Warum nicht?

Letzte Woche habe ich einige Tage in Italien am Meer verbracht. Alles stimmte wie selten, das Wetter, das Hotel, ich bin ausschliesslich liebenswürdigen Menschen begegnet und vor allem war ich ganz im Frieden mit mir selbst.

Vorgestern bin ich gegen 10 Uhr morgens abgefahren, ich wollte beizeiten wieder zu Hause sein und auch dem Sonntagsverkehr etwas entgehen.
Nach erst rund 50 Kilometern auf der Autobahn – eine Panne. Ich halte bei der SOS-Säule an und drücke auf den Knopf. Sofort meldet sich jemand und verspricht, die Pannenhilfe vorbeizuschicken.
Ich bleibe also in der milden Spätsommersonne an mein Auto gelehnt stehen und warte. Und ich schmolle ein bisschen mit der Göttlichen Mutter, die mir nach vier schönen, absolut problemlosen Tagen nun diesen Zwischenfall geschickt hat. „Warum?“, frage ich sie. „Warum muss das jetzt sein?“

Augenblicklich kommt die Antwort in mir auf: „Warum nicht?“

Ich stutze einen Moment. Warum nicht? Dann muss ich lächeln. Ja, warum eigentlich nicht? Warum sollte ich keine Panne haben? Worin liegt denn der Unterschied, ob ich barfuss auf dem Sand dem Wassersaum entlang spaziere oder auf dem Pannenstreifen stehe? Der Unterschied liegt nur in meiner Bewertung, wenn ich das eine als schön und das andere als hässlich betrachte, das eine als angenehm und das andere als unangenehm, das eine als erwünscht und das andere als unerwünscht. Ist denn nicht alles eins?
Ich vertraue darauf, dass das Göttliche schon weiss, warum ich jetzt da stehe und nicht woanders. Ich brauche den Grund gar nicht zu erfahren – es ist so, und so ist es gut. Und gleichmütig soll ich das annehmen.

Und gleichmütig nehme ich es tatsächlich an! (Das gelingt mir auch nicht immer…)
Ich beginne wieder, das letzte Lied, das ich noch im Radio gehört habe, zu summen – und nach einer knappen Viertelstunde steht der Abschleppwagen bei mir. Ein netter junger Mann schaut sich mein Auto an und kümmert sich jetzt um alles. Er lädt es auf, wir fahren in seine Werkstatt. Er macht sich sofort an die Arbeit – am Sonntagmorgen! – und repariert es, während ich draussen im Hof mit seinen beiden grossen Hunden spiele. Zwanzig Euro will er für seine Arbeit, und das Trinkgeld, das ich ihm aus echter Dankbarkeit geben möchte, lehnt er ab.

Gut zwei Stunden nachdem ich auf der Autobahn stehen geblieben bin, kann ich meine Reise fortsetzen. Und komme sechs Stunden später wohlbehalten zu Hause an.

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