist die Gelegenheit für immer vorbei.

Lassen wir uns nie, nie von unseren Ängsten davon abhalten, auf unsere innere Stimme zu hören und das zu tun – oder eben nicht zu tun –, was wir für uns als richtig spüren. Das, was wir möchten, was wir uns wünschen. Wie ging nochmal der Spruch? „Was du bei deinem Tod bereuen würdest, nicht getan zu haben, das tue jetzt“ – oder so ähnlich. Tatsächlich gehören zu den fünf Dingen, die Sterbende am meisten bedauern*: nicht den Mut gehabt zu haben, das eigene Leben zu leben, und sich nicht erlaubt zu haben, glücklicher zu sein.

Traurig, wenn uns diese Erkenntnis auf dem Sterbebett den Abschied vom Leben erschwert.
Erlauben wir uns also in jeder Situation, unseren eigenen Weg zu gehen, lassen wir uns von unseren Ängsten nicht daran hindern.

*Nach dem Bestseller von Bronnie Ware „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“.

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