Ich brauche dich!

Unser Partner mag es als Liebesbezeugung verstehen, wenn wir zu ihm sagen: „Ich brauche dich!“ Es kann zudem sein Selbstwertgefühl steigern, er empfindet sich als wichtig – und es vermittelt ihm vielleicht nicht zuletzt auch das Gefühl einer gewissen Macht.

In Wahrheit ist es keine Bezeugung von Liebe, sondern von Bedürftigkeit. Diese stammt von einem Mangel an Liebe, sei es, dass wir in der Kindheit nicht genug davon bekommen haben, sei es, dass sie uns als Erwachsener versagt geblieben ist.
Vor allem zeugt Liebesbedürftigkeit von einem Mangel an Selbstliebe und verhindert ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben. Sind wir nämlich auf die Liebe des anderen angewiesen, werden wir stets alles tun, um diese Liebe zu bekommen und nicht zu verlieren, bis dahin, uns selbst untreu zu werden. Und falls unser Partner unser Dürsten nach Zuwendung erkennt und unsere Abhängigkeit ausnutzt, wird er uns erst recht in allerlei Situationen und Handlungen treiben, die wir in unserem Innersten überhaupt nicht wollen. Glücklich werden wir dabei bestimmt nicht.

Ich weiss, es ist sehr schwierig, diese Abhängigkeit unseres Herzens zu überwinden. Aber glaubt mir, dass es wichtig ist und es sich lohnt, daran zu arbeiten, denn Bedürftigkeit des einen oder gar beider Partner, mit ihren Verlustängsten, ihrer Eifersucht, Abhängigkeit und ihren Machtspielen, ist keine Basis für eine gute, dauerhafte Liebesbeziehung.

Auch wenn wir meinen, nur ein Mensch – nämlich unser gegenwärtiger Partner – könne unseren Liebeshunger stillen, so ist es dennoch einzig die Selbstliebe, die uns wirklich sättigen kann und die auch nie versiegt. Setzt eure Willenskraft und all euren Mut dafür ein, eure Selbstliebe aufzubauen und zu stärken. Auf dieser Website und in meinem Buch zu diesem Thema findet ihr Anregungen und Hinweise, wie ihr das schaffen könnt.

Und wie glücklich werdet ihr sein, wenn ihr eines Tages eurem Partner sagen könnt:
„Ich brauche dich nicht. Aber es ist schön, dass es dich gibt, und ich geniesse jeden Moment, in dem wir zusammen sind.“
Und dazu noch denkt: „Auch jeden, in dem wir nicht zusammen sind.“

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