Mein neues „Sonnwandeln“

Vor gut zehn Jahren begann ich, Sonnwandeln zu schreiben, eine Schriftenreihe für spirituelle Entwicklung im Alltag. Es entstanden schliesslich dreissig thematische Ausgaben, insgesamt über 600 Seiten. Den Namen Sonnwandeln wählte ich in der dop­pelten Be­deutung von „auf dem sonnigen Lebensweg wandeln“ und „sich zu einem sonnigen Gemüt wandeln“. Diese Schriftenreihe, die es nur in elektronischer Form gab, habe ich jetzt in gedruckte Bücher umgeformt und bei dieser Gelegenheit gründlich überarbeitet. Der erste Band mit dem Titel „Der Sinn des Lebens und die Lebensschule“ ist soeben erschienen, die übrigen vier erscheinen nach und nach.
Jedes Kapitel entspricht einer Ausgabe der früheren Schriftenreihe und weist die gleiche Struktur auf: „Einführende Gedanken“ stellt eine Einleitung ins Thema dar und wirft auch Fragen auf, die ich dann in den weiteren Rubriken „Vertiefende Aspekte“ und „Fragen & Antworten“ konkret und alltagsbezogen be­handle, wie es meine Art ist.
Zu jedem Thema gibt es eine Aufgabe für die innere Entwicklung, ergänzt durch Vorschläge für Affirmationen, eine Ima­gination oder Meditation und unterstützende Heilsteine und Bach-Blüten.

Das Konzept von Sonnwandeln ist einzigartig in seiner Ganzheitlichkeit und seinem Alltagsbezug.
Dabei geht Sonnwandeln einen Schritt weiter als die meisten Ratgeber-Bücher und die spirituelle Literatur, indem es die behandelten Themen nicht nur in einen konkreten Alltagsbezug stellt, vielmehr auch Entwicklungsziele Schritt für Schritt klar definiert und die entsprechenden Aufgaben dazu stellt.

Gebet und Meditation sind eine Seite der Spiritualität, eine wichtige – doch darüber gibt es schon viel Literatur und manche Website.
Deshalb konzentriert sich Sonnwandeln darauf zu zeigen, wie wir die spirituelle Ebene in unseren Alltag einbringen können, im Beruf, in Partnerschaft und Familie, bei Freizeitaktivitäten, mit Freunden und all unseren Mitmenschen, in unseren täglichen Entscheidungen und Taten, durch Krisen und Herausforderungen: Wir lernen Ängste und Wünsche abzubauen, Selbstwert, Urvertrauen und Gleichmut zu stärken – dadurch wachsen wir innerlich und kommen dem Göttlichen näher.

Sonnwandeln steht keiner Religion, Lehre, Kirche, Sekte oder Organisation nahe, ist völlig unabhängig und keiner bestimmten Ideologie verpflichtet. Ich schöpfe aus weltweiter spiritueller, philosophischer und psychologischer Weisheit. Eine Gottfigur der Gebote und Verbote, mit Belohnung und Strafe, findet darin keinen Platz, wohl aber das Göttliche als Absolutes, Einheit, Allheit.

Buchtitel_Der_Sinn_des_LebensDer Sinn des Lebens und die Lebensschule
von Karin Jundt
nada-Verlag
ISBN 978-3-907091-05-0
Paperback, 220 Seiten
EUR 19.00 / ca. CHF 25.00

Erhältlich:
• im Buchhandel und in den Online-Shops

Die Kapitel:
1. Der Sinn des Lebens und unsere Lebensaufgabe
2. Lebensphasen und Lebenskrisen
3. Zufall und Schicksal
4. Freier Wille oder Vorbestimmung?
5. Wille und Wollen
6. Unsere Innere Stimme

Sonnwandeln zeigt Wege auf
• wie wir mit weniger Angst und Sorgen gleichmütiger und zufriedener durch das Leben wandern,
• und im alltäglichen Handeln spirituell wachsen können,
• mit beiden Füssen fest in dieser Welt verankert, ohne asketische Praktiken und Entsagung.

Zu den Leseproben…

Noch eine Bitte: Falls euch das Buch gefällt und euch auf eurem spirituellen Weg unterstützt, wäre es für mich sehr hilfreich, wenn ihr eine Bewertung/Rezension in einem oder mehreren Online-Shops abgebt. Vielen Dank!

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Lebensmüde

„Fast immer weiss man innerhalb der ersten zwei Wochen, ob eine Ehe funktionieren wird. Es ist erstaunlich, wie viele Leute über Jahre, gar Jahrzehnte, in einem sich hinziehenden gegenseitigen Zustand der Selbsttäuschung und falscher Hoffnung gefangen bleiben…“, sagt eine Frau im Roman „And the Mountains Echoed“ von Khaled Hosseini (deutsche übersetzung dieser Textpassage aus dem Englischen von mir).

Tatsächlich verharren manche Menschen in einer unglücklichen Liebesbeziehung oder in einer anderen bedrückenden Lebenssituation, obwohl sie im Grunde wissen, dass es keine Hoffnung auf eine Verbesserung gibt. Aber sie finden den Mut nicht, sich daraus zu befreien.

In dieser Lage, in der sich Menschen hoffnungslos und ohnmächtig zugleich fühlen, verlieren sie die Lebensfreude – sie werden im wahren Sinne des Wortes lebensmüde. In den letzten Jahren konnte ich dies bei mehreren Menschen in meinem Umfeld beobachten und davon erzähle ich euch heute.
Ich will vorausschicken, dass es nie um objektive Gründe geht. Eine Situation, in welcher der eine absolut unglücklich ist, kann für einen anderen durchaus erträglich oder sogar angenehm sein. Deshalb dürfen wir als Aussenstehende die jeweile Lage niemals bewerten – das einzige, was zählt, ist, wie der Betroffene sich fühlt.

In der milderen Form äusserst sich diese Lebensmüdigkeit buchstäblich in Müdigkeit. Ich selbst erlebte es im Alter von etwa 19 Jahren, als ich mich in einer Beziehung befand, die mich nicht erfüllte. Damals war ich naiv und unwissend und realisierte nicht, dass mein ständiger Wunsch zu schlafen – tagsüber in meiner Freizeit, die ich eigentlich mit meinem Freund hätte verbringen sollen – nichts anderes ausdrückte als meine Müdigkeit mit der Situation.
Das gleiche Phänomen ist mir bei zwei Frauen Mitte 30 aufgefallen, die beide in einer schwierigen Ehe steckten. Bei der einen erzählte mir ihr Ehemann davon: „Sie hat ja nun wirklich keinen anstrengenden Job und nur halbtags. Aber wenn ich am Abend nach Hause komme, ist sie lustlos, müde. Auch am Wochenende verbringt sie die meiste Zeit mit Schlafen.“ Er bemühte sich erfolglos sie „wachzurütteln“, indem er Ausflüge und Ferien plante, sie zum Ausgehen motivieren wollte. Mir war klar, dass sie mit ihm nicht glücklich war – obwohl er ein lieber, einfühlsamer Mann ist, so ist er doch eher einfältig und ihr intellektuell weit unterlegen, sie konnte mit ihm nicht über Gott und die Welt diskutieren, was ihr sehr wichtig gewesen wäre. Inzwischen hat der Mann sich von ihr getrennt, und beiden geht es jetzt wesentlich besser.
Die andere Frau, die ihre Freizeit hauptsächlich schlafend verbrachte, befand sich mit ihrem Mann in einer ähnlichen Situation, wobei es bei ihr eher darum ging, dass er verschlossen war und ihr nie erzählte, was ihn gerade beschäftigte, obwohl sie ihm anmerkte, dass etwas nicht stimmte. Die Frau trennte sich von ihm, lebte einige Jahre allein, und nach einer längeren Paartherapie haben die beiden inzwischen wieder zusammengefunden.

Zwei Männer kenne ich ich, bei denen die Unzufriedenheit mit ihrer Lebenssituation in eine tiefe Depression führte. Bei beiden waren die Hintergründe sowohl auf den Beruf als auch auf die Liebesbeziehung zurückzuführen. Der eine sagte einmal zu mir, nachdem er sich von seiner Partnerin getrennt und die Arbeitsstelle gewechselt hatte und wieder mit Freude lebte: „In jener Zeit ging ich manchmal über die Strasse und dachte, dass es mir egal, fast willkommen wäre, wenn mich jetzt ein Auto überführe.“

Alle diese Geschichten zeigen, wie Menschen in unglücklichen Lebensumständen sich gewissermassen selbst aufgeben. Obwohl ihre Situation alles andere als aussichtslos ist, empfinden sie diese so und fühlen sich ohnmächtig, weil sie den Mut, die Kraft nicht haben, etwas zu ändern.

Es ist immer schwierig, einen entscheidenden Schritt in eine ungewisse Zukunft zu wagen. Aber ich will euch einmal mehr ermutigen, euer Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und zitiere einmal mehr eine meiner liebsten Lebensweisheiten:

Ich verändere, was ich verändern kann; ich akzeptiere mit Gelassenheit, was ich nicht verändern kann; und ich bemühe mich aufrichtig darum, das eine vom anderen zu unterscheiden.

(Siehe zu diesem Thema auch meinen Artikel „Ängste statt Wünsche?“ auf meiner Website Karma Yoga.)

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Das Glück nicht delegieren!

Eine Aussage aus Steffis Kommentar auf dieser Website hat mich zum heutigen Text inspieriert, nämlich

Meine Umgebung ist nicht länger verantwortlich dafür, ob ich mich gut oder schlecht fühle.

(Bei dieser Gelegenheit empfehle ich euch, auch den davorstehenden langen Beitrag von R. Vangelis zu lesen.)

Oft erwarten wir, dass wir glücklich gemacht werden. Sagen wir nicht etwa zu unserem Partner: „Du machst mich glücklich“? Oder: „Ich brauche dich“ und meinen damit „Ich brauche dich, damit ich glücklich bin“?
Noch öfter werfen wir jemandem vor, uns unglücklich zu machen.

Wahre Selbstliebe bedeutet jedoch, von niemandem abhängig zu sein. Oder andersrum: Solange wir unser Glück von einem anderen Menschen abhängig machen, sind wir auch von diesem Menschen abhängig. Das hindert uns daran, jederzeit wir selbst zu sein, das hindert uns daran, uns selbst zu lieben.

Ganz abgesehen davon, dass wir nie die Garantie haben, dass der betreffende Mensch uns für immer glücklich machen wird. Dieses Recht haben wir auch nicht, wir können nicht über andere verfügen, über sie bestimmen, wir können sie nicht zwingen, sich so zu verhalten, wie wir es gerne hätten.
Wenn wir also unser Glück und unser Wohlbefinden darauf gründen, dass wir es von aussen bekommen, dass jemand es uns schenkt, leben wir in der ständigen Ungewissheit, wie lange es tatsächlich bei uns bleiben wird, und in der ständigen Angst, es zu verlieren.

Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbstliebe, diese Erwartungshaltung anderen gegenüber aufzugeben und uns einzugestehen: Ich muss selber dafür sorgen, dass ich glücklich bin und mich wohl fühle.
Da wir die äusseren Umstände und unsere Umgebung nicht beliebig beeinflussen können, kann der Weg nur darin bestehen, unsere innere Haltung zu ändern, das Glück in uns zu finden. Daran müssen wir arbeiten, nicht an der Veränderung unserer Mitmenschen und unseres Umfelds!
Wie? Auf dieser Website habe ich schon viele Hinweise dazu gegeben und weitere werden folgen. Fangt einfach irgendwo an, es ist nicht so wichtig wo, Hauptsache ihr macht einen ersten Schritt und dann noch einen und noch einen… Es ist ein langer Weg, aber auch ein spannender und überaus bereichernder.

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Das Leben ist so einfach!

Neulich sprach ich mit Ariane*, einer Freundin, über eine gemeinsame Bekannte, die gerade in einer Krise steckt – wobei deren Probleme, objektiv betrachtet, nicht wirklich schwerwiegend und durchaus erträglich sind, sogar relativ leicht lösbar wären.

Ariane sagte zu mir: „Warum machen es sich die Menschen bloss so schwer? Das Leben ist doch so einfach!“
Und das sagte die Mutter eines kleinen Jungen, der soeben ein Jahr lang mit Chemotherapie und intensiver Bestrahlung gegen eine extrem aggressive Krebserkrankung kämpfen musste und der noch nicht als definitiv geheilt gilt!

Die Dankbarkeit für jeden Tag, der ihr mit ihrem Kind zusammen geschenkt wird, spricht aus dieser Frau. Und das Urvertrauen, dass es so kommen wird, wie es sein soll. Kein Hadern mit dem Schicksal, kein Selbstmitleid – und ich weiss gut, wie oft sie im letzten Jahr immer wieder an ihre Grenzen stiess, wie sie kämpfen und stark sein musste.
Aber sie findet, das Leben sei einfach. Sie soll uns allen ein Vorbild sein, wenn wir uns jeweils von unseren Problemchen überwältigt, vom Leben ungerecht behandelt fühlen.

*Name aus Diskretionsgründen geändert.

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Glücksjäger

Kürzlich habe ich von Emanuel* eine Mail bekommen, die mich zu einem Beitrag auf dieser Website inspiriert hat. Ich zitiere die Mail in Auszügen:

Mit Anfang 30 begannen diese Gedanken nach dem Sinn des Lebens, die mich ein Leben lang begleiten, so richtig intensiv zu werden. Ich habe schon sehr viele Bücher darüber gelesen, Filme angeschaut, Berichte und Erfahrungsgeschichten gesammelt. Alle Bücher waren sehr interessant, ich gewann so viele neue Einsichten, viele meiner Fragen wurden beantwortet, doch konnte ich Erlerntes nie für längere Zeit in mein Leben integrieren.
Nach ungefähr 3 Jahren des Suchens und Ausprobierens, nach einigen Höhen und viel mehr Tiefen, gelangte ich zu der Einsicht, in Verbindung mit einem Schicksalsschlag und neuen Bekanntschaften, dass das Leben nur Spaß sei und man das Glück jagen müsse! So begann eine verspätete wilde, ungewisse Zeit für mich. Ich wurde ein Glücksjäger! Nur die Hypes waren erwünscht. Die Downs wurden verdrängt. Gab es mal keine Hypes, wurde natürlich mit gewissen Substanzen nachgeholfen. Erstaunlich war, dass das Prinzip anfangs super funktionierte, es lief hervorragend. Neue Freunde, neue Hobbys, alles war toll, nur Spaß Spaß Spaß!
Es hielt fast zwei Jahre an. Dann so langsam ging mir die Luft aus. Es lag unmittelbar gar nicht an mir, so kam es mir zumindest vor. Keiner konnte mehr mit mir mithalten, mir kam es so vor, als wollte jeder in meinem Umfeld etwas von meinem Kuchen abkriegen. Die Hypes wurden immer weniger, die Drogen immer mehr, und die Leere in mir immer größer. So konnte es nicht mehr weitergehen.
Lange Rede kurzer Sinn, ich habe jedes Wort in Ihrem Buch verstanden. Ich hab ständig mit dem Kopf genickt. Der Unterschied zu anderen Autoren ist, dass Sie nicht wie ein Experte, ein Mental-Trainer oder ein Wissenschaftler schreiben. Sie, Frau Jundt, schreiben wie die Menschen und für die Menschen. Erstaunlich auch wie viele Parallelen ich zu anderen Lehren fand, die ich schon kannte. […] Noch nie hat ein Buch bei mir so eine nachhaltige Wirkung hinterlassen wie das Ihre, dafür danke. Vielleicht war ich genau jetzt, genau hier bereit dafür.

Zutiefst überzeugt bin ich davon, dass wir das Recht haben, in diesem Leben glücklich zu sein. (Und nicht, wie gewisse Religionen meinen, dieses Leben ein Jammertal sein müsse, damit wir uns das Glück im Jenseits verdienen.)

Es gibt aber Glück und Glück. Das eine ist das Glück der Hypes – oder auch das Unglück der Hypes. Denn unser Ego will einfach Action, eine gleichmütige Zufriedenheit ist ihm zuwider. Emotionen sind gefragt, egal ob freudige oder schmerzhafte. Jedes Ego ist ein Glücksjäger.
So nimmt es auch in Kauf, dass es einen kurzen Augenblick des Glücks mit viel Leid bezahlen muss. Und wenn es gerade keine Glücksmomente erhaschen kann, so sucht es sich leidvolle – Hauptsache es gibt Gefühlswallungen und nicht die Langeweile der gelassenen Zufriedenheit. Diese Glücks- oder Schmerzmomente sind wie eine Droge: Man muss die Dosis ständig erhöhen, um überhaupt noch etwas zu spüren. Das beschreibt Emanuel treffend in seiner Mail.
Einige Menschen, wie Emanuel, lernen mit der Zeit, dass es im Leben mehr gibt als das sogenannte Glück, das von den Äusserlichkeiten herrührt. Andere verstehen es (noch) nicht und machen weiterhin schmerzliche Erfahrungen.

Zum wahren Glück – zur anhaltenden Lebensfreude – finden wir dann, wenn wir in uns selbst ruhen. Dann können wir alles, was die Welt uns schenkt, geniessen, ohne jedoch darauf angewiesen sein; wir leiden deshalb nicht, wenn wir es nicht mehr bekommen oder es uns genommen wird. Und vor allem, jagen wir diesem Glück nicht mehr hinterher.

Diese innere Ruhe, die Geborgenheit in uns uns selbst, bedarf der Selbstliebe und des Urvertrauens.
Der Selbstliebe, damit wir es wagen, ganz wir selbst zu sein; andernfalls ist tiefe Lebensfreude kaum zu erlangen.
Und das Urvertrauen schenkt uns die Gewissheit, dass wir es nicht nötig haben, dem Glück nachzujagen: Es wird uns immer alles gegeben, was wir brauchen und uns gut tut.

Abschliessend noch zwei schöne Zitate zu diesem Thema:

Das Glück ist ein Schmetterling. Jag ihm nach, und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.
Anthony de Mello

Solange du nach dem Glück jagst, bist du nicht reif zum Glücklichsein.
Hermann Hesse

Zum morgigen Osterfest – aber auch für alle Tage eures Lebens – wünsche ich euch die Freude der heiteren Gelassenheit!

* Name aus Diskretionsgründen geändert.

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„Nichts zu tun ist harte Arbeit“

Wie wahr ist doch diese Aussage von Oscar Wilde! Wir Menschen der Leistungsgesellschaft setzen Nichtstun gerne mit Faulheit gleich, verdiente Musse mit Müssiggang – und bekanntlich ist ja Müssiggang aller Laster Anfang.
So kostet es uns tatsächlich oft Überwindung, einmal einfach nichts zu tun, wir müssen uns beinahe dazu zwingen. Nicht selten verurteilen wir uns dafür, haben ein schlechtes Gewissen und suchen krampfhaft nach Rechtfertigungen vor uns selbst und anderen – ich habe Kopfschmerzen, ich fühle mich nicht so gut, ich habe schlecht geschlafen, es ist die letzte Ruhe vor dem Sturm…

Einerseits liegt es daran, dass wir nicht als faul angesehen werden wollen – was denken die anderen von mir, wenn sie mich im Garten an der Sonne liegen sehen, mitten am Tag, wenn alle arbeiten?

Andererseits aber auch daran, dass wir unser Selbstwertgefühl daraus beziehen, wie „nützlich“ wir sind. Deshalb neigen wir zu missverstandenem Pflichtbewusstsein und Perfektionismus, denn je mehr wir leisten, umso wertvoller fühlen wir uns.
So ist es aber nicht! Wir sind immer gleich wertvoll, egal wie wir sind, egal was wir tun. Unser Wert hängt nicht von Äusserem ab, er ist stets unverändert und unveränderlich.

Also gönnen wir uns Ruhe und Musse und Nichtstun – einfach weil wir Lust dazu haben. Weil wir es in uns spüren. Weil unser Körper es möchte. Oder unser Geist. Oder unsere Seele. Und hören wir auf, eine Begründung oder Rechtfertigung dafür zu suchen und abzugeben. Uns selbst nicht und anderen schon gar nicht.

Eine „To-do-Liste“ haben wir doch stets im Kopf – wie wäre es, wenn wir uns einmal eine „Not-to-do-Liste“ zusammenstellen?
:mrgreen:

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Zitate von Sai Baba

Der indische Mystiker Satya Sai Baba, in Indien und auch bei uns sehr bekannt, ist am 24. April 2011 im Alter von 85 Jahren gestorben. Zu seinem Gedenken will ich heute einige seiner schönen und tiefen Aussagen zitieren.

Die Kerzen müssen im Innern des Menschen angezündet werden. Das ist wichtiger, als dies im Tempel zu tun.

Meerwasser ist salzig, wenn es direkt aus dem Meer genommen wird, und es kann mit Bücherweisheit verglichen werden. Flusswasser hat einen anderen Geschmack – es ist süss. Dieses Wasser kann man mit „Weisheit, durch Erfahrung erworben“ vergleichen. Die Weisheit, die durch Erfahrung euer eigen wird, ist höher zu bewerten als Bücherweisheit. Ihr könnt das Wissen, das ihr euch aus heiligen Büchern angeeignet habt, im täglichen Leben in die Praxis umsetzen und es dadurch in Weisheit verwandeln.

Ein Mann borgte sich Geld von einem anderen und versprach, es am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang zurückzugeben. Der andere Mann sagte: „Aber weisst du denn, ob die Sonne morgen auch wirklich aufgehen wird?“ Darauf erwiderte der Schuldner: „Kannst du denn sicher sein, dass ich morgen noch leben werde, um das Geld zurückzuzahlen, oder ob du noch leben wirst, um es in Empfang zu nehmen?“ Alles im Leben ist ungewiss.

Wenn ihr einem Menschen aus Liebe dient, könnt ihr jederzeit damit aufhören; aber wenn ihr Lohn dafür annehmt, seid ihr dazu verpflichtet, ob ihr wollt oder nicht. Gebt den Wunsch nach Entlohnung auf, dann seid ihr frei; wenn ihr sie annehmt, seid ihr gebunden. Das ist das Geheimnis selbstloser Pflichterfüllung.

Fühlen wir nicht Frieden, wenn ein Gedanke verebbt und kein anderer aufkommt? Ihr müsst diesen Augenblick suchen, eins mit ihm werden, darin zur Ruhe kommen; dort ist ununterbrochener Frieden. Gedanken entstehen und vergehen wie Kräuselwellen auf dem Wasser. Vergesst die Wellen, seht das Wasser.

Brütet niemals über die Vergangenheit. Wenn Kummer euch überkommt, erinnert euch nicht an ähnliche Vorkommnisse in der Vergangenheit, die euren Gram noch vergrössern. Erinnert euch statt dessen lieber an Augenblicke, in denen ihr glücklich wart. Gewinnt Trost und Kraft von solchen Erinnerungen und schwingt euch hoch über die wogenden Wellen des Leides.

Aus: Der Weg nach Innen (Herausgegeben von der Sathya Sai Vereinigung, 1993)

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Mut zur Wandlung

Wasserfall in Schlucht Alles ist im Fluss, einen Stillstand kann es nicht geben. Stehendes Wasser fault, und mit der Zeit versickert es oder verdunstet…

Aber sieh doch, wie gewaltig hingegen die Kraft des Fliessens ist! Nicht einmal Felsen widerstehen ihr. Der Fluss des Lebens bahnt sich immer seinen Weg, bahnt ihn Dir. Folge ihm und versuche nicht, gegen den Strom zu schwimmen, es wird Dir in Ewigkeit nicht gelingen.
Du kannst Dich dem Fliessen nicht entziehen, Du kannst niemals bleiben, was Du bist, keinen Augenblick lang. Mit jedem Atemzug veränderst Du Dich, nimm den Wandel neugierig und erwartungsvoll an, folge Deinem Lebensstrom, wohin er Dich auch führt – zuerst junger, wilder Bergbach, dann mächtiger Wasserweg, schliesslich gemächlicher Fluss, am Ende Vereinigung mit dem Unendlichen Ozean.

Du darfst jeden Abschnitt geniessen, jeder bietet Dir seine Fülle, seine Freuden und seine Herausforderungen an. Trauere nicht dem nach, was hinter Dir liegt, es ist nicht mehr!
Blicke nicht sorgenvoll voraus, fürch­te nicht Wasserfälle und Stromschnellen – wer weiss, ob sie je kommen…
Sieh einzig das Schöne in Deiner Gegenwart: das Fliessen, der stete Wandel im Ewig Ruhenden, Unwandelbaren.

(Text und Bild aus meinem Buch: Der Sinn des Lebens und die Lebensschule)

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Nutzt die Möglichkeiten der Freiheit!

Mira* ist eine Frau, die in einem Land und einer Kultur lebt, in der die Eltern und die Traditionen noch geehrt werden. Ein Ausbrechen ist ihr kaum möglich, ohne sozial geächtet zu sein, aber auch nicht, weil sie dazu erzogen wurde, sich zu fügen. Woher sollte sie den Mut und die Kraft nehmen, ihr trauriges Schicksal zu ändern?
Als junges Mädchen ging sie eine Beziehung mit Arim* ein, den sie damals zu lieben glaubte. Nachdem die beiden eine Zeitlang zusammen waren, lernte sie jedoch Jonathan*, ihre wahre grosse Liebe kennen, einen Mann aus einer westlichen Kultur, der ihr eine andere Lebensweise zeigte. Doch bevor sie den Mut fand, sich von Arim zu trennen, erkrankte sein Vater schwer. Auf dem Sterbebett erzwang er von ihr die Zusage, dass sie seinen Sohn heiraten würde.
Damit war Miras Schicksal besiegelt. Nie und nimmer hätte sie ihr Versprechen gebrochen. Sie heiratete also Arim, obwohl sie ihn nicht mehr liebte, und trennte sich von Jonathan. Bald bekamen sie ein Kind.

Seither sind nun schon fünf Jahre vergangen. Mira ist unglücklich und resigniert, ja verzweifelt.

Das Tragische daran ist nicht, dass sie sich in einer Situation befindet, die sie unglücklich macht – so etwas erleben wir alle immer wieder einmal. Das Tragische ist diese Aussichtslosigkeit, ihre Situation jemals zu ändern. In ihrer Welt ist sie bis zum Tod darin gefangen, sie sieht keine Möglichkeit, sich zu befreien. Klar und hart ausgedrückt: Miras Leben ist gelaufen. Sie kann nur noch zusehen, wie es sich abwickelt, aber sie lebt es nicht. Und sie ist doch erst fünfunddreissig!

Ich erzähle euch diese wahre Geschichte, um euch zu sagen: Ihr habt die Möglichkeit, euer Leben zu ändern, wenn ihr unglücklich seid! Tut es! Schaut nicht zu, wie es an euch vorbei gleitet. Unternehmt die nötigen Schritte, um es zu ändern!
Wir leben hier in einer freien Welt, wir haben einen freien Willen, wir dürfen, ja wir müssen unser eigenes Leben leben. Natürlich ist es nicht immer einfach, aus einer leidvollen Situation auszubrechen, natürlich braucht es Mut, natürlich könnte es vorübergehend schwierig werden. Aber glaubt mir: Mut wird belohnt. Und das grösste Geschenk, was über alle Probleme trägt, ist das Bewusstsein, dass ihr zu euch selbst steht, dass ihr eure Würde bewahrt, ihr euch selbst achtet und liebt.
Macht es nicht wie Mira, fügt euch nicht in ein freudloses Leben. Ihr habt das Recht, glücklich zu sein. Und nur ihr selbst könnt etwas dafür tun.

*alle Namen aus Diskretionsgründen geändert

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Sehnsucht in Vorfreude verwandeln!

Urvertrauen ist unter anderem: Wissen, dass wir immer das bekommen, was wir brauchen, und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Mass.
Ich will heute in diesem Zusammenhang eine Empfindung ansprechen, die wir alle kennen: die Sehnsucht nach einem geliebten Menschen. Müssen wir für eine kürzere oder längere Zeit von ihm getrennt sein, sehnen wir uns nach ihm und vermissen ihn – manchmal bereits nach wenigen Stunden!
Natürlich sind solche Gefühle durchaus menschlich, und meistens sind sie auch nicht wirklich unangenehm. Doch von einer höheren Warte aus betrachtet, zeugen sie von mangelndem Urvertrauen. Sollten wir nicht davon überzeugt sein, dass wir den geliebten Menschen dann wiedersehen, wenn es gut für uns ist? Dass die Vorsehung uns genau so oft mit ihm zusammen sein lässt, wie es eben sein soll?
Und ist es nicht wichtig, stets in der Gegenwart, im Augenblick, zu leben? Also auch während der Zeit der Trennung ganz zu leben, zu tun, was zu tun ist, alles zu geniessen und nicht sehnsuchtsgequält zu vegetieren?

Versuchen wir doch einfach, die Sehnsucht in die Vorfreude auf das nächste Zusammensein zu verwandeln! Es ist ein subtiler Unterschied – versucht einmal, ihn zu spüren, und ihr werdet sehen, dass sich Vorfreude viel besser anfühlt!

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