Liebe, Paarbeziehung und Selbstliebe

Fragt man einen Mann oder eine Frau, warum er/sie sich in den jeweiligen Partner verliebt habe, erhält man alle möglichen Antworten, von „schönen Augen“ über „sexy“ bis zu „einfach Liebe auf den ersten Blick“. Alles Erklärungen, die wir uns zurechtbasteln.
In Wahrheit beruht unser Paarungsverhalten offenbar auf dem Geruch wie bei vielen Tieren, obwohl wir diesen nicht bewusst wahrnehmen. Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass wir uns von demjenigen Partner angezogen fühlen, der sich genetisch stark von uns selbst unterscheidet, weil dadurch die grösstmögliche Gesundheit der Nachkommen gewährleistet ist. (Eine kurze Erläuterung dazu findet ihr auf Wikipedia).

Bei Männern kann ich es schlecht beurteilen, aber bei Frauen ist es mir schon oft aufgefallen: Wenn eine Frau im gebärfähigen Alter ist und sich ein Kind wünscht, wählt sie den Partner offenbar instinktiv im Hinblick auf die Kinder, wie oben erwähnt, und nicht gemäss den Eigenschaften, die für sie persönlich zu einer guten Paarbeziehung beitragen. Oder habt ihr euch nicht auch schon darüber gewundert, wieso „diese Frau“ mit „diesem Mann“ zusammen ist?
Später, wenn die gesunden Nachkommen auf der Welt sind, beginnt die Frau dann all das zu vermissen, was für sie zu einer befriedigenden Partnerschaft gehört – oder allgemeiner ausgedrückt, zu einem befriedigenden Leben. Je nachdem wie stark ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstliebe sind, geht sie unterschiedlich damit um: Sie bleibt, nicht selten der Kinder zuliebe, bei ihrem Mann, gestaltet sich aber ihr eigenes Leben nach ihren Vorstellungen; oder sie wählt den vermeintlich einfachsten Weg, trennt sich und sucht sich einen neuen Partner, den sie für geeigneter hält; oder sie traut sich nicht, etwas an ihrem Leben zu ändern, vielleicht auch aus religiösen oder moralischen Überzeugungen oder weil sie so erzogen wurde oder weil ihr Mann zu dominant ist, und leidet zunehmend unter der Situation.

Ich erzähle euch jetzt von zwei Frauen, die offenbar einen Mann geheiratet haben, der wahrscheinlich genetisch, nicht aber bezüglich der anderen Werte zu ihnen passte, und wie sie damit umgegangen sind. Bewusst enthalte ich mich eines Kommentars, es geht nicht darum die Eigenschaften des einen gegen diejenigen des anderen Partner zu beurteilen, denn jeder hat das Recht, auf seine Weise glücklich zu sein – das Problem besteht ja lediglich darin, dass zwei unterschiedliche Charaktere und Lebensauffassungen aufeinander prallen.

Jeanine* ist eine lebensfrohe, temperamentvolle, extrovertierte, emotionale, vielseitig interessierte Frau. Ihr Mann ruhig, wortkarg, geizig mit sich selbst und anderen, er legt keinen Wert auf Genuss und Vergnügen, er braucht nichts weiter als seine Frau und die beiden Kinder und seinen Beruf im sozialen Bereich.
Die beiden waren erst wenige Jahre verheiratet, die beiden Kinder schon da, als Jeanine eine Affäre mit einem anderen Mann begann. Als die Geschichte aufflog, beendete sie sie. Drei Jahre später verliebte sie sich ernsthaft in einen anderen Mann und beschloss, es ihrem Ehemann zu gestehen. Sie sagte ihm, dass sie die Familie nicht verlassen wolle, aber auch nicht auf die aussereheliche Beziehung verzichten. Ihr Ehemann akzeptierte es – ob aus selbstkritischer Einsicht, dass seine Frau es für ihr Glück einfach brauchte, oder aus Angst, sie ganz zu verlieren, weiss ich nicht.

Silvia* war schon über zwanzig Jahre mit ihrem Mann verheiratet, als sie durch neue Freunde erst auf die Erkenntnis kam, dass sie sich ihm während der ganzen Ehe völlig unterworfen und ihre eigene Persönlichkeit aufgegeben hatte – weil sie so erzogen worden war, erzählte sie mir. Sie hatte überhaupt kein Eigenleben geführt, war ununterbrochen mit ihm zusammen, machte, was er wollte, und hatte auf ihre individuellen Bedürfnisse und Neigungen vollständig verzichtet; sie lebte die Erwartungen, die er in sie setzte, sagte sie, und diese Selbstverleugnung führte dazu, dass sie missmutig, zynisch, unausstehlich wurde. Denn vom Charakter her sind die beiden ähnlich verschieden wie die oben beschriebene Jeanine und ihr Mann. Er nimmt sie kaum wahr, es findet kein Austausch zwischen den beiden statt, er versteht ihre Begeisterungsfähigkeit für das Schöne nicht.
Nach dieser Erkenntnis und unter dem sanften Druck dieser Freunde begann sie langsam, sich harmlose Freiheiten herauszunehmen. Und wenn ich harmlos sage, dann meine ich es! Sie chattete beispielsweise in einem Internet-Forum und weigerte sich, ihrem Mann den Chat zu zeigen – was er überhaupt nicht goutierte.
Als sie letzte Weihnachten auf seine Frage, was sie sich wünsche, antwortete: „Eine neue Spülmaschine“, meinte er lakonisch: „Die alte tuts doch noch“ – obwohl sie eine Menge Macken hatte und keinen sauberen Dienst mehr tat. Sie nahm all ihren Mut zusammen und kaufte selbst eine neue, von ihrem eigenen Geld wohlverstanden, denn sie ist berufstätig und verdient gut.
Sie will sich von ihrem Mann nicht trennen, noch nicht, wie sie sagt, sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich etwas ändern könnte…

Wie ich weiter oben sagte: Unser Selbstwertgefühl ist massgeblich dafür verantwortlich, wie wir mit unbefriedigenden Lebenssituationen umgehen. Ob wir den Mut haben, etwas daran zu ändern – in welcher Art auch immer – oder nicht, ob unsere Angst vor der Zukunft, vor dem Alleinsein, vor der Veränderung uns daran hindert. Aber auch ob wir stark genug sind, in der schwierigen Lage so zu uns selbst zu stehen, dass wir uns auch darin verwirklichen und glücklich werden können.

* alle Namen aus Diskretionsgründen geändert

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Was am meisten wehtut

Sofia*, eine Freundin von mir, lernte vor gut einem Jahr einen Mann kennen; es war von beiden Liebe auf den ersten Blick, eine grosse Liebe. Allerdings waren seitens des Mannes die Voraussetzungen für eine glückliche Beziehung nicht gegeben. Sofia war sich dessen sofort bewusst, doch sie wollte nicht von vornherein aufgeben, ohne es wenigstens versucht zu haben.

Vor ein paar Tagen erzählte sie mir, dass sie sich getrennt hätten, in beiderseitigem Einvernehmen wie man so schön sagt, weil ihre Beziehung einfach keine Zukunft hatte. Sie war traurig und niedergeschlagen. Dann flackerte in ihren Augen aber plötzlich Wut auf und sie sagte: „Weisst du, was neben dem Trennungsschmerz am meisten wehtut? Die Reaktion meiner Familie und meiner Freunde, als ich ihnen mitteilte, meine Beziehung sei zu Ende. Meine Schwester sagte: ‚Das habe ich früher oder später erwartet‘. Meine Mutter: ‚Du wusstest doch selbst, dass es nicht gut gehen konnte‘. Meine beste Freundin: ‚Nach meiner Erfahrung gehen solche Beziehungen immer schlecht aus.‘ Weisst du, wie weh das tut? Die Menschen, die mir am nächsten sind, finden keine tröstenden Worte, sondern machen mir gewissermassen Vorwürfe, dass ich mich überhaupt auf diese grosse Liebe eingelassen habe!“

Jaaaa, wie gerne demonstrieren wir doch den anderen, dass wir weiser sind als sie, dass wir eine Situation treffender eingeschätzt haben.
Wie schnell kommt uns über die Lippen: „Ich hatte es dir doch gesagt!“
Wie viel liegt uns doch daran, anderen unsere Überlegenheit zu zeigen, sie zurechtzuweisen.

Dies ist eine Verhaltensweise, die von einem Mangel an Selbstwertgefühl zeugt. Andernfalls haben wir es nicht nötig, unsere vermeintliche Überlegenheit zur Schau zu stellen.
Selbst wenn wir in einer Situation wie der oben geschilderten denken „Ich wusste es doch!“, brauchen wir es nicht zu sagen und den anderen dadurch zu erniedrigen.
Mitfühlen, trösten, aufbauen – das zeugt von einer gesunden Selbstliebe.
Denn wie sagt man so schön? Nur wenn wir uns selbst lieben, können wir andere lieben und ihnen in jeder Situation liebevoll begegnen.

* Name aus Diskretionsgründen geändert.

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Entscheiden heisst verzichten

„Entscheiden heisst verzichten.“ Diesen Satz hat vor knapp zwei Wochen ein Freund von mir gesagt, der vor einer Lebensentscheidung stand, mit der er sich seit Monaten – wenn nicht seit Jahren – quälte.
Im ersten Moment habe ich ablehnend reagiert. Aber beim späteren Nachdenken gebe ich ihm Recht: Wenn man zwischen Alternativen entscheiden muss, wählt man die eine und verzichtet auf andere.
Manchmal empfindet man es nicht als Verzicht, weil die ausgeschiedenen Alternativen ohnehin nicht besonders attraktiv waren. Doch wenn zwei oder mehrere gleichwertig sind, oder fast, oder emotionale Elemente mit hineinspielen, dann trifft es durchaus zu, dass man mit seiner Wahl gleichzeitig einen Verlust erleidet.

Inzwischen hat dieser Freund seine Entscheidung gefällt. Und jetzt leidet er unsäglich wegen dem, was er verliert. Dazu auch eine Pauschalweisheit: Wenn es so sehr weh tut, dann weil die Seele aufschreit.
Er hat nämlich – nicht zum ersten Mal in seinem Leben – eine Entscheidung getroffen zugunsten eines anderen Menschen und dabei sträflich seine eigenen Bedürfnisse und die Stimme seiner Seele missachtet. Er hat so entschieden, weil er einem anderen Menschen nicht wehtun will, in erster Linie, und in zweiter Linie weil es die Wahl ist, die einen geringeren – oder gar keinen – zwischenmenschlichen Konflikt hervorruft. Das kann kein gutes Ende nehmen, zumal diese Entscheidung auf einer grossen Lüge gründet.

Es ist durchaus richtig, unsere kleinen Bedürfnisse zugunsten eines Mitmenschen zurückzustellen und uns selbst nicht so wichtig zu nehmen. Dies gilt jedoch nur für Alltägliches, niemals für existentielle Fragen, nicht wenn es um Entscheidungen für das eigene Leben geht.
Ein aus Liebe erbrachtes Opfer tut nicht weh und hat keine Konsequenzen für die physische und psychische Gesundheit. Wenn wir etwas für einen geliebten Menschen tun, dabei jedoch leiden und unglücklich sind, so haben wir gegen uns selbst gehandelt; ein echtes Opfer aus Liebe schmerzt niemals, vielmehr lässt es uns eine tiefe innere Zufriedenheit und Ruhe fühlen. Wenn es weh tut, war die Entscheidung falsch.

Im Fall meines Freundes, dessen Geschichte ich sehr gut kenne, auch in den Details, wage ich zu behaupten: Ja, er hat die falsche Entscheidung getroffen. Und er weiss es auch, das schmerzt ihn noch mehr. Doch erst die Zukunft wird es wirklich zeigen.
Und mir blutet das Herz zu wissen, wie sehr er leidet, nur weil er einmal mehr nicht sein Recht auf das eigene Leben wahrgenommen hat und sich die Verantwortung für das Leben und das Glück anderer aufbürdet.

Natürlich gibt es keine absolut „richtigen“ und keine absolut „falschen“ Entscheidungen. Ich glaube nicht an Vorbestimmung, sondern daran, dass sich das Leben in jedem Augenblick neu entfaltet und zwar aus den Gegebenheiten des Augenblicks. Die Gegenwart bestimmt die Zukunft – ändert sich die Gegenwart (und das tut sie in jeder Sekunde!), ändert sich auch die Zukunft. Keine Entscheidung verdammt oder rettet uns für alle Ewigkeit.

Trotzdem tun sich viele Menschen oft schwer, eine Entscheidung zu treffen: Sie fürchten die Konsequenzen und das Leiden, das daraus entstehen könnte.
Das Hauptproblem aber ist, dass sie nicht wissen, auf welcher Grundlage sie entscheiden sollen. Selten kann man Vor- und Nachteile einander klar gegenüber stellen und gewichten und rational entscheiden.
Rational entscheiden? Eine Studie hat gezeigt, dass auch in grossen Firmen Entscheide selbst über Millionenbeträge hauptsächlich aus dem Bauch getroffen werden und rationale Argumente dann nur dazu dienen, diese irrationalen Entscheide zu begründen und zu rechtfertigen.
Irrationale Entscheide? Nein! Es sind Entscheide „von innen“ und es sind jeweils die richtigen, um dieses Wort doch zu verwenden. Unser Verstand kennt nie sämtliche Fakten, Kriterien, Bedingungen und schon gar nicht die Konsequenzen. Unsere Seele hingegen weiss alles, und vor allem weiss sie, was für uns gut ist und was nicht. Die Entscheide unserer Inneren Stimme sind immer richtig. Was nicht heisst, dass dann immer alles glatt läuft; aber es sind die Entscheide, die uns auf unserem Lebensweg weiterführen, die unserer inneren Entwicklung förderlich sind.

Um unserer Inneren Stimme bedingungslos zu gehorchen, anstatt uns von unseren Ängsten leiten zu lassen, brauchen wir Urvertrauen. Das Urvertrauen, dass alles so kommt, wie es für alle Beteiligten am besten ist.
Dieses Urvertrauen kann uns die Entscheidungen leicht machen. Weil wir wissen: Egal wie wir entscheiden, den Erfahrungen, die wir auf unserem Lebensweg für unsere innere Entwicklung machen müssen, entkommen wir nicht. Das Schicksal – oder Höhere Mächte, wie man es auch nennen will – werden uns immer wieder in die Richtung lenken, die für uns gut ist.

Wie ich weiter oben gesagt habe: In jedem Augenblick legen wir die Grundsteine für unsere Zukunft. In jedem Augenblick. Jeder Augenblick unseres Lebens ist neu und einmalig und im nächsten Augenblick schon Vergangenheit. Scheuen wir uns deshalb nicht, in jedem Augenblick unsere Entscheidungen zu treffen – und im nächsten Augenblick neue.

Richtige und falsche Entscheidungen – ich habe geschrieben, dass es sie nicht gibt. Doch, eine falsche gibt es: Nicht auf die Innere Stimme zu hören, das ist die einzige falsche Entscheidung, die wir je treffen können.

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„Eheliche Pflichten“

Verständnislos, gar ungläubig, schaue ich derzeit zu, wie die sechsjährige gute und harmonische Ehe meiner Freunde Manuel* und Esther* binnen weniger Wochen in die Brüche geht. Ich hielt die beiden immer für ein perfektes Paar, ihre Beziehung – obwohl beide erst Mitte 30 sind – für „reif“, geprägt von echter Liebe, Respekt, Verständnis, Toleranz, Grosszügigkeit, frei von den banalen Alltagsnörgeleien und Streitigkeiten…
Das Problem: der Sex. Das leidige Problem in allzu vielen, wenn nicht den meisten Ehen, das man mit vier Wörtern auf den Punkt bringt: Er will, sie nicht. Was manche Männer mit Fremdgehen lösen. Aber nicht Manuel, trotz des Rates eines Bekannten, sich den Sex halt anderswo zu holen.

In kürzester Zeit ist die Situation eskaliert: gegenseitige Schuldzuweisungen, Sichunverstandenfühlen, tiefe Verletzung, eine halbwegs rationale Kommunikation ist nicht mehr möglich. Der typische Verlauf halt, bei dem ein vorerst klar umrissenes, begrenztes Einzelproblem zu einem Flächenbrand ausartet. Bei dem oft nur noch verbrannte Erde und ein Trümmerhaufen zurückbleiben.
Was mich erstaunt und irgendwie auch befremdet: Bei der einen Partei erkenne ich Resignation und der mangelnde Wille für eine neue Chance, bei der anderen Partei eine sture Kompromisslosigkeit und der mangelnde Wille, alles zu versuchen. Aber es kann doch nicht sein, dass man eine wahrhaft gute Beziehung beim ersten auftauchenden Problem aufgibt und begräbt? Dass man nicht jede Möglichkeit ausschöpft, nicht bereit ist, einmal über den eigenen Schatten zu springen?
Allerdings stelle ich fest, dass die Kommunikation zwischen den beiden mittlerweile derart von Missverständnissen und der für solche Ehekrisen typischen Irrationalität geprägt ist, dass sie ohne eine Mediation nicht mehr funktionieren kann, ja sogar kontraproduktiv ist, da sich nur noch mehr Frustration und Verletzungen ansammeln. Ich habe Paartherapien schon beobachtet und halte viel davon; die Paartherapeuten wissen, wie vorgehen, um wieder ein konstruktives Gespräch in Gang zu bringen und das anstehende Problem zu lösen.

Warum ich euch das erzähle? Weil es mich beschäftigt. Und weil ich nie werde verstehen können, dass wahre Liebe nicht alle Hindernisse überwindet.
Ob es mit Selbstliebe, dem eigentlichen Thema dieser Website, zu tun hat, weiss ich nicht. Allerdings sind auch Beziehungsprobleme ein oft aufgegriffenes Thema meiner LeserInnen, was aus den vielen Kommentaren dazu klar ersichtlich ist. Hinter vielen steckt am Ende doch mangelnde Selbstliebe.

Zudem weiss ich manchmal nicht mehr, was schreiben zum engeren Thema der Selbstliebe. Mir kommt es vor, als hätte ich alles schon gesagt und teilweise x Mal wiederholt. Deshalb mein Aufruf an euch: Bitte schreibt mir im Kommentar zu diesem Artikel, welche Themen euch am Herzen liegen, zu welchen Fragen ihr meine Meinung lesen möchtet. Ihr seid mir ja immer eine Inspirationsquelle in euren Kommentaren und ich danke euch herzlich für eure Beiträge!

*Namen aus Diskretionsgründen geändert

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Warum Beziehungen zerbrechen

Tausendundein Grund, warum wir uns in jemanden verlieben, tausendundein Grund, warum Liebesbeziehungen auseinanderbrechen. „Er hat mich betrogen“ – „Ich habe andere Ziele für mein Leben entdeckt“ – „Sie hat sich verändert“ – „Ich habe mich in eine andere verliebt“ – „Er versteht mich nicht“ – „Sie ist krankhaft eifersüchtig“ … Oft ist es nicht ein Grund, sondern viele undefinierbare oder das, was man „Zerrüttung“ nennt.
Aber was steckt wirklich dahinter? Nicht selten die banale Weisheit: Wer sich selbst nicht liebt, kann auch keinen anderen Menschen lieben. Und wenn ich den Partner nicht wirklich liebe, bedingungslos, dann kann aus dem Alltäglichsten der Grund für die Trennung entstehen.
Mangelnde Selbstliebe geht einher mit Abhängigkeit und Verlustangst – beide für eine wahre, dauerhafte Beziehung alles andere als förderlich. Eifersucht, Machtkämpfe, Manipulationsversuche, klettenhaftes Anhängen sind Folgen davon, auf der einen Seite. Auf der anderen werde ich immer wieder faule Kompromisse eingehen, mich fügen, ja unterwerfen, um den Geliebten nicht zu verlieren, aber irgendwann rebelliert etwas in mir, lässt nicht länger zu, dass ich nicht mein Leben, sondern das meines Partners lebe, mich selbst verleugne – und dann kommt es zum Eclat. Ich halte es nicht mehr aus und verlasse ihn; oder ich explodiere bei jeder belanglosen Kleinigkeit und nerve ihn so sehr, bis er mich verlässt; oder ich versuche, mich in irgendeiner subtilen Art an ihm zu „rächen“, für das was er mir vermeintlich antut (was ich hingegen mir selbst antue!); oder ich falle in eine Depression, weil ich zwar todunglücklich bin, aber den Mut zu einem Schritt nicht finde…
Liebe ich mich hingegen selbst und fühle mich in mir geborgen, so brauche ich keinen Partner, ich genüge mir selbst. Nur aus dieser Position „der Stärke“ kann ich wirklich lieben, geben ohne etwas zu vermissen – aber auch furchtlos meinen eigenen Weg gehen, eigenständig sein.
Den Partner sollten wir nicht brauchen, wir sollten bereit sein, ohne jemanden an unserer Seite zu leben. Ihn nicht brauchen, aber dankbar dafür sein, dass es ihn gibt, ihn einfach lieben. Liebe deinen Partner wir dich selbst!

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Trennung/Scheidung – oder bis dass der Tod…

Zwei Frauen, zwei Schicksale, zwei unterschiedliche Weisen damit umzugehen – zu sich selbst zu stehen, in Würde und Selbstachtung…

Sabine*, eine Freundin von mir, war seit 20 Jahren mit Rolf verheiratet. Sie waren recht verschieden, teilten kaum gleiche Interessen und vor allem Sabine lebte oft ihr eigenes Leben; doch wirklich etwas vorwerfen, konnte man Rolf nicht. Sie dachte aber je länger je öfters über Scheidung nach: Sie wollte ihr Leben mit jemandem teilen und von Rolf fühlte sie sich „allein gelassen“, auch in Bezug auf die beiden Kinder im Teenageralter.
Dann erkrankte Rolf an Krebs. Nach einer Operation und der folgenden Chemotherapie ging es ihm zusehends besser; als geheilt würde er aber erst nach einigen Jahren gelten, falls er in dieser Zeit tatsächlich keinen Rückfall erlitte.
Dennoch reichte Sabine die Scheidung ein. Sie liess sich von den veränderten „äusseren Umständen“, die im Grunde genommen nichts mit ihr und der Beziehung zu ihrem Mann zu tun hatten, nicht davon abhalten. Natürlich machte sie sich die Entscheidung nicht leicht, welche Frau verlässt schon ihren schwerkranken Mann? Und was würde die Familie dazu sagen, vor allem seine Familie? Würden alle sie verurteilen, auch die Freunde? Und die Kinder?
Sabine hatte den Mut zu dem zu stehen, was sie tief in sich spürte, was für sie stimmte – zu ihrem Entschluss, den sie lange vor Rolfs Erkrankung innerlich gefällt hatte.
Und es kam, wie es oft kommt, wenn wir aufrecht unseren Weg gehen und uns nicht vor Liebesentzug und dem Urteil der Mitmenschen fürchten: Alle, auch Rolfs Angehörige, zeigten Verständnis für sie, niemand verurteilte sie, die Kinder schon gar nicht.
Heute teilt Sabine ihr Leben mit einem neuen Partner und ist sehr glücklich. Rolf ist zwei Jahre nach der Scheidung an Krebs gestorben.

Natalie, eine andere meiner Freundinnen, heiratete vor rund 15 Jahren Werner; sie haben zwei Kinder. Werner trinkt, mindestens drei bis vier Mal pro Woche geht er nach der Arbeit noch ins Wirtshaus und kommt dann angeheitert nach Hause; er hat ein ganz schlechtes Selbstwertgefühl (es wurde ihm von frühester Kindheit an von seinem Vater genommen) – was natürlich keine Entschuldigung für seine Alkoholkrankheit ist.
Natalie war mit dem ersten Kind schwanger, als Werner in betrunkenem Zustand sie zum ersten Mal schlug. Von da an kam es immer wieder zu solchen Misshandlungen. Und noch schlimmere Dinge sind geschehen, er war eine Zeitlang sogar in der Psychiatrie.
In all den Jahren hat Natalie ihn mehrmals verlassen – um jeweils nach einigen Wochen zu ihm zurückzukehren. Sie selbst hat ebenso wenig Selbstwertgefühl, sie hat Angst vor dem Alleinsein, davor nicht für die Kinder sorgen zu können, aber hauptsächlich vor dem Verlust des Ansehens im kleinen Ort, wo sie leben – obwohl ihre Familie ganz hinter ihr steht und auch Werners Familie jeweils nicht verstehen konnte, dass sie zu ihm zurückkam, nach allem, was er ihr angetan hatte.
Sie schaffte es in all den Jahren nicht, sich von ihm zu trennen, obwohl sie ihn schon lange nicht mehr liebt.
Dann erkrankte Werner schwer, mehrere Wochen lang lag er im Koma, sein Leben hing an einem seidenen Faden. Ich weiss nicht, ob Natalie sich wünschte, er möge sterben.
Er überlebte, blieb aber gesundheitlich stark angeschlagen. Jetzt trinkt er zwar nicht mehr, doch er ist pflegebedürftig und zudem in eine Depression gefallen.
Natalie traut sich nun erst recht nicht mehr, die Scheidung einzureichen. Was würden die Leute denken, wenn sie ihren invaliden Mann verlässt? Und seine Verwandten? Und die Kinder?
Dieser Zustand dauert inzwischen weit über ein Jahr an. Ich wünsche Natalie von ganzem Herzen die Kraft und den Mut, den längst fälligen Schritt zu wagen und ihre Selbstachtung wiederzufinden.

Wir dürfen zu uns selbst stehen, wir sind nicht für das Schicksal anderer Menschen verantwortlich! Wir sollen so handeln, wie wir es tief in uns spüren, im Vertrauen, dass alles so kommt, wie es für alle Beteiligten gut und richtig ist. Und vor allem brauchen wir vor den Konsequenzen keine Angst zu haben – meistens geschieht das, was wir uns so düster ausmalen, was wir fürchten, gerade nicht! Unser Mut wird belohnt, es öffnen sich neue, ungeahnte Türen und es entwickelt sich alles in eine ganz andere Richtung, schöner und bereichernder, als wir uns erträumen könnten…
Doch darauf warten, dass das „Schicksal“ oder der liebe Gott oder wer auch immer mir eine Entscheidung, die ich treffen muss, abnimmt, ist eine Illusion. Im Gegenteil, wie auch Natalie neulich traurig sagte: „Hätte ich mich doch bloss vor seiner Krankheit von ihm getrennt… Ich habe mich nicht getraut, und jetzt macht das Schicksal es mir noch schwerer… Es ist schon wahr, dass die Prüfungen immer härter und schwerer werden, wenn man nicht so handelt, wie man es eigentlich als richtig erkennt…“

*Alle Namen aus Diskretionsgründen geändert.

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