Selbstliebe und die konkurrierenden Ängste

Die Angst, nicht geliebt zu werden, ist eine unserer ursprünglichsten Ängste. Je nach Situation äussert sie sich in verschiedenen Formen, nämlich als Angst vor
• Zurückweisung,
• Ausgrenzung,
• Verurteilung,
• Missachtung,
• Einsamkeit,
• Verlust,
• Konflikten
und viele mehr.

Auf der anderen Seite, gewissermassen als Konkurrenz, stehen die Angst vor
• Abhängigkeit, Unterlegenheit, Ausnutzung,
• Fremdbestimmung,
• fehlender oder mangelhafter Selbstverwirklichung,
• Selbstverurteilung, Schuldgefühlen,
• Nichterlangen persönlicher Ziele und Wünsche, Lebensversäumissen,
• Sinnlosigkeit,
• und viele mehr.

Welche der beiden Kategorien auch immer dominiert, sie hindert uns daran, zutiefst glücklich zu sein – wie Ängste unserem Glück ja immer im Wege stehen.
Stärken wir unser Selbstwertgefühl und unsere Selbstliebe, so verschwinden auch die oben aufgeführten Ängste nach und nach.
Meine Methode, die ich in meinen Buch „Ich liebe mich selbst und mache mich glücklich“ beschreibe, beruht ja darauf, an unseren Verhaltensweisen zu arbeiten, und zwar an einer nach der anderen. Die Frage stellt sich also: Bei welcher sollen wir beginnen?
Auf jeden Fall bei einer Verhaltensweise, die uns unmittelbar zu mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung führt, denn wir sollen unser eigenes Leben leben und nicht das eines anderen! Unsere Seele wird es nämlich auf die Dauer nicht akzeptieren, dass wir unseren eigenen Lebensplan, unsere existenziellen Wünsche, Ziele, Wertvorstellungen missachten, weil wir es anderen recht machen und ihre Anerkennung und Wertschätzung nicht verlieren wollen. Der innere Konflikt zwischen diesen konkurrierenden Ängsten macht uns krank, psychisch und/oder körperlich.

Zugegeben, es braucht etwas Mut. Ich erinnere daran, dass Mut nicht Furchtlosigkeit ist, wie man so leichthin annehmen könnte. Mut ist die Überwindung der Angst. Etwas zu tun – und sei es noch so spektakulär –, von dem wir überzeugt sind, dass wir es können, es gut ausgeht, alle es billigen, erfordert keinen Mut. Mut haben heisst, seine Angst erkennen, annehmen, zu ihr stehen und sie übergehen, sich von ihr nicht abhalten lassen und trotz und mit ihr handeln.
Viele Hinweise und Tipps dazu finden sich in meinen Büchern. An dieser Stelle deshalb nur ein wichtiger Glaubenssatz, den wir uns immer und immer wieder sagen müssen, wenn die Angst, nicht geliebt zu werden, über die Angst, uns nicht selbst zu verwirklichen, zu siegen droht: „Ich will auf meinem Sterbebett nicht bereuen müssen, nicht mich selbst gelebt zu haben.“

Oder mit anderen Worten: Unsere Angst, etwas bereuen zu müssen, sollte immer stärker sein als unsere Angst, nicht geliebt zu werden. Denn diese Angst treibt uns dazu an, den für uns richtigen Weg einzuschlagen.

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