Noch eine Woche Zeit

Das Ende des Jahres wurde in unserem Kulturkreis willkürlich auf den 31. Dezember festgelegt, er ist kein besonderes Datum im Sonnen- oder Mondjahr. Aber es ist nun einmal so, und seine symbolische Bedeutung und Kraft sollten wir nutzen.
Vor allem in dem Sinne wie es die Chinesen zu ihrem Jahreswechsel halten. Sie putzen das Haus gründlich, um keinen alten Dreck ins neue Jahr mitzunehmen.

Es bleibt uns noch eine Woche bis Ende Jahr. Also…

… bringen wir alles Hängende noch zu einem Ende
… schliessen wir ab, was wir nur noch lustlos weitergeführt haben
… lassen wir los, was wir ohnehin nicht halten können
… geben wir frei, was keine Zukunft hat
… verzeihen wir uns die Dinge, für welche wir noch Schuldgefühle mit uns herumtragen
… bitten wir die Menschen um Verzeihung, denen wir ein Unrecht angetan haben
… legen wir die schweren Momente ab, die wir erlebt haben, damit sie nicht unsere Zukunft belasten
… ebenso die schönen, damit wir nicht aus der Erinnerung leben, sondern in der Gegenwart
… reinigen wir unsere Gedanken und unser Herz von allem Niederem, allem Zwist, allen inneren Konflikten
… und als letzten symbolischen Akt reinigen wir die Wohnung, das Auto, die Kleider, damit wir keinen Schmutz aus dem zu Ende gehenden Jahr mit ins neue nehmen.

Ich wünsche euch allen gesegnete und friedliche Weihnachtstage!

Advent, Geschenke und mein neues Buch

Lasst mich zuerst euch allen eine besinnliche und möglichst stressfreie Adventszeit wünschen, mit viel Licht und Freude.

Falls ihr noch ein Geschenk sucht – darf ich euch eines meiner Bücher empfehlen?

Buchtitel_Karma_YogaKarma Yoga: Auf dem sonnigen Weg durch das Leben
von Karin Jundt
nada-Verlag
ISBN 978-3-907091-03-6
Paperback, 136 Seiten
CHF 20.50 / EUR 13.00

Das neuste, „Karma Yoga – Auf dem sonnigen Weg durch das Leben“ ist ein Wegweiser zu einem zufriedeneren Leben. Es ist im ganzen deutschsprachigen Raum im Buchhandel und in Online-Buchshops erhältlich.
Mehr darüber…

Passender zur Weihnachtszeit sind vielleicht die beiden tiefgründigen Erzählungen, die ich seinerzeit noch unter dem Pseudonym Karin Albarosa geschrieben habe.
In der Schweiz sind sie im Buchhandel und in Online-Shops erhältlich, in anderen Ländern leider nur über Amazon Deutschland. Doch ihr könnt diese beiden Bücher direkt per E-Mail bei mir bestellen ( kj@nada-verlag.ch ), ich schicke sie euch gerne per Post, in der Schweiz und nach Deutschland sogar ohne zusätzliche Versandspesen. Mehr darüber…

Buchtitel_JonathanBuchtitel_Wanderer

Jonathan von der Insel
von Karin Albarosa
nada-Verlag
ISBN 3-907091-00-0
Hardcover, 160 Seiten
Format 12 x 20 cm
CHF 29.50 / EUR 18.00

Der Wanderer im dunklen Gewand
von Karin Albarosa
nada-Verlag
ISBN 3-907091-01-9
Hardcover, 160 Seiten
Format 12 x 20 cm
CHF 29.50 / EUR 18.00

Nie aufgeben, ohne es wenigstens versucht zu haben!

Eine Sufi-Geschichte von Rumi

In einem Wald wohnte ein wilder Löwe; alle anderen Tiere lebten in ständiger Furcht vor ihm. Eines Tages versammelten sie sich, um einen Ausweg zu finden, und schliesslich einigten sie sich auf eine Lösung.
Eine Gesandtschaft suchte den Löwen auf und sagte ihm: „Jeden Tag frisst du einen von uns; deshalb sind wir alle stets ängstlich und können unserer Futtersuche nicht in Ruhe nachgehen. Oh König der Tiere, wir schlagen dir vor, dass du von nun an auf deinem Thron bleibst, und jeden Tag wird einer von uns zu dir kommen, damit du ihn fressen kannst. So haben wir unsere Ruhe und du brauchst dich nicht mehr abzumühen.“
Das gefiel dem Löwen und er willigte ein. Von da an wurde jeden Morgen ein Tier ausgelost, das sich zum Löwen begeben und sich von ihm fressen lassen musste.
Als das Los auf den Hasen fiel, wollte sich dieser nicht damit abfinden. „Es muss einen anderen Weg ge­ben“, meinte er. Doch die übrigen Tiere drängten ihn, denn sie fürchteten, den Löwen zu verärgern. Nur mit viel Mühe gelang es ihnen, den Hasen zum Gehen zu bewegen.
Als er beim Löwen eintraf, war es schon Nachmittag und der König der Tiere war sehr hungrig und brüllte fürchterlich: „Warum kommst du so spät?“
Mit gespielter Unterwürfigkeit antwortete der Hase: „Mein Herr, es ist nicht meine Schuld. Ich habe mich frühmorgens auf den Weg zu dir gemacht, aber plötzlich stand ein anderer Löwe vor mir und wollte mich fressen. Ich musste davonrennen und manchen Umweg einschlagen, um ihm zu entkommen.“
Wutentbrannt schrie der Löwe: „In diesem Wald gibt es nur einen König und das bin ich!“ Mit unschuldiger Miene pries der Hase den anderen Löwen: „Er ist gross und stark, hat eine beeindruckende Mähne und seine Stimme ist wie der Donner!“
In seiner Ehre verletzt, forderte der Löwe den Hasen auf, ihm den Rivalen zu zeigen. Der Kleine hoppelte los, der König hinterher, bis zum Rand eines Brunnens. „Da un­ten wohnt er“, sagte der Hase, „sieh wie mächtig er ist…“
Zornig blickte der Löwe in den Brunnen und fauchte sein Spiegelbild an, das ebenso fauchte und sich kein bisschen beeindruckt zeigte. Mit einem wilden Schrei stürzte sich der Löwe in den Brunnen und ertrank.
Der Hase kehrte unversehrt zu den anderen Tieren zu­rück und erzählte ihnen, wie er den Löwen überlistet hatte, anstatt sich mit seinem Schicksal abzufinden.

(Text aus Sonnwandeln Nr. 15)

Der Schmerz, verlassen zu werden

Immer wieder erfahren wir in unserem Leben, dass ein nahestehender Mensch uns verlässt: Im Kleinkindesalter ist es die Mutter oder eine andere Bezugs­person, die sich aus unserer erfassbaren Umgebung entfernt, wenn auch nur vorüber­gehend; später ein lieber Schulkamerad, der wegzieht, oder die Freundin, die sich abwendet zu einer anderen „besten Freundin“; als Teenager erfahren wir das Zerbrechen der ersten Liebe und als Erwachsene dann die Trennung bei einer langjährigen Beziehung.

Die Gründe für den Schmerz des Verlassenwerdens sind vielschichtig und individuell ausgeprägt; nachfolgend gehe ich den häufigsten auf den Grund:

• Der stete Wandel. Unser Dasein ist geprägt von einem Kommen und Gehen geliebter Menschen, als ob wir selbst wie ein Fixpunkt auf einem belebten Marktplatz stünden, Leute sich eine Zeitlang zu uns gesellten und dann weiter zögen. Erleben wir solches tatsächlich auf einem Marktplatz, sind wir nicht traurig, frustriert, enttäuscht, verletzt oder verbittert über diesen ständigen Wechsel; im wirklichen Leben hingegen fallen uns das Nichtanhaften und das Loslassen extrem schwer, wir akzeptieren den Fluss des Lebens mit seinem steten Wandel nicht, wollen festhalten, was bereits vorbei ist.

• Das Alleinsein und die Veränderung. Meistens mögen wir Menschen Veränderungen nicht: Es ist immer ein Schritt ins Unbekannte, bei dem wir nicht genau wissen, was uns erwartet, und sie fordern von uns äussere und innere Umstellungen und Entwicklungen. Das Ego wehrt sich deshalb dagegen und reagiert mit starken Emotionen wie Wut, Frustration, Niedergeschlagenheit und mehr. Besonders der Wechsel von der Zweisamkeit zum Alleinsein wirft uns, zumindest in der ersten Zeit, auf uns selbst zurück und das kann sich recht unangenehm anfühlen. Je nachdem wie wenig wir in uns zentriert und geborgen sind, befand sich vorher der oder ein wichtiger Bezugspunkt ausserhalb von uns, der uns sozusagen von uns selbst „ablenkte“; nach der Trennung sind wir nur noch auf uns selbst ausgerichtet und es kann einiges aus dem Unbewussten auftauchen, was bisher „stillgelegt war“ und sich jetzt aufdrängt. Diese Auseinandersetzung mit alten Themen kann Leiden verursachen; es beruht zwar nicht direkt auf der eigentlichen Trennung, doch oft unterscheiden wir das nicht und führen alles auf die gegenwärtige Situation zurück, die wir dann umso schmerzhafter empfinden.

• Der Angriff auf das Selbstwertgefühl. Jedes Mal, wenn ein Mensch uns willentlich verlässt, stellen wir uns Fragen wie: „Was habe ich falsch gemacht? Warum zieht er andere mir vor? Bin ich es nicht wert, dass er mit mir zusammen ist? Bin ich langweilig, hässlich, dumm, humorlos…? Was werden meine Familie, Freunde, Kollegen… denken? Was sage ich ihnen?“ und ähnliche. Wenn ein Mensch uns verlässt, beziehen wir das stets auf uns selbst – wir nehmen es „persönlich“; das greift unser Selbstwertgefühl an und tut weh! Doch jede Aussage, Entscheidung und Handlung eines anderen Menschen hat ausschliesslich mit ihm selbst zu tun, sie stammt aus seinem Unbewussten, seiner „Programmierung“ und ist nicht auf mich gerichtet – ich bin nur das Objekt, mit oder an dem es sich abspielt.

(Text aus Sonnwandeln Nr. 18)

Sein Urvertrauen „vergessen“?

Kennt ihr das auch? Da ist man recht gefestigt in seinem Urvertrauen und Gleichmut, so schnell kann einen nichts erschüttern – bis dann eine „emotionale Ausnahmesituation“ eintritt und man alles vergisst. Vor nicht allzu langer Zeit mir passiert, zum ersten Mal seit Jahren. Und es hat immerhin ganze vier Tage gedauert, bis ich mich selbst wieder gefunden habe.

• Ich habe vergessen, dass alles, was geschieht einen Sinn hat.
• Ich habe vergessen mich zu fragen, was ich aus der Situation lernen soll.
• Ich habe vergessen, dass mir alles gegeben wird, was ich brauche.
• Ich habe vergessen, dass alles nur zu meinem Guten ist, langfristig gesehen.
• Ich habe vergessen, dass kein Unterschied besteht zwischen dem sogenannt Angenehmen und dem sogenannt Unangenehmen, zwischen Freude und Leid.
• Ich habe vergessen, die Situation dankbar anzunehmen.
• Ich habe vergessen, die Ergebnisse der Taten dem Göttlichen zu überlassen.
• Ich habe vergessen, um Einsicht und Gelassenheit zu beten.
• Ich habe vergessen, das Göttliche um Hilfe anzurufen.
• Ich habe vergessen, dass meine Zukunft voller Licht und Freude ist.
• Ich habe vergessen, dass sich vor mir alle Türen öffnen werden.

Ich habe alles vergessen, was mich sonst durch meinen Alltag und alle schwierigen Situationen trägt. Ja, das kann passieren. Und ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie man es vermeiden könnte. Wisst ihr es? Dann erzählt über eure Erfahrungen! Alle LeserInnen dieser Website, ich eingeschlossen, freuen sich darüber.

Liebevoller Aufruf zur Selbstliebe

Neulich drückte ich in einer langen E-Mail an einen lieben Freund meine Zweifel aus, ob mein Verhalten ihm gegenüber richtig gewesen sei. Seine Antwort, ebenfalls per E-Mail, war ganz kurz:

Bitte zweifle nicht so viel an Dir. Denk immer dran, dass alles, was Du tust, auf meiner Seite bei einem liebenden Herzen ankommt, und nicht bei jemandem, der nach Fehlern bei Dir sucht. Also tu auch Du es nicht, sondern liebe Dich weiterhin, Du bist es so sehr wert.

Ich war zu Tränen gerührt. Das ist etwas vom Wertvollsten, was ich je gelesen habe, und das Schönste und Liebevollste, was ein Mensch je zu mir gesagt hat.

Es ist zwar eine Tatsache, dass die meisten Menschen uns nicht mit diesem liebenden Herzen, das nicht nach Fehlern sucht, gegenüberstehen.
Aber es würde genügen, wenn wir uns selbst in dieser Weise begegnen: Ich suche nicht nach Fehlern bei mir, mein liebendes Herz für mich selber verzeiht mir alles, ich liebe mich, egal was ich tue, egal wie ich bin. Ich bin es wert, mich zu lieben, immer.

Wenn wir das schaffen, wird es uns auch gelingen, anderen Menschen mit diesem gleichen Herzen zu begegnen und ihnen stets das Gefühl zu vermitteln, dass sie bei uns so sein dürfen, wie sie sind, dass wir ihre „Fehler“ genau so lieben, wie ihre schönsten Seiten.

Urvertrauen im Herbst

Dieses wunderschöne Gedicht von Rilke brauche ich nicht weiter zu kommentieren:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Selbstveränderung stösst auf Ablehnung

Sobald wir beginnen, uns zu verändern, besonders wenn unser Selbstwertgefühl erstarkt und wir vermehrt wir selbst sind, versuchen viele Menschen unseres Umfelds uns zu sabotieren, gerade weil wir nicht mehr alles mit uns machen lassen, weil wir beginnen zu widersprechen und unseren eigenen Weg zu gehen. Wir bekommen dann Dinge zu hören wie: „Du hast dich verändert, aber nicht zu deinem Vorteil!“; „Was ist bloss los mit dir, warum bist du plötzlich so widerspenstig?“; „Du bist stur, kompromisslos, egoistisch.“ Sie versuchen uns das Leben schwer zu machen, indem sie unser Verhalten und damit uns selbst ablehnen, uns zu spüren geben, dass wir nicht mehr ihr „Liebkind“ sind, und sie meiden uns sogar.
Das ist eine Bewährungsprobe für unsere Selbstliebe: Wir müssen den Mut und die Kraft aufbringen, das durchzustehen, und keine Angst haben, die Liebe und Anerkennung geliebter Mitmenschen zu verlieren. Es sind hauptsächlich zwei Gründe, warum die anderen sich so verhalten: Der eine ist der pure Egoismus, weil wir natürlich nicht mehr so umgänglich sind, so leicht zu handhaben wie vorher. Der andere ist, dass wir ihnen ständig vor Augen führen, wie sie eigentlich auch sein möchten und sich nicht trauen; das treibt sie dazu an, uns in den Sumpf der gegenseitigen Abhängigkeit zurückzuholen und da zu behalten, wo sie auch drin stecken.

Doch wenn wir unseren Abhängigkeiten einmal entkommen sind, berührt uns all das nicht mehr. Wir erfreuen uns an unserem selbstbestimmten Leben und stehen über dem, was rund um uns geschieht. Und wir werden neue Freunde finden, die uns so akzeptieren, wie wir sind.

Manchmal machen wir jedoch noch eine andere Erfahrung. Zuerst stossen wir zwar auf Ablehnung – und da müssen wir durch! –, doch durch unsere Veränderung strahlen wir auch etwas aus, was auf die anderen wirkt, sodass sie sich dann ebenfalls ändern können. Das geschieht allein durch unser gutes Beispiel, wir brauchen sie nicht mit Worten zu überzeugen oder zu bekehren. Es ist das, was wir aussenden, was die Menschen verändert, und es ist diese die einzige Art, die Welt zu verwandeln: Ich ändere mich und strahle das in meinen ganz kleinen Umkreis aus – wenn jeder das tut, erlangen wir vielleicht eines Tages das Paradies auf Erden.

Verzeihen

Können wir jemandem verzeihen, der uns verletzt hat ? Uns schlecht behandelt? Ungerecht zu uns ist?
Nehmen wir als häufig anzutreffendes Beispiel die Eltern: die den Bruder vorziehen; uns wiederholt zu verstehen geben, dass wir nichts wert sind; dass ihnen vieles wichtiger ist als ihr Kind; die uns nichts zutrauen; sich in unser Leben einmischen; uns daran hindern, unseren eigenen Weg zu gehen; uns ihre Hilfe verweigern, wenn wir sie brauchen…

Oft verzeihen wir nicht mit Worten, nicht einmal in unseren Gedanken oder in unserem Herzen. Doch unser Verhalten zeigt das Verzeihen: Wir gehen immer wieder auf sie zu; wir sind für sie da, wenn sie uns brauchen; wir lieben sie „trotzdem“…

Und doch tut uns die Art und Weise, wie sie mit uns umgehen, immer wieder weh – unseren wahren inneren Frieden haben wir also nicht gefunden. Werden wir es je schaffen, ihnen auch in uns drinnen so zu verzeihen, dass wir uns nie wieder verletzt fühlen?
Ja, aber auf einem anderen Weg – denn es geht nicht um das Verzeihen, es geht am Ende nur um unsere Selbstliebe. Wie könnten wir uns verletzt fühlen, an uns zweifeln, an Unrechtem leiden, wenn wir uns selbst bedingungslos lieben, ganz in uns selbst geborgen sind? Das Verhalten anderer Menschen uns gegenüber werden wir zwar nach wie vor nicht billigen, aber es wird uns nicht mehr in unserer Tiefe berühren.

Und vielleicht sollten wir zuallererst uns selbst verzeihen, dass wir noch nicht verzeihen können…

Die Bedürfnisse befriedigen?

Es wird uns – von Psychologen und Lebensberatern ebenso wie von guten Freunden und Bekannten – oft gesagt: Du musst lernen, deine Bedürfnisse wahrzunehmen und zu befriedigen, sonst wirst du unglücklich.

Ja, es ist wichtig für uns zu wissen, was wir möchten und was nicht, was für uns von Bedeutung ist und was nicht.
Unsere Bedürfnisse befriedigen, auch uns unsere Wünsche erfüllen – dagegen ist ebenfalls nichts einzuwenden. Sofern es in unserer Macht steht. Essen, wenn ich Hunger habe, schlafen, wenn ich müde bin, Freunde treffen, wenn ich Lust dazu verspüre. Nein sagen, wenn ich etwas nicht tun will, meine Arbeitsstelle kündigen, wenn sie mich nicht mehr befriedigt, auf das Krafttraining verzichten, wenn ich gerade nicht mag.
Doch schon bei solchen einfachen, alltäglichen Bedürfnissen ist es nicht immer möglich, sie zu befriedigen. Ich kann mich nicht hinlegen und schlafen, wenn ich mich gerade in einer Sitzung befinde. Meinen Job mir nichts dir nichts aufzugeben, ohne einen neuen gefunden zu haben, hängt von den finanziellen Verhältnissen und den Verpflichtungen ab.
Unberechenbar, ja manchmal gar unmöglich, wird es mit dem Befriedigen meiner Bedürfnisse, sobald andere Menschen darin verwickelt sind oder äussere Umstände mitspielen. Wie könnte ich die ersehnte Reise machen, wenn Vulkanasche in der Luft den Flugverkehr lahmlegt? Wie mir meinen Kinderwunsch erfüllen, wenn ich einfach nicht schwanger werde? Mein Bedürfnis nach Liebe stillen, wenn ich den richtigen Partner nicht finde? Eine harmonische Ehe leben, wenn mein Mann unzuverlässig, untreu, gewalttätig, verlogen, verschwenderisch oder faul ist?

Es gibt Dinge im Leben, die wir nach unseren Wünschen gestalten können, viele mehr aber, bei denen wir nicht die Macht dazu haben. Wäre es also nicht sinnvoller, unsere Bedürfnisse wohl wahrzunehmen, uns dann aber damit auseinanderzusetzen und diejenigen abzulegen, bei denen wir nicht die Möglichkeit haben, sie zu befriedigen? Anstatt uns in Kämpfe zu verstricken, die uns unglücklich machen?

Wenn wir die Energie, die wir in solche Kämpfe und krampfhafte Bemühungen stecken, dazu verwenden, mehr Urvertrauen und Gleichmut zu erlangen, werden wir im Leben bestimmt glücklicher!
Vertrauen wir darauf, dass wir genau das bekommen, was gut für uns ist. Dass uns nichts gegeben wird, was (am Ende) nicht gut für uns ist.
Leben wir – im Kleinen wie im Grossen – nach der alten Weisheit: Ich verändere, was ich verändern kann; ich akzeptiere mit Gelassenheit, was ich nicht verändern kann; und ich bemühe mich aufrichtig darum, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Und denken wir auch immer daran: Wir können nie andere Menschen verändern, sondern nur uns selbst.