Die Liebe einer Frau

Dieses Feuer für Gott… Dieses Annehmen seiner Prüfungen und Leiden, mit Geduld und Ehrfurcht, der furchtbaren Heimsuchungen. Mein mein mein… Mein Schmerz, mein Leiden, meine Qualen und ganz besonders – meine geplagte Seele. Ich schäme mich dafür, dass ich darum so viel Aufhebens mache. Vielleicht wäre Gott glücklicher, wenn wir einfach freundlicher zu unserem Partner und unseren Kindern wären und mit heiterem Herzen durch unseren Lebensalltag wanderten. Oh, die Macht eines freundlichen Wortes! Vielleicht offenbaren wir unsere Hingabe am besten in unseren täglichen, weltlichen, ach so gewöhnlichen Taten, indem wir sie um ihrer selbst willen ausüben, einfach für die Liebe, ganz ohne den Gedanken in Gottes Augen eine Gunst zu erwerben. Lasst mich die täglichen Opfer der Liebe um der Liebe willen preisen! Oh, mögen wir diejenigen, die mit uns wandern, so sehr lieben, wie wir es nur können, und ihnen durch unsere Freundlichkeit die wahre Gnade Gottes zeigen. Wenden wir uns nie im Ärger oder ohne Trost zu spenden von ihnen ab. Seien wir dankbar, dass wir sie lieben dürfen! Welch ein Geschenk! Lasst uns das tun, jahraus, jahrein auf dem langen Weg unseres gewöhnlichen Alltags, und darin unser Glück finden!
Aus dem Tagebuch von Darvish’s Ehefrau, Originaltext (englisch) auf Darvish’s Blog.

Vielleicht finden alle Lebenssinnsuchenden darin eine Anregung: Könnten wir unserem Leben nicht diesen Sinn geben, einen Menschen glücklich zu machen? Anstatt stets unserem eigenen (vermeintlichen) Glück nachzujagen, nur versuchen einem anderen zu schenken, was ihn glücklich macht? Ein Leben lang? Und staunend entdecken, dass wir dabei selbst unser Glück finden?

Ohne uns selbst untreu zu werden, nicht aus Angst, den Geliebten/die Geliebte zu verlieren, fern vom Gedanken an Unterordnung, Unterwerfung, Abhängigkeit.
Und vor allem ohne Selbstaufopferung – solange wir es als ein Opfer empfinden, ist es nicht Liebe und schenkt nicht die ersehnte innere Zufriedenheit und Ruhe.

Indem wir einen anderen wirklich lieben, bedingungslos lieben, könnten wir dabei nicht lernen, auch uns selbst zu lieben? Vielleicht trifft es ja zu: „Wer keinen anderen Menschen wirklich liebt, kann auch sich selbst nicht lieben.“ Das wäre der Umkehrschluss der bekannteren Aussage: „Wer sich selbst nicht liebt, kann auch keinen anderen wirklich lieben.“ Es käme auf einen Versuch an…

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4 Gedanken zu “Die Liebe einer Frau

  1. Meiner Meinung nach kann man nur glücklich sein, wenn man erlernt wie man andere glücklich macht. Sich selber glücklich zu machen bringt ja nichts: kurzfristig findet man da zwar Befriedigung, aber auf die Dauer wird man immer unglücklicher, da nur mit dem „Glück schenken“, also nur mit dem „sich selber einem anderen Menschen total geben“ kann man das wirkliche Glück erreichen. Es ist genauso wie bei der körperlichen Liebe: erst wenn man lernt sich dem anderen total zu geben, erreicht man seine höchste Befriedigung. Kurz zusammengefasst, ist, meiner Meinung nach, „Das glücklich machen“ absolut weiblich, und so ist „das glücklich sein“.
    Das sagt mir mein weibliches Urvertrauen.

  2. Danke, lieber Andi, für deine schönen Worte! Du sprichst mir aus dem Herzen…
    Das Geben gehört zur weiblichen Seite des Menschen – um „ganz“ zu werden, „wahre“ Menschen zu sein (und nicht vom Ego gesteuerte), müssen wir beide Seiten in uns entwickeln. So muss der Mann diese weibliche Seite in sich entdecken und leben, und die Frau ihre männliche, das Nehmen – viele Frauen können schlecht (an)nehmen…

  3. Danke für deine Antwort, liebe Karin! Da hab ich aber noch eine Frage: ist es vielleicht möglich dass nicht „alle“ Frauen nicht in der Lage sind nehmen zu können, und dass nicht „alle“ Männer nicht in der Lage sind geben zu können? In meinem Leben hab ich immer gegeben, also gegeben ohne Ende. Das „Nehmen“ hat mich nie wirklich interessiert. In den letzten Jahren hat meine Therapeutin versucht mich davon zu überzeugen dass ich endlich auch nehmen sollte, also die männliche Seite in mir stärker zu entwickeln, und nicht nur geben. Das hab ich schon probiert aber vergeblich, da das Nehmen mich nicht glücklich macht: genauso wie in der körperlichen Liebe bevorzuge ich das „geben“. Nur, hab ich aber endlich gelernt nicht zu nehmen, sondern nicht immer das Gefühl zu haben dass ich immer „mehr“ geben sollte. Jetzt lasse ich mir von anderen geben und es fühlt sich sehr schön an. In letzter Zeit hab ich rausgefunden dass ich auch ein liebenswerter Mensch bin, und kein „menschlicher Müll“. Verstehst du was ich meine?

  4. Ja, lieber Andi, ich verstehe dich sehr gut!
    Natürlich gibt es auch Männer, die sehr viel geben können, und Frauen, die äusserst egoistisch nur nehmen. Diese „männliche“ und „weibliche“ Seite des Menschen hängen nicht primär vom biologischen Geschlecht ab, sondern gehören vielmehr zur inneren Natur.
    Mit „Nehmen“ ist ja auch nicht gemeint, dass wir rücksichtslos raffen sollen, was wir kriegen können, auf Kosten der anderen, sondern vor allem, dass wir wenigstens einmal an-nehmen, was uns von anderen freimütig gegeben wird – und nicht ständig das Gefühl haben, es nicht wert zu sein.
    Das ist genau das Problem, wenn jemand immer nur geben will und nicht nehmen kann: Dass er sich selbst herabwürdigt und sich nicht für wertvoll genug hält, etwas zu bekommen.
    Wunderschön, lieber Andi, dass du nun auch lernst, dich selbst zu lieben und die Liebe und Wertschätzung anderer anzunehmen. Du bist ein sehr wertvoller, liebenswerter Mensch – lass ruhig zu, dass andere dich lieben und dich beschenken!

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