Der Schmerz, verlassen zu werden

Immer wieder erfahren wir in unserem Leben, dass ein nahestehender Mensch uns verlässt: Im Kleinkindesalter ist es die Mutter oder eine andere Bezugs­person, die sich aus unserer erfassbaren Umgebung entfernt, wenn auch nur vorüber­gehend; später ein lieber Schulkamerad, der wegzieht, oder die Freundin, die sich abwendet zu einer anderen „besten Freundin“; als Teenager erfahren wir das Zerbrechen der ersten Liebe und als Erwachsene dann die Trennung bei einer langjährigen Beziehung.

Die Gründe für den Schmerz des Verlassenwerdens sind vielschichtig und individuell ausgeprägt; nachfolgend gehe ich den häufigsten auf den Grund:

• Der stete Wandel. Unser Dasein ist geprägt von einem Kommen und Gehen geliebter Menschen, als ob wir selbst wie ein Fixpunkt auf einem belebten Marktplatz stünden, Leute sich eine Zeitlang zu uns gesellten und dann weiter zögen. Erleben wir solches tatsächlich auf einem Marktplatz, sind wir nicht traurig, frustriert, enttäuscht, verletzt oder verbittert über diesen ständigen Wechsel; im wirklichen Leben hingegen fallen uns das Nichtanhaften und das Loslassen extrem schwer, wir akzeptieren den Fluss des Lebens mit seinem steten Wandel nicht, wollen festhalten, was bereits vorbei ist.

• Das Alleinsein und die Veränderung. Meistens mögen wir Menschen Veränderungen nicht: Es ist immer ein Schritt ins Unbekannte, bei dem wir nicht genau wissen, was uns erwartet, und sie fordern von uns äussere und innere Umstellungen und Entwicklungen. Das Ego wehrt sich deshalb dagegen und reagiert mit starken Emotionen wie Wut, Frustration, Niedergeschlagenheit und mehr. Besonders der Wechsel von der Zweisamkeit zum Alleinsein wirft uns, zumindest in der ersten Zeit, auf uns selbst zurück und das kann sich recht unangenehm anfühlen. Je nachdem wie wenig wir in uns zentriert und geborgen sind, befand sich vorher der oder ein wichtiger Bezugspunkt ausserhalb von uns, der uns sozusagen von uns selbst „ablenkte“; nach der Trennung sind wir nur noch auf uns selbst ausgerichtet und es kann einiges aus dem Unbewussten auftauchen, was bisher „stillgelegt war“ und sich jetzt aufdrängt. Diese Auseinandersetzung mit alten Themen kann Leiden verursachen; es beruht zwar nicht direkt auf der eigentlichen Trennung, doch oft unterscheiden wir das nicht und führen alles auf die gegenwärtige Situation zurück, die wir dann umso schmerzhafter empfinden.

• Der Angriff auf das Selbstwertgefühl. Jedes Mal, wenn ein Mensch uns willentlich verlässt, stellen wir uns Fragen wie: „Was habe ich falsch gemacht? Warum zieht er andere mir vor? Bin ich es nicht wert, dass er mit mir zusammen ist? Bin ich langweilig, hässlich, dumm, humorlos…? Was werden meine Familie, Freunde, Kollegen… denken? Was sage ich ihnen?“ und ähnliche. Wenn ein Mensch uns verlässt, beziehen wir das stets auf uns selbst – wir nehmen es „persönlich“; das greift unser Selbstwertgefühl an und tut weh! Doch jede Aussage, Entscheidung und Handlung eines anderen Menschen hat ausschliesslich mit ihm selbst zu tun, sie stammt aus seinem Unbewussten, seiner „Programmierung“ und ist nicht auf mich gerichtet – ich bin nur das Objekt, mit oder an dem es sich abspielt.

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39 Gedanken zu “Der Schmerz, verlassen zu werden

  1. „Doch jede Aussage, Entscheidung und Handlung eines anderen Menschen hat ausschliesslich mit ihm selbst zu tun, sie stammt aus seinem Unbewussten, seiner “Programmierung” und ist nicht auf mich gerichtet – ich bin nur das Objekt, mit oder an dem es sich abspielt.“

    Gilt das auch für die Hinwendung eines Menschen zu mir? Wenn sich ein anderer Mensch in mich verliebt und sich entscheidet, eine Beziehung mit mir einzugehen, bin ich dann auch nur das Objekt seiner Programmierung?

  2. Liebe Andrea

    Wenn man es ganz eng sehen will: ja. Über die Frage, warum man sich in diesen und nicht in einen anderen Menschen verliebt, wurde schon viel geschrieben, von Philosophen und Psychologen.
    Allerdings gibt es, was die Liebe betrifft, noch andere Ebenen. Eine rein biologische auf der einen Seite (es geht um die Erhaltung der Art, vieles funktioniert auch beim Menschen noch über Instinkte), und auf der anderen Seite eine spirituelle. Bei letzterer hat das Sichverlieben etwas „Schicksalhaftes“: Wir verlieben uns in den Menschen, mit dem zusammen wir bestimmte Lebenserfahrungen machen sollen, um uns innerlich weiterzuentwickeln.

    Aber das Schöne an der Liebe ist doch, dass sie meistens ein Geheimnis ist 😉

    Herzlichst,
    Karin

  3. Liebe Karin

    Ich bin maennlich, 45 Jahre alt, getrennt seit mehreren Jahren und Vater von 2 sehr liebevollen Kindern. Seit 3 Monaten lebe ich im Ausland ohne meine Kinder mit meiner neuen Partnerin zusammen, befristet fuer ein Jahr. Wir haben uns zwar lieb, immer wieder plage ich mich mit Verlustaengsten, durch die ich mich zurueckziehe, was wiederum bei ihr Angst ausloest, so dass sie sich ihrerseits zurueckzieht. Verlustaengste sind mein Urthema, noch nie habe ich damit richtig umgehen koennen, obwohl ich des oefteren Hilfe gesucht habe, ohne damit wirklich klar zu kommen. Kommmt noch mein Empfinden dazu, dass ich mich als Uebergangsloesung sehe. Immer wieder ist sie mit ihrer Ex-Beziehung beschaeftigt, war sie ueber 10 Jahre mit ihm zusammen und jetzt wird er noch bald heiraten. Kann ich alles verstehen und nachvollziehen, wenngleich es mir auch wehtut, da in solchen Augenblicken zwischen uns eine kleine Kluft entsteht. Sie wiederum hat dann Angst, mir ueber solche Gegebenheiten zu berichten, befuerchtet sie, dass ich dabei aergerlich werden oder mich zuerueckziehen koennte. Nicht einfach diese Verstrickungen. Mich erinnert es an die Zeit meiner Trennung von der Mutter meiner Kinder. Damals lernte ich nach der Trennung eine andere Frau kennen, doch die Beziehung litt darunter, weil ich mich von meiner Ex noch nicht vollstaendig geloest hatte. Nun wiederfaehrt mir das aehnliche Schicksal und ich sehe mich immer wieder in dieser undankbaren Rolle des „Wartenden“. Ich fuehle mich unter Druck, habe den Eindruck, cool bleiben zu muessen, abwartend und geduldig zu sein, positiv und „stark“ eben. Reagiere dann doch mit Eifersuchtsgefuehlen, sobald ein potentieller Typ auftaucht, der durch seine unverbindliche Art attraktiv fuer sie erscheinen koennte. Ich habe mit ihr bereits ueber meine Gefuehle der Eifersucht gesprochen. Sie aergert sich dabei, dass ich kein Vertrauen hab, betont auf der anderen Seite, dass sie sich noch nicht ganz oeffnen koenne, ein Satz, den ich seit ihrer Trennung hoere. Ich habe das Bild, dass wir beide manchmal uns gegenueber stehen und dazwischen ist ein Graben, den wir beide nicht fuellen koennen. Der andere soll es tun, keiner mag ueber den eigenen Schatten wirklich springen. Ich bin gleichzeitig ein wenig von mir enttaeuscht, fuehle mich beziehungsmuede, glaube, ich packe es in einer Beziehung einfach nicht, habe vor mir selbst „Konkurs“ angemeldet. Die Vorstellung, sie zu verlieren tut mir trotzdem weh, waere gerne lockerer, leichter.
    Ich habe mich im neuen Land gut eingelebt, mache Sport, treffe mich mit anderen Leuten, bleibt aber immer ein Gefuehl, zu ihr zu gehen zu müssen, sie zu kontrollieren, schaffe es nicht, mich innerlich so frei zu fuehlen, sie vollstaendig loszulassen. Diese Schwere hatte ich schon immer, muss mich extrem zusammenreissen, um von diesen Gedanken wegzukommen und das ist sehr anstrengend, wenngleich ich dann zeitweise erfolgreich bin. Sie wirkt trotz allem, selbstsicherer, moechte Leute kennenlernen, fuer Neues offen bleiben, kann sodann ihren Rueckflug nach Europa provisorisch buchen, ohne sich mit mir abzusprechen, was mich dann stutzig macht, fragt mich, ob es ok ist, wenn sie ein paar Wochen laenger in Europa bleibt und mich danach wieder im Ausland trifft… als wollte sie sich darum bemuehen, es mir Recht machen zu wollen; da wirkt sie einfach cooler… Was soll ich da sagen, als nur „ ja klar?“ Sie wuenscht sich einen Typen, der wie ein Fels dastehen kann, der sich von ihren Gefuehlen nicht beeindrucken laesst, so einst ihre Aussage. Ich bin derjenige nicht, kann evtl. stark sein, wenn sie an uns und mich glaubt, so meine Antwort. Es bleibt beim Muster, dass ich bildlich gesprochen eher hinterher laufe, so fühle ich, sehe ich mich. Schliesslich die Erkenntnis, dass in ihrer letzen Beziehung sie diejenige war, die ihm mehr hinterher lief, darunter litt, dass ihr ehemaliger Partner manchmal weg ging und sie sich alleine fühlte. Wir scheinen beide die „andere“ Rolle jeweils zu durchleben, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich weiss nicht, wie ich aus diesem „Loch“ rausfinden sollte. Ich sehe, wie meine Stimmung doch recht stark von unserer Beziehungsform abhängig ist, mir alleine was Gutes zu tun, gelingt mir mit grosser Anstrengung. Ich wähne mich bald, alleine zu bleiben, mal ohne Beziehung, ohne diese wiederkehrenden Anstrengungen, für die Beziehung etwas leisten zu müssen. Vielleicht ist meine Wahrnehmung einseitig, unvollständig, auch macht es mich sehr traurig, dass ich es immer noch nicht richtig gepackt habe in einer Beziehung.

    Gruss Martin

  4. Lieber Martin

    Du erkennst die Situation, in der du dich befindest, sehr deutlich und analysierst sie auch treffend. Du weisst, wo die Probleme in eurer Beziehung sind, wo deine liegen, wo ihre.
    Nun geht es darum, dass du deine Erkenntnisse in die Tat umsetzt. Das bedeutet: Dass du dich (deine innere Haltung) änderst, in die Richtung, die für dich stimmt, die du für dich möchtest. Nicht so, wie sie es gerne hätte, sondern ausschliesslich so, wie du es für richtig hältst.
    Und dass du dabei nicht versuchst, deine Partnerin zu ändern. Das muss sie schon selbst tun.

    Aber wie konkret? Wie wirst du nun deine Verlustangst mit allem, was damit zusammenhängt, los?
    Ich kann dir auch keine Tricks verraten, die gibt es nicht. Jede Veränderung ist harte Arbeit an sich selbst, und es geht nicht von heute auf morgen, sondern nur Schritt(chen) für Schritt(chen).

    Was ich vielleicht dazu beitragen kann: einige Überlegungen und Erläuterungen.

    Du beschreibst sehr gut, wie ihr beide in dieser Beziehung die Rolle innehabt, die in eurer vorangehenden Beziehung jeweils eurer Partner hatte. Als müsstet ihr das einfach auch erfahren, damit ihr wisst, wie es sich anfühlt. Und es dann irgendwann überwindet oder es wie von selbst von euch abfällt, weil ihr die Erfahrung genügend ausgelebt habt.

    Vielleicht ist es so. Vielleicht bis du aber tatsächlich nur eine „Übergangslösung“. Was wäre denn so schlimm daran? Was wäre denn so schlimm daran, wenn deine jetzige Beziehung auseinanderginge? Glaubst du nicht, dass du wieder einer Frau begegnen würdest, in die du dich verliebst und mit der du eine (noch) bessere Beziehung aufbauen kannst?

    Ich frage absichtlich etwas provokativ. Denn ich glaube, dass der Sinn des Lebens die innere Entwicklung eines jeden Individuums ist. Das bedeutet, dass wir immer mit den Menschen zusammengeführt werden (vom Leben, vom Schicksal, vom Göttlichen, von höheren Mächten oder wie du es nennen willst), die uns diese innere Entwicklung aufzwingen.
    Nun kann man innerhalb einer Beziehung über Jahrzehnte zusammen innerlich wachsen. Es kann aber ebenso gut sein, dass eine Beziehung nur für eine begrenzte Zeit eine „Funktion“ hat. Und wenn man sich darin nicht mehr weiterentwickelt – warum auch immer –, so wird die Beziehung getrennt. Entweder durch den Schritt eines oder beider Partner oder sonst durch das Schicksal.

    Ich kann es dir an meinem eigenen Beispiel erläutern. Zwei meiner Männer habe ich durch den Tod verloren, einer hat mich verlassen. Jetzt bin ich seit knapp eineinhalb Jahren wieder in einer Beziehung. Und erst neulich habe ich zu einer Freundin gesagt, halb im Spass, halb im Ernst: „Meine Männer werden immer besser!“
    So ist es tatsächlich. Alle meine drei vergangenen Beziehungen waren gut, es waren gute Partner und ich war mit jedem von ihnen glücklich. Aber offenbar sollte es nicht von Dauer sein, und ich sehe klar, wenn ich zurück blicke, dass ich eine bedeutende Entwicklung durchgemacht habe, die wahrscheinlich mit keinem dieser drei Partner allein möglich gewesen wäre. Jeder neue Partner war „besser“ als der vorangehende. Und mein jetziger… er ist der wundervollste Mann, der mir je in meinem Leben begegnet ist (und ich sage das nicht, weil ich blind vor Liebe bin!), noch nie habe ich eine so ehrliche und so weitgehend bedingungslose Beziehung gehabt. Sie ist dabei alles andere als einfach, voller Herausforderungen, und ich bin fast täglich gefordert, an mir zu arbeiten.

    Was ich dir damit sagen will: Betrachte deine Beziehung aus einer höheren Warte. Vertraue darauf, dass die Situation, in der du dich mit deiner jetzigen Partnerin befindest, die richtige ist für dich, damit du etwas lernst und innerlich wachsen kannst – mit all den Schwierigkeiten, auch mit dem Schmerz, der Angst, der Eifersucht.
    Versuche das Leben fliessen zu lassen, die Situation nicht als zwingend oder negativ zu betrachten, lass los und lass das Schicksal wirken. Spüre dabei gut in dir, wie du dich verhalten willst, versuche vor allem, du selbst zu sein; lass dich nicht von deiner Verlustangst dazu verleiten, die Erwartungen deiner Partnerin zu erfüllen, wenn du nun einmal nicht so bist (der Fels, den sie sich wünscht, z.B.). Wage es, offen und ehrlich das zu sein, was du bist, mit all deinen „Fehlern“ und Unzulänglichkeiten, und akzeptiere deine Partnerin mit all ihren „Fehlern“ und Unzulänglichkeiten. Nur das ist wahre Liebe, nur darauf kann man eine tragfähige Beziehung aufbauen.

    Hör auf dir einzureden, dass du es in einer Beziehung nicht packst, dass du der „Unfähige“ bist! Niemand ist vollkommen, wir sind alle auf dieser Welt um zu lernen.
    „Diese wiederkehrenden Anstrengungen, für die Beziehung etwas leisten zu müssen“… sagst du. Eine Beziehung ist anstrengend! Aber etwas leisten musst du nicht für deine Partnerin, nicht für die Beziehung, sondern nur für dich selbst. Du tust es für dich. Das Leben ist nun einmal eine Schule, die nie aufhört. Es ist anstrengend, aber es vermag auch sehr viel Glück zu schenken.

    Ich bin sicher, Martin, dass du es packst, wenn nicht mit dieser Frau, dann halt mit der nächsten. Du bist auf dem richtigen Weg, mit all den Erkenntnissen, die du hast, es spricht viel Weisheit aus deinen Worten. Hab einfach den Mut, ganz du selbst zu sein, selbst wenn du damit riskierst, deine Partnerin zu verlieren. Vertraue dem Leben, dass es dich immer mit den richtigen Menschen zusammenführt – dann verschwindet die Angst, einen bestimmten Menschen zu verlieren. Und du wirst ganz gewiss bald dein Glück finden.

    Von Herzen alles Liebe für dich,
    Karin

    P.S. Noch etwas, falls es dich tröstet: Als ich in deinem Alter war (und gerade in meiner dritten Beziehung), kämpfte ich mit so vielem, was du beschreibst! Ich musste 57 werden, um ein Schrittchen weiter zu kommen, aber immer noch übe ich das Loslassen. Du siehst, du hast also noch viel Zeit.

  5. Liebe Karin

    Danke fuer die weisen und liebevollen Worte. Wahrscheinlich gibt es nicht sehr viel mehr hinzuzufuegen. Die message ist klar, habe ich auf aehnliche Weise ueber mein weiteres Vorgehen gedacht. Schoen ist es, von aussen und schwarz auf weiss eine ebensolche Antwort zu lesen. Es tut gut! Ich glaube auch – und das ist auch meine Erkenntnis – dass das hoechste Gut die persoenliche Entwicklung ist, um moeglichst viel innere Freiheit zu erlangen. Es faellt mir einfach verdammt schwer, mich auf diesem Weg zu bewegen. Loslassen und dabei mit Liebe, ohne das Gefuehl aufkommen zu lassen wie “ ich moechte ihr eines auswischen!“ ist sehr schwer. Im Kopf ist mir klar, dass ich niemanden an mich binden kann, jeder ist frei, jeder darf entscheiden, mit wem er leben und wen er lieben darf, habe es ja auch getan, doch eben, wenn es mir widerfaehrt, dann ist es schwierig, fast unertraeglich. Seltsam, einfach nur seltsam und vor allem mit viel Leid verbunden! Ich frage mich manchmal, wer ueberhaupt diese Gefuehle erfunden hat. Es faellt mir schwer, den Blick von der „hoeheren Warte“ aus zu halten. Gefuehle der Ohnmacht, des Niedergeschmettertseins, der Angst, sind doch starke und „leidenschaftliche“ Groessen, die mir Energie, Ruhe und Gelassenheit entziehen. Ja, ich sehe mich, wie ich bei einem Entgegenkommen von ihr, bei einer Bestaetigung ich sofort aufbluehe, an Kraft gewinne, staune ueber mich, wie wichtig mir solche Momente sind. Ich habe mir gesagt, dass es ok ist, so, ich brauche das noch, ich werde noch ein weilchen in dieser „Abhaengigkeit“ bleiben, einfach, weil ich sie brauche, zumindest den Eindruck habe, sie gebrauchen zu muessen. Tut gut, das Innere, so wie es ist, nach aussen zu kehren, ja, mit all den Befuerchtungen, nicht „richtig“, noch „unreif“ zu sein usf. Ein erster Schritt, mich anzuerkennen, so wie ich eben bin, im Moment!
    Danke nochmals und eine feste Umarmung in Gedanken

    Martin 🙂

  6. Liebe Karin

    Ich sehe oben meine letzten Zeilen, geschrieben Ende Maerz dieses Jahres.

    Wir haben die Beziehung am letzten Wochenende abgebrochen. Bin am gleichen Tag zu Bekannten ausgezogen, habe dort eine Nacht verbracht, habe mich aber unwohl gefuehlt, bin mir sehr alleine vorgekommen und habe schliesslich das Angebot einer bekannten Familie erhalten, mit ihnen zu wohnen. Ich lebe seit 6 MOnaten im Ausland, habe kaum Freunde hier, nur immerhin diese sehr nette Familie, die mich aufgenommen hat. WAs mich hier haelt ist doch das schoene Land und die wenigen guten Arbeitskollegen. Ansonsten waere ich doch bald zurueck ins Heimatland, auch wenn ich dort im Moment Job und Unterkunft suchen muesste; meine bestehende Eigentumswohnung ist fuer mehr als ein Jahr vermietet.
    Meine frisch ehemalige Partnerin ist eine reife Person, ist seit 2 Jahren hier und macht eine Ausbilldung. wir haben uns immer wieder gesehen, habe mich dann entschieden, zu ihr zu ziehen, um mit ihr unsere Beziehung zu vertiefen. Ja, komplexer Hintergrund. Wird noch komplexer dadurch, dass ich schon getrennt bin und ein Kind habe, das im Heimatland lebt mit seiner Mutter, ihrem neuen Mann und Halbgeschwistern.

    Ja, nun zum Geschehnis. Meine Expartnerin vermisste eine tiefe Naehe zu mir, wollte so nicht weitermachen, meinte, sie haette Muehe damit, dass wenn sie sich freute, ich mich nicht auch fuer sie freute, sondern ein Stein im Gesicht hatte, sie damit nicht klar komme, weil sie sich dann zu sehr auf meine „Unfreude“ einlassen wuerde. Sie brauche einen starken Mann, der ihr dieses Gefuehl nicht geben wuerde.

    Sie komme nicht klar, wenn ich eifersuechtig sei, sie habe kein Vertrauen in mir, weil ich doch mehrere Beziehungen gehabt hatte.

    Mir wurde klar, dass ich ihrem Idealbild grundsaetzlich nicht genuegen kann. Hat mir weh getan, denn ich wollte mit ihr eine Beziehung. Ich leide unter Verlustangst und hatte bei ihr immer wieder das Gefuehl, wie oben erwaehnt, eine Uebergangsloesung zu sein. Sicher, ich habe etwas Anghaengliches, ein Teil in mir ist noch nicht erwachsen und glaubt noch nicht an sich selbst, sondern ist vom Wohlwohlen des Gegenuebers, der Bestaetigung einer einmaligen Liebe abhaengig. Ich bin „schwach“ an dieser Stelle, bald verunsichert, wenn sie sich mit anderen besser unterhielt und verstand als mit mir und ich mich dabei bedroht fuehlte. Habe versucht, diese Gefuehle fuer mich zu behalten, habe versucht, Meine Partnerin genauer zu beobachten, um realistischer meine Gefuehle und Befuerchtungen von ihrem Verhalten und ihrer „guten“ Absicht, das Zusammensein mit Menschen zu geniessen, unterscheiden zu koennen.

    Ich leide selbst unter dieser Verlustangst, fuehle mich unfrei und habe meine Partnerin wahrscheinlich eingeengt. Gerne wuerde ich auch so eine Freude leben. Seltsamerweise konnte ich sowas in einer Partnerschaft, als ich nicht wirklich verliebt war, deswegen auch keine grossen Verlustaengste hatte. Bei ihr jetzt emfpand ich die Gefahr sie verlieren zu koennen sehr gross, hatte ich mich doch sehr auf sie fixiert. Vielleicht ist das auch noch nicht wahre Liebe?

    Ich habe mir eine Freundin ausgesucht, die sich immer noch mit dem Leben ihres ExPartners beschaeftigt, der jetzt diesen Sommer heiraten wird, und evtl. ist seine Partnerin „sogar schon schwanger von ihm“ wie sie noch einige Tage zuvor betonen musste. Unfrei von ihrer letzten Beziehung, und ich mache irgendwo mit, komme mir sehr laecherlich vor. Ehrlich gesagt, ich verstehe mich selbst nicht ganz, weshalb ich diese Frau ausgesucht habe, um mir die Finger zu verbrennen. Trotz meiner persoenlichen Entwicklung dank diesem Auslandaufenthalt und alles, was dazugehoert hat, ist dieser Schmerz des Verlassenseins sehr gross und tief, fuehlt sich manchmal sehr kalt und ungesund an.

    Ich glaube, ich bin dieser fuer mich aeusserlich und innerlich sehr attraktiven Frau verfallen, habe sie immer wieder neu geliebt mit ihren „Macken“. Schmerzhaft waren doch zahlreiche Momente wie die Tatsache, dass sie bereits vor einigen Monaten sich nicht vorstellen konnte mit mir im Heimatland in meiner Wohnung voruebergehend zu leben, da sie sich in dieser STadt nicht wohl fuehlte; Diskussionen solcher Art kamen immer wieder vor, ihre Panik etwas machen zu muessen, was ihr nicht gut tun wuerde. Sie zeigte wenig Vertrauen und Freude zu haben, dass falls wir es gut haetten, wir eine Loesung finden wuerden. Sie beklagte sich, dass im allgemeinen die FRauen ihren Maennern hinterher laufen und sich von ihnen abhaengig machten, und uebersah, dass ich wegen ihr ich diesen Entschluss gefasst hatte, mit ihr im Ausland eine Zeitlang gemeinsam zu leben…

    Eine zeitlang war ich ihr zu nah, da sie sich von ihrer Ex-Beziehung loesen wollte, ploetzlich war ich ihr zu weit weg. Sie vermisste ferner die starken Gefuehle, die wir waehrend unserer Verliebtheit hatten. Fuer mich dagegen fuehlte sich die Verliebtheit nicht nur schoen, sondern auch anstrengend an. nicht immer wollte ich bestaetigen, dass ich sie lieb hatte; hatte mehr den Eindruck, dass wenn wir uns vermissten, das Vermissen mit „Liebe“ verwechselt wuerde und das stimmte fuer mich nicht so. Ich suchte mit ihr nach Ruhe, ich wuenschte mit ihr in dieser Ruhe eine tiefe Liebe aufbauen zu koennen, ja, schwierig zu erklaeren. Doch immer wieder wurde diese Liebe fuer mich gestoert, weil sie gerne viel mit andern Menschen unternimmt, sehr sozial sein moechte, dann wieder irgendwelche Beschwerden hat usf. Ich bin ihr einfach wie ein Hampelmann nachgefolgt, habe mich immer wieder beeindrucken lassen von ihren Gefuehlsschwankungen; unternahm ich dann wieder etwas mehr fuer mich, dann vermisste sie mich, suchte sie mich, ihre Art, ihre Liebe mir gegenueber zu zeigen. Die Liste koennte noch laenger werden.

    ja, ich fand diese Beziehung anstrengend, sicher, hoffte, mit der Zeit mit mehr Vertrauen in uns, wuerden wir zu mehr Ruhe und Gemeinsamkeit finden. Sicher, meine Herausforderung bestand und besteht immer noch, mehr auch auf meine Interessen zu achten, was dann bedeuten wuerde, Dinge mit anderen zu unternehmen, mich von ihr zeitlich zu trennen, was mir ehrlich gesagt, immer wieder schwer fiel, fuer mich eine wichtige, sinnvolle aber sehr gewoehnunsbeduerftige Herausforderung darstellte und oft auch hiess, dass wir uns immer wieder nicht sehen wuerden, was mich auch wiederum schmerzte. Ich wuenschte mir eine saettigende Beziehung, voruebergehend stark saettigend, bei der wir uns gegenseitig viel Naehe, Freude und Einmaligkeit geben koennen, um etwas Besonderes als Paar sein zu koennen. So meine Vorstellung, doch erlebt habe ich das noch nie zuvor. Jetzt, wo ich dies schreibe, wurden meine Verlustaengste eher noch groesser , hatten wir eine sehr gute und erfuellte Zeit zusammen oder noch seltsamer. Nach grosser Naehe auch koerperlicher war einerseits der Wunsch da, dieses Gefuehl erhalten zu wollen gekoppelt mit Verlustangst, andrerseits war der Wunsch da, mich kurzfristig zu entfernen, um etwas alleine zu unternehmen oder mit anderen. Durch diese Ambivalenz entstand dann oft so ein blockierendes Gefuehl, das Starre und Gereiztheit ausloeste, was dann wiederum Zweifel bei ihr ausloeste, ich wuerde sie nicht mehr lieben… kompliziert ich weiss… So viele Themen sind darin verpackt, so vieles nehme ich wahr dabei und so oft habe ich mich handlungsunfaehig gefuehlt. Ich glaube auch, dass durch all diese Gefuehlsmomente eine Beziehung fuer mich gar nicht mehr lebbar ist. Ich sah und sehe das Potential, das wir hatten und evtl. meinen Anteil auch, waren wir nicht in der Lage, diese Potentiale zusammenzubringen. Ist nicht das erste Mal in meinem Leben, leider. Das tut weh!
    Ich habe eine Frau gehen lassen muessen, weil es nicht anders ging.

  7. Hatte natuerlich vergessen zu sagen, dass wir viele gemeinsame Interessen gehabt haben wie Wandern, Reisen und uns da sehr gut verstanden haben. Der Alltag hatte sich etwas schwierger gestaltet, vor allem hier im Ausland, da doch und vor allem fuer mich alles neu war. Sie hat ihren STress mit ihrer Ausbildung, ihren Terminen usf. Doch sobald alleine irgendwo, abseits vom Alltag ging es mit uns ueber lange Zeit recht gut.

  8. Lieber Martin,

    du hast dir viele, viele Gedanken über eure Beziehung gemacht, während du sie gelebt hast und jetzt nach ihrem Ende.
    Pack nun alle diese Erkenntnisse in den Rucksack, den du auf den Schultern trägst. Sie sind dann zwar noch da, aber hinter dir, du brauchst sie nicht ständig vor Augen zu haben. Die Essenz der Erfahrung hast du in deiner Seele und sie wird von jetzt an in deinem Leben mit wirken, da sie ein Teil von dir ist.

    Du sagst: Ist nicht das erste Mal in meinem Leben, leider. Keine Erfahrung ist genau gleich wie die vorangehende, denn mit jeder kommen wir einen Schritt weiter, vielleicht nur einen ganz kleinen, fast unmerklichen. Manchmal meinen wir auch, immer noch an der gleichen Stellen zu stehen, aber dem ist nicht so: Manchmal müssen wir zuerst eine gewisse „Menge“ an Erfahrungen sammeln, die versteckt im Hintergrund warten und irgendwann dann hervortreten und uns einen Schritt weiter bringen.

    Zieh einen Schlussstrich unter die vergangene Beziehung und versuche offen zu sein – ohne zu viel nachzudenken! – für die Zukunft, versteife dich nicht darauf, ob und wann es eine nächste Beziehung geben wird und wie sie dann sein wird und ob du es das nächste Mal schaffst… Überlass dem Leben die Planung und vertraue darauf, dass im richtigen Moment das Richtige geschehen wird.

    In der Zwischenzeit arbeite an dir, an deinem Selbstwertgefühl, an deiner Selbstliebe, an deinem Urvertrauen – vielleicht auch mit Hilfe von Therapeuten (ich meine damit nicht „konventionelle“ Psychologen, sondern Therapeuten der verschiedensten Richtungen). Wenn du einfach offen bleibst, neugierig und zuversichtlich, wirst du den richtigen Menschen begegnen. Vielleicht braucht es Geduld. Aber ich bin davon überzeugt, dass uns im Leben immer genau das geschieht, was wir im Moment gerade brauchen, was uns gut tut, um uns in unserem inneren Wachstum weiterzuführen.

    Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe, viel Mut und Zuversicht!
    Karin

  9. Hallo Karin!
    “Doch jede Aussage, Entscheidung und Handlung eines anderen Menschen hat ausschliesslich mit ihm selbst zu tun, sie stammt aus seinem Unbewussten, seiner “Programmierung” und ist nicht auf mich gerichtet – ich bin nur das Objekt, mit oder an dem es sich abspielt.”
    Ich würde das gerne glauben, kann es aber leider nicht.
    Vor 5 Monaten hat mich mein Freund verlassen.
    Er war das Beste, was mir in meinem Leben passieren konnte, noch nie habe ich deutlicher gespürt, was Liebe ist.
    Leider bin ich recht impulsiv und reagiere wie ein Kind in Situationen, in denen es für den Partner nicht nachvollziehbar ist. Dann weine ich, will Aufmerksamkeit, will reden – und wenn das mein Gegenüber logischerweise aufgrund der emotional aufgeladenen Situation gerade nicht will, dann werde ich ärgerlich und impulsiv, mache dem Anderen Vorwürfe.
    Dazu muss ich sagen, dass ich in den letzten sieben Jahren meinen Vater und meine Mutter (beide kurz vor 50) verloren habe, ich selbst bin 35.
    Irgendwann habe ich gemerkt, dass ihn meine „Ausbrüche“ überfordern und wurde immer kleiner. Habe mich aufgegeben, wollte, dass er mich nicht verlässt, wollte alles richtig machen. Und gerade das war dann falsch.
    Jetzt komme ich zu oben zitierter Aussage zurück – ich denke schon, dass seine Handlung, mich zu verlassen, gegen mich gerichtet war. Ich trage die Schuld am Scheitern dieser Beziehung und komme damit so gar nicht klar.
    Sicher, vielleicht sollte ich gerade durch ihn lernen, dass ich bei MIR anfangen muss.
    Aber genauso sicher bin ich, dass er meine große Liebe war, dass ich nie wieder so tief empfinden kann.
    Er war so ein besonderer Mensch, der all das, was zu einer guten Beziehung nötig ist, bereits verinnerlich hat und lebt.
    Ich liebe ihn und habe ihn vertrieben – damit fällt es mir sehr schwer zu leben.
    Verena

  10. Liebe Verena

    Was ich mit dem von dir zitierten Satz meine, konkret auf deine Situation bezogen: Dein Partner hat aufgrund seines Charakters – oder seines Unbewussten – in einer bestimmten Weise auf dich und deine Ausbrüche, deine Vorwürfe usw. reagiert.
    Aber er hätte auch anders reagieren können, wenn er beispielsweise einfühlsam genug gewesen wäre, deine emotionale Lage zu verstehen und dir mit Verständnis und Aufmunterung anstatt mit Überforderung zu begegnen.
    In diesem Sinne war auch seine Entscheidung, dich zu verlassen, nicht direkt gegen dich gerichtet, sondern die Folge seines emotionalen Zustands, mit dem er offenbar nicht zurecht kam.

    Ich will damit nicht sagen, dass er „Schuld“ ist an eurer Trennung, es geht überhaupt nicht um Schuldzuweisungen. Es geht allerdings auch für dich darum, nicht die „Schuld am Scheitern“ auf dich zu laden, sondern darum – wie du selber sehr schön erkennst –, dass du daraus etwas lernst. Und es bei der nächsten Beziehung anders machst. (Das Gleiche gilt für deinen Ex-Partner.)

    Momentan tut es dir noch sehr weh, und du glaubst nicht, dass du je wieder einem anderen Mann begegnen wirst, den du ebenso lieben kannst und der dem verlorenen gleichkommt.

    Das habe ich schon drei Mal geglaubt in meinem Leben. Beim ersten Mal war ich 37 und mein Partner, meine grosse Liebe, mit dem ich 17 Jahre lang in einer harmonischen Beziehung zusammengewesen war, starb.
    Zwei Jahre später lernte ich einen Mann kennen und erkannte, dass er noch „besser“ war, als mein vorhergender, definitiv meine grosse Liebe. Als er mich verliess, dachte ich wieder, einen so guten Mann finde ich nie mehr.
    Der nächste war indes noch besser, die Beziehung tiefer und bereichernder, ein ganz besonderer Mensch. Aber auch diesen Mann nahm mir der Tod und damals beschloss ich, dass ich allein bleiben wollte, denn etwas Besseres könne nicht mehr folgen.
    Zehn Jahre lang habe ich es geschafft, mich immer abzuwenden und zurückzuziehen, sobald ein Mann sich für mich interessierte.
    Bis vor gut zwei Jahren – da schlug die Liebe innert Sekunden wie ein Blitz zu, ich hatte keine Chance zu fliehen. Und dieser Mann, mit dem ich gegenwärtig zusammen bin – wow, der beste, liebevollste, aufrichtigste, einfühlsamste usw. usw. Mann, dem ich je in meinem Leben begegnet bin!
    Zum ersten Mal bin ich heute aber überzeugt: Falls wir uns trennen sollten, wird mein nächster Mann noch besser sein als dieser.

    Aus jeder Beziehung habe ich eine Menge gelernt und mich innerlich entwickelt. Also muss jede folgende Beziehung schöner und bereichernder – unter Umständen aber auch fordernder und fördernder – sein als die vorhergehende.

    Du wirst auch wieder einer neuen grossen Liebe begegnen, da bin ich ganz sicher. Verschliesse dich ihr nicht, indem du in deinen Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen verharrst!

    Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe,
    Karin

  11. Liebe Karin,
    vielen lieben Dank für deine schnelle Antwort.
    Wenn ich dir das doch nur alles auch glauben könnte.
    Momentan fühle ich mich wie eine Versagerin, die es mit 35 Jahren noch nicht geschafft hat, dauerhaft geliebt zu werden.
    Was soll ich nur tun gegen das Gefühl, mein großes Glück verloren zu haben?
    Es hört sich wahrscheinlich ungläubig an und wahrscheinlich gibt es viele Frauen, die das von einem Mann sagen – aber ER war wirklich außergewöhnlich. Das sagen auch alle meine Freundinnen. Sein Wortwitz, seine Unterhaltsamkeit, seine Stimme, sein Zuhören, sein Erzählen, seine Wortgewandtheit – aber vor allem seine emotionale Nähe – so etwas finde ich nie mehr.
    Warum nur weiß man sein Glück erst zu schätzen, wenn man es kaputt gemacht hat?
    Oh Karin, wie soll das nur gehen.
    Liebe Grüße,
    Verena

  12. Liebe Verena

    Verzeih mir, ich musste gerade ein bisschen schmunzeln, als ich deine Worte las 😉 Es waren auch genau meine Worte jedes Mal, wenn ich einen meiner drei Männer verloren habe, genau so, denn sie waren alle, zu ihrer Zeit und in ihrer Art, wirklich aussergewöhnlich, und jedes Mal sagte ich: So einen Mann finde ich nie mehr.
    Und doch folgte jedes Mal ein noch aussergewöhnlicher Mann, vor allem auch emotional eine noch grössere, tiefere und innigere Liebe, und ich war jedes Mal glücklich darüber, dass die vorhergehende Beziehung zu Ende gegangen war, damit ich dieses neue, noch grössere Glück erleben durfte.

    Glaube es mir einfach, Verena, mit meinen 58 Jahren habe ich ein bisschen mehr Lebenserfahrung gesammelt, und was nach einem Verlust kommt, ist immer besser als das, was man verloren hat. Vorausgesetzt natürlich, man hat aus der vorangehenden Erfahrung gelernt. Und ich glaube das hast du: Was du schreibst, zeugt von Erkenntnis und Willen zum Wandel.

    Noch etwas, nebenbei: Ich glaube nicht, dass es in jedem Fall erstrebenswert ist, eine lebenslange Beziehung zu haben, oder wie du sagst „dauerhaft geliebt zu werden“. Für gewisse Menschen mag es zutreffen, für andere nicht.
    Es würde hier zu weit führen, wollte ich detailliert darauf eingehen. Aber ich glaube, dass der Sinn des Lebens der innere Wandel ist, also die innere Entwicklung zu einem immer besseren Menschen. Manchmal braucht es deshalb eine Veränderung im eigenen Umfeld, damit wir weiterkommen, und deshalb wird uns manchmal ein Partner genommen. Im Moment verstehen wir es meistens nicht, es tut nur weh. In deinem Fall kommen noch Selbstvorwürfe dazu (die habe ich mir übrigens nach dem Tod meines ersten Partners auch gemacht), aber sie sind völlig unbegründet: Diese Trennung sollte offenbar sein, damit dein Weg frei ist für etwas anderes.

    Schau zuversichtlich in die Zukunft, lass die Vergangenheit liebevoll los, nachdem du nun deine Erkenntnisse und Lehren daraus gezogen hast. Solange du daran hängst, bist du gebunden und kannst nicht voranschreiten. Ich zitiere in diesem Zusammenhang zum x-ten Mal einen meiner Lieblingssprüche:
    Es entspricht einem Lebensgesetz: Wenn sich eine Tür vor uns schliesst, öffnet sich eine andere. Die Tragik ist jedoch, dass man auf die geschlossene Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet.
    (André Gide)

    Herzlichst,
    Karin

  13. Hallo Karin,

    vielen Dank für deine Worte.
    Du scheinst auch ein ganz besonderer Mensch zu sein.
    Vor allem ein Mensch, der bei sich ist und in sich ruht.
    Sehr bewundernswert.

    Das mit den Selbstvorwürfen verstehe ich bei dir nicht so richtig, denn deine beiden Partner sind tragischerweise verstorben – wo sollte da deine Schuld liegen?

    Meine habe ich erkannt – und es tut mir so unendlich leid, dass ich so war wie ich war. Leider kann ich das nicht mehr gut machen und der Glaube, dass mir irgendwann nochmal so eine Liebe widerfährt, der ist leider noch nicht vorhanden.

    Und wo sollten sich neue Türen öffnen? Das ist alles nicht mehr so leicht. Die Freunde von Freunden kennt man und auf offener Straße läuft man wohl kaum jemandem über den Weg.
    Leider ist das so.

    Momentan könnte es ohnehin niemand mit ihm aufnehmen – denn ich hänge ja noch so an ihm und dem Gedanken, dass er mein Glück war. Dass ein größeres Glück nicht kommen kann. Habe auch immer gedacht, meine Mutter hat ihn mir geschickt (habe ihn drei Monate nach ihrem Tod kennengelernt).

    Den Blick von der geschlossenen Tür wenden ist schwer. Ich weiß nicht, ob mir das jemals gelingt.

    Danke nochmal!
    Herzlichst,
    Verena

  14. Liebe Verena

    Meine Selbstvorwürfe hatten damit zu tun, dass ich meinen Partner nicht gut in den Tod begleitet hatte.

    Wo sich neue Türen öffnen sollen? Dort, wo man sie am wenigsten erwartet! Das ist auch eine tiefe Erfahrung, die ich durch mein ganzes Leben immer wieder in den verschiedensten Bereichen gemacht habe.
    Meinen jetzigen wundervollen Mann habe ich in einem Parkhaus kennengelernt 😉

    Wenn du nach Türen Ausschau hältst, wirst du sie möglicherweise nicht finden. Aber wenn du einfach froh und zuversichtlich durch das Leben gehst, stösst dich das Schicksal mit der Nase an die goldene Tür.

    Hab etwas Urvertrauen und Mut, du wirst sehen, es kommt alles, wie es für dich am besten ist.

    Herzlichst,
    Karin

  15. Das tut mir leid, du hast sicher schlimme Zeiten durchleben müssen. Mit meiner Mutter ergeht mir das ähnlich, da habe ich über Leben oder Tod entschieden.

    Das Urvertrauen hatte ich. Als ich Sebastian getroffen habe, da war mir klar – siehst du, du hast es immer gewusst, irgendwann steht dein Glück vor dir.
    Leider habe ich jetzt das Vertrauen in das Leben verloren.
    Eher empfinde ich es als Strafe für irgendetwas. Für mich. DAS soll so sein – so ist mein Gefühl.

    Ich kenne dich zwar nicht, aber ich kann trotzdem sagen – du bist ein toller Mensch.

    Danke.
    Verena

  16. Liebe Karin

    Natürlich ist es immer schlimm verlassen zu werden oder eine Trennung durch zu machen… Was ich leider auch schon erleben und durchmachen musste.
    Die bisher schlimmste Situation erlebe ich aber jetzt und die dauert bereits seit ein paar Monaten.
    Ständig muss ich mich immer wieder von einem Menschen trennen der mein Ein und Alles ist und den ich über Alles liebe!
    Und das nur weil uns völlig fremde Menschen, wegen Lügen die jemand erzählt hat, das vorschreiben und über unser Leben bestimmen wollen.
    Jedes Mal wenn wir uns wieder vorübergehend trennen müssen bricht es beiden das Herz…
    Der Witz an der ganzen Situation ist das die keinerlei Beweise haben, wir jedoch schon, aber das denen noch beibringen müssen und es wahrscheinlich sogar zu einem Prozess kommen wird.

  17. Liebe Verena

    Du hast bestimmt recht, dass es so sein soll, wie es ist. Aber ganz bestimmt nicht als Strafe, sondern damit du etwas aus der Situation lernst und in Zukunft ein noch grösseres Glück findest. Davon bin ich überzeugt.
    Allein schon, dass du dich so intensiv damit auseinandersetzt, zeigt, dass du lernst und es dir bald besser gehen wird.

    Ich wünsche es dir von Herzen, du bist ein wertvoller, liebenswürdiger Mensch!
    Karin

  18. Liebe Sandra

    Auch dir kann ich nur viel Urvertrauen wünschen, damit du fest daran glauben kannst, dass alles so kommen wird, wie es für alle Beteiligten am besten ist.

    Herzlichst,
    Karin

  19. Hallo Karin,

    das Schlimme daran ist – mit dem, was ich jetzt schon alles weiß ist auch gewiss, dass ich mit IHM das größte Glück der Welt hätte haben können.
    Es hätte so eine schöne Beziehung sein können – ich bin so ein Idiot.
    🙁

    Liebe Grüße,
    Verena

  20. Liebe Karin,

    ich muss dir nochmal schreiben.

    Habe gestern gelesen, dass es eigentlich nie den „falschen Partner“ gibt. Wenn er wirklich „falsch“ wäre, dann würde man nicht mehr als wenige Wochen Zeit mit ihm verbringen.
    Ich glaube, dass das auch stimmt.
    Wenn danach etwas „falsch“ läuft in einer Beziehung, dann nur, weil einer der Partner sich nicht genug selbst liebt und deshalb keine gesunde Beziehung führen kann.

    Meine Therapeutin sagt, dass ich ein sehr gutes Gespür für Dinge habe, ohne dass sie ausgesprochen wurden. Zum Beispiel hatte ich nach wenigen Monaten mit Sebastian das Gefühl, dass da noch eine andere Frau in seinem Kopf hängt und er sich deshalb mir gegenüber manchmal eher abwehrend verhält. Er hatte immer gesagt, ich rede mir etwas ein, er ist lediglich gestresst und bräuchte seine Ruhe.
    Als die Beziehung zu Ende war hat sich herausgestellt, dass er tatsächlich mehrere Wochen mit dieser Anderen geschrieben hat und schließlich nur aus „Verantwortung“ mir gegenüber (weil es mir ja so schlecht ging wegen meiner Mutter) bei mir geblieben ist.

    Wenn ich so ein gutes Gespür für Dinge habe, dann könnte es doch auch sein, dass mein Gefühl, das mir sagt ER war der, mit dem du glücklich hättest werden können – niemand anders kann das leisten – doch auch richtig sein, oder?
    Wie soll ich dann jemals wieder glücklich werden?
    Ich weiß, ein Partner kann und sollte nicht für das eigene Glück verantwortlich sein.
    Aber ich kann mir einfach kein glückliches Leben mehr ohne ihn vorstellen. So sehr ich mich auch bemühe – ich schaffe es nicht.
    Was soll ich nur tun?

    Es grüßt dich herzlich,
    Verena

  21. Was du hier schreibst, macht mich nachdenklich, Verena. Und es sollte auch dich nachdenklich machen, wenn du es ganz nüchtern liest.
    Er ist nur aus Pflichtbewusstsein bei dir geblieben? Er hat dich belogen, schon ganz am Anfang eurer Beziehung? Hm, ist er denn wirklich der edle, aussergewöhnliche Mensch, als den du ihn gesehen hast?

    Dein Gespür für andere Menschen scheint gut zu sein. Was deine gegenwärtigen Empfindungen betrifft, so haben sie jedoch nichts mit diesem Gespür zu tun. Wir neigen dazu, uns selbst zu belügen, wir färben etwas gerne rosarot und suhlen uns ausserordentlich gerne in unserem Selbstmitleid.

    „Was soll ich tun?“, fragst du. Du kannst dir kein glückliches Leben ohne ihn vorstellen?
    So hör auf, dir etwas vorzustellen, und lebe deine Gegenwart, Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag. Und lass dich überraschen, was das Schicksal für dich bereithält!

    Herzlichst,
    Karin

  22. Jetzt stehen mir ein wenig die Tränen in den Augen.
    Meine Gegenwart leben. In der ich mich so gescheitert fühle.
    Es ist alles so schwer für mich gerade. Mein Lebensratgeber, mein Auffangbecken, meine Mutter – die ist auch nicht mehr da, das spüre ich gerade sehr.

    Vielleicht erlaubst du mir, die Sache mit dieser anderen Frau etwas ausführlicher darzustellen.
    Als wir zusammen gekommen sind, da war Sebastian mit ihr (nennen wir sie Miri) über Facebook befreundet. Der Kontakt zwischen beiden war sehr rege (seit 8 Monaten), obwohl sie sich im realen Leben gar nicht kannten (wohnen aber beide in der selben Stadt). Er sagte, sie wäre ihm sehr wichtig – er könne sich wahnsinnig gut mit ihr austauschen. Soweit so gut für mich. Bis er irgendwann kam und erzählte, dass sie von uns wüsste und darüber gemerkt hat, was er ihr wirklich bedeutet. Sie sei verliebt und bereut es, sich in den 8 Monaten nicht getroffen zu haben.
    Das war auch noch halbwegs in Ordnung für mich.
    Er hat ihr immer brav zurückgeschrieben – nach seinen Worten eindeutig – dass es eben zu spät sei, weil er mit mir zusammen ist.
    Sie hat nicht aufgehört ihm zu schreiben. Als dann auch noch Geschenke im Briefkasten gelandet sind, wurde es mir zuviel und ich habe ihn gebeten, den Kontakt mit ihr einzustellen. Er sagte, er würde es tun, hat er aber nicht.
    So.
    Nachdem er mich verlassen hatte hat er gesagt, dass vielleicht vieles anders gelaufen wäre zwischen uns, wenn ich in Sachen Miri anders reagiert hätte.

    Vielleicht hat er Recht damit?
    Ich weiß es nicht.
    Denn wie gesagt, ich weiß ja heute, dass er auch mehr für sie empfunden hat und sich gefragt hat – was wäre gewesen wenn…

    Für mich wiederum ist es ganz schrecklich zu wissen, dass unsere Beziehung vielleicht heute noch bestehen würde, hätte es diese Frau nie gegeben.
    Verstehst du mich da ein wenig?

    Es drückt dich,
    Verena

  23. Ich verstehe dich, Verena, sehr gut, nichtsdestotrotz halte ich solche Gedanken für sinnlos: wenn… dann … wäre … vielleicht …

    Was gewesen ist, ist vorbei, du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Nur die Zukunft, die liegt in deiner Hand. Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen. Und die Gegenwart leben. Etwas anderes ist nicht möglich.

    Noch ein Gedanke. Wenn jemand sich vom Partner trennt, sagt er vieles, um es zu begründen, damit der andere Verständnis hat. Oft entspricht es nicht der Wahrheit.
    Und für mich spricht der Vorwurf deines Ex-Freundes, dass „vieles anders gelaufen wäre, wenn du anders reagiert hättest“ nicht gerade für ihn. Damit versucht er doch nur, die Schuld für die Trennung dir aufzuladen. Was ihm sogar gelungen zu sein scheint.

    Herzlichst,
    Karin

  24. Danke für deine Antwort.

    Meinst du, dass ich tatsächlich ganz falsch reagiert habe, was diese Frau angeht?

    Das wäre mir noch wichtig zu wissen.

    DANKE!
    Verena

  25. Liebe Verena

    Erstens kann ich das als Aussenstehende, ohne es haargenau miterlebt zu haben, nicht darüber urteilen.
    Zweitens, und das ist entscheidend, es gibt keine Fehler, es gibt nur Erfahrungen.
    Und drittens, nein, du hast auf keinen Fall „falsch“ reagiert – du hast reagiert, wie es für dich damals stimmte. Selbst wenn du heute anders darüber denkst: Es ist immer einfach, die Vergangenheit aus der Gegenwartssicht zu be- und verurteilen. Aber als die Vergangenheit die Gegenwart war, wusstest du vieles noch nicht, was du heute weisst. Wie gesagt, es ist müssig, über Wenn und Aber zu grübeln.

    Herzlichst,
    Karin

  26. Liebe Karin, nochmal vielen Dank.

    Jetzt ist die Trennung schon fünf Monate her.
    Und noch immer komme ich nicht klar.

    Es ist so schlimm für mich zu sehen, wie glücklich er mit seiner neuen Freundin ist.
    Wie er wieder der liebe Mensch ist, den ich kennengelernt hatte.

    Wie sehr wünschte ich, er hätte mir meine Unwissenheit verzeihen können.
    Mein Handeln verzeihen können.
    Mich auf meinem Weg begleiten.

    Ich hoffe, ich kann das alles schaffen.
    Mir geht irgendwie die Kraft aus.

    Ich vermisse ihn.
    Ganz schrecklich.

    Deine Verena

  27. Hallo liebe Karin,
    ich bin eben wieder auf unser „Gespräch“ von vor einigen Monaten gestoßen.
    Die Tage vergehen, ich habe mich in der Tiefe (mit Hilfe einer Therapeutin) erforscht und weiß, woher meine Muster kommen.
    Es ist eine tiefe Verlustangst, die in mir ruht und mein „inneres Kind“ immer wieder zum Trotzen bringt. Ja, ich habe unglaublich viel aufgearbeitet und erarbeitet.
    Aber es macht mir nichts leichter. Im Gegenteil.
    Es führt mir noch schmerzlicher vor Augen, dass ich meinen Ex zu Unrecht kritisiert und angemault habe. Ich habe ihn nicht er selbst sein lassen. Wie schrecklich, diese Erkenntnis.
    Noch immer – fast 10 Monate nach der Trennung – vergeht keine Minute, in der ich nicht an ihn denke. Ich vermisse ihn so schrecklich.
    Er war ein Geschenk für mich und ich kann nicht fassen, dass er glücklich ist mit einer Anderen. Die – obwohl viel jünger als ich – offenbar schon gelernt hat, was es heißt, eine glückliche Beziehung zu führen.
    Ich kann keine Freude mehr empfinden, habe das Gefühl, meine Tage im Leben abzusitzen.
    Was soll ich denn nur tun, um den Glauben an mich und an das Leben wiederzufinden?
    Liebe Grüße,
    Verena

  28. Liebe Verena,

    nun habe ich also unsere obige Konversation nochmals vollständig gelesen und kann dir nicht wirklich etwas Neues sagen, was nicht weiter oben schon steht. Obwohl ich dich gut verstehe und nachvollziehen kann, was in dir vorgeht.

    Vielleicht noch das: Wenn du deine Traurigkeit und deinen Schmerz nicht beseitigen kannst, dann akzeptiere sie und ergib dich ihnen. Es ist wie bei einer schweren Krankheit: Wir können dagegen ankämpfen, aber wenn wir dann erkennen, dass es nichts nützt, bleibt uns nichts anderes übrig, als das Leiden anzunehmen, unseren Widerstand aufzugeben – und darin den Seelenfrieden finden. Loslassen, annehmen… ohne die Hoffnung zu verlieren. Dann geschieht oft ein Wunder.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass du deine Zuversicht und damit deine Lebensfreude bald wiederfindest,
    Karin

  29. Die Zeilen von Verena berühren mich, weil ich diesen Schmerz kenne. Der Impuls kam in mir hoch, auf ihren Beitrag zu antworten.

    Dieser Schmerz scheint manchmal unerträglich und es berührt mich, dass sie so leidet. Ich habe ewig hinter genau diesen Gedanken gefangen gesessen. Das Leben schien kaum lebenswert. Als ob ein Teil von mir gestorben wäre. Und immer wieder bin ich diesem Schema hinterhergejagt. Auf der Suche nach dem romantisch verklärten Bild vom perfekten Partner. Eine unmögliche Mission.
    Bis ich anfing, diese Mission umzustellen. Denn – mein einzig perfekter Partner bin ich selbst.

    Liebe ist wunderschön, bis man zu dem Punkt kommt, dass sie schmerzt.
    Kann Liebe denn schmerzen? Nein, Liebe fordert nicht. Liebe verletzt nicht. Liebe ist einfach da.

    Die Gedanken sind das, was schmerzt. Und wer ist verantwortlich für meine Gedanken ausser ich selbst? Ich glaube meinen Gedanken – in diesem Fall den negativen Gedanken. Ich bin derart verankert mit ihnen, dass sie mein Leben und meine Beziehungen zu anderen Menschen bestimmen –bewusst und unbewusst. Gedanken wie “ich kann nicht ohne ihn leben”sind der Leitfaden für jeden Tag und haben eine ungeheure Macht. Dreh diesen Satz um und sage dir “ich kann ohne ihn leben”. Versuch in den Spiegel zu schauen und zu lácheln. Du kannst ohne ihn leben. Du hast es vor eurer Beziehung auch gekonnt. Du kannst ohne ihn leben. Und…du kannst glücklich sein ohne ihn.

    Das, was schmerzt ist eigentlich der Spiegel unseres tiefsten Innersten, das nach Pflege und Aufmerksamkeit ruft – ja sogar manchmal schreit.
    Dein Innerstes fordert gerade jetzt deine volle Aufmerksamkeit. Der Schrei nach Selbstliebe. Hörst du ihr zu dieser Stimme? Ihr fehlt, wenn du genau hinhörst, nicht dein ehemaliger Partner. Kein Mensch wird je diese klaffende Wunde füllen können ausser du selbst.
    Da ist eine Art “innere Verena”, die vernachlässigt wird. Sie will geliebt werden. Aber nicht von einem anderen Menschen, sondern von dir.

    Alles Liebe
    Steffi

  30. Sehr weise und schöne Worte, liebe Steffi! Du beschreibst hier ganz wichtige Erkenntnisse.

    Ja, es sind die Gedanken, die unsere Empfindungen – von Schmerz, von Trauer, von Verletzung usw. – erzeugen, und diese Empfindungen nähren dann wiederum unsere Gedanken.
    Und wie du sagst: Die Verletzungen zu heilen, beginnt damit, dass wir unsere Gedanken verändern.

    Zu diesem Thema habe ich früher etwas geschrieben, das Verena vielleicht auch helfen kann, siehe http://www.selbstliebe.ch/?p=346

    Herzlichst,
    Karin

  31. Liebe Steffi,

    vielen Dank für deinen lieben Beitrag. Und die Zeit, die du dir für mich für das Schreiben genommen hast.

    Du schreibst – Liebe fordert nicht. Genau das ist die schlimme Erkenntnis, die ich nun auch gewonnen habe. Ich HABE gefordert, Aufmerksamkeit und Verständnis habe ich gefordert. Was für ein großer Fehler. Hätte ich das nicht getan, dann wäre ich noch mit ihm zusammen.

    Jetzt wirst du sagen, sei doch froh, dass du diese Erkenntnis jetzt gewonnen hast. Sollte ich sein. Aber wie soll ich das sein, wenn ich sie zu spät gewonnen habe? Meine große Liebe damit überfordert habe?

    Ich habe mittlerweile gelernt, mir selbst Aufmerksamkeit zu schenken. Dennoch gefällt mir das Leben alleine, ohne ihn vor allem, nicht.
    Und es steht in den Sternen, ob jemals wieder ein Mann, den ich genauso lieben kann, meinen Weg kreuzt.

    Ich bin traurig, so unendlich traurig.

    Seid gegrüßt und gedrückt,
    Verena

  32. Liebe Verena,

    ich möchte dir gerne antworten. Vieles von dem, was ich jetzt komprimiert schreibe, hat Karin hier auf ihrer Webseite in vielen, sehr schönen Beiträgen veröffentlicht.

    Aus dir spricht so viel Liebe. Liebe, die du anderen gibst.
    Und leider so wenig Liebe, die du dir selbst gibst. Das ist so traurig.
    Aus deinen Worten klingt unterschwellig eine enorme Wut auf dich selbst. Warum tust du dir so weh mit diesen Selbstvorwürfen? Das hast du nicht verdient.
    Du hast doch kein Verbrechen begangen. Nein, du warst nur du selbst. Mit allen Eigenschaften, die dich eben ausgemacht haben. Und (Verlust)Angst gehörte auch dazu. Angst ist ein Teil dieser zerstörerischen oder zumindest lähmenden Gedanken, die das Handeln und auch oft unbewusst die Ausstrahlung bestimmen. Genauso wie Selbstvorwürfe und Schuldgefühle es sind.

    Es gibt immer zwei in einer Beziehung. Und beide tragen einen Teil dazu bei, dass sie gelingt oder eben auch scheitert. Du bist nicht alleine verantwortlich für das Scheitern eurer Beziehung. Stoppe diese Gedanken, in denen du dir alleine auf immer die Schuld gibst.
    Du hast alles gegeben, was du dachtest, das du geben kannst. Und dabei hast du dich von dir selbst immer weiter entfernt. Und noch immer investierst du so viel Kraft in etwas, wovon du fälschlicherweise glaubst, dass es dein Heil zum Glücklichsein ist – jener Partner.

    Liebe Verena, du bist nicht neunzig oder gar hundert Jahre alt und blickst zurück auf ein abgeschlossenes Lebensbuch. Wie kannst du wissen, dass du für den Rest deines Lebens keine solch intensiven Gefühle mehr entwickelst für einen anderen Menschen? Überprüfe ein mal, wieviel Wahrheit in diesen Gedanken steckt. Kannst du mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass du nie wieder grosse Gefühle haben wirst? Es können sogar noch viel schönere Gefühle werden.
    Dass es dir schwerfällt, dir das vorzustellen, ist verständlich. Aber schliesse es nicht jeden Tag aufs Neue kategorisch aus.
    Das Tor zu einer erfüllten Liebe (mit und ohne Partner) bist du selbst.

    Ich persönlich finde den Begriff “grosse Liebe” in Bezug auf einen Partner sehr irreführend für einen selber. Wie eine Art Falle, in die man tappt (gedanklich und emotional) und die einen nicht aus ihren Fängen lässt, bis man sich selbst davon zu befreien weiss.
    Solange, du festhältst an diesem Gedanken, wird sich nichts zum Besseren ändern. Vielleicht begegnet man irgendwann wieder einem neuen Partner (oder dem alten) und scheint kurzzeitig glücklich.
    Alles wiederholt sich oder wird sogar noch schlimmer und schmerzhafter (bei mir wurde es noch schlimmer mit jedem weiteren Partner). Denn man hat nie gelernt, sich selbst vollständig anzunehmen und sich zu akzeptieren mit allen Schwächen. Man definiert sein Glücklichsein über die Gefühle, die man hat, wenn man verliebt ist bzw. jemanden liebt.
    Entscheide dich bewusst dafür, dich auf dich zu konzentrieren. Lerne deine wundervollen Seiten kennen (und die hast du, davon bin ich überzeugt) und löse dich von den destruktiven Gedanken. Werde stolz auf dich und auch das kannst du jetzt schon sein. Löse dich davon, deinen Wert über das Urteil anderer zu definieren. Ich kann dir fast garantieren, dass der Moment kommt, in dem du Glück OHNE Partner empfindest.

    Frage dich ehrlich selbst: willst du glücklich sein? WILLST du es?
    Wenn deine Antwort JA ist (und ich kann mir nicht vorstellen, dass du NEIN sagst, dann lächel. Nimm dich gedanklich in den Arm und sage JA zu dir. Du bist es wert! Selbst, wenn das Lächeln noch nicht so recht will, stupse dich selbst an und lächel. Mach das jeden Tag immer wieder mal. Das Leben wird zurück lächeln. Glaube mir, es wird passieren.

    Wer könnte das besser bestätigen als Karin, die viele, heftige Schicksalsschläge erleiden musste und die jetzt so viel intensiver und erfüllter lebt.

    Fange damit an, deinen Frieden mit dir selbst zu finden und dein Leben zu gestalten. Jeder Tag ist ein guter Tag, um damit zu beginnen.
    Du fragst in deinen Einträgen nach dem WIE. Wie Karin so schön geschrieben hat auf ihrer Seite in diversen Beiträgen, fang an LOSZULASSEN und entscheide dich für dich.
    Lass deine innere Wut los…verzeihe dir. Lass deinen ehemaligen Partner los. Lass ihn los in Frieden. Schliesse die Vergangenheit wie ein Buch, sei dankbar für die schönen Momente und komm zurück in die Gegenwart und beginne an deiner Zukunft. Lebe dich!

    Alles Liebe,
    Steffi

  33. Alles perfekt erklärt, Steffi, danke für deinen wertvollen Beitrag!

    Ich will für Verena nur noch einen Aspekt hinzufügen, den ich bisher auf meinen Websites kaum angesprochen habe.

    Je länger je mehr erkenne ich, dass wir oft aus unserem Leid und Selbstmitleid und der Opferrolle gar nicht herauskommen wollen.
    Diesen Eindruck habe ich inzwischen auch bei dir, Verena. Etwas in dir geniesst das Leiden, es gefällt sich in den Selbstvorwürfen. Das Ego liebt das „Drama des Lebens“ – wenn es keine positiven Emotionen bekommen kann, sucht es nach negativen, Hauptsache Emotionen.
    Es ist deine Entscheidung, ob du darin verharren oder herauskommen willst. Eine willentliche Entscheidung. Es ist keine Frage, ob du es kannst oder nicht – es ist die Frage, ob du es willst oder nicht.

    Verzeih mir meine deutlichen Worte, Verena, aber ich helfe dir nicht, wenn ich dich in deinem Selbstmitleid unterstütze.

    Ich wünsche dir einen erlösenden Schritt in die Zukunft!
    Karin

  34. Ihr habt so tolle Sachen geschrieben. Und gebt euch soviel Mühe, mich aufzurichten, obwohl ihr mich gar nicht kennt.
    Das ist unglaublich.

    Vielleicht stimmt es, was Karin sagt, und mein Wille, ihn loszulassen, ist nicht da. Darüber habe ich selbst schon oft genug nachgedacht und versucht, diesen Willen zu beeinflussen.
    Es gelingt mir nicht.

    Ich schaffe es einfach nicht.

    So gerne wäre ich früher schlauer gewesen. Aber ich war es nicht.

    Meine einzige Hoffnung ist, dass im nächsten Leben alles besser wird.
    In diesem bin ich leider gescheitert.

    Ich wünsche euch alles Gute. Von Herzen.

  35. Ein sehr schöner Artikel! Insbesondere dieses Zitat hat mich angesprochen: „Doch jede Aussage, Entscheidung und Handlung eines anderen Menschen hat ausschliesslich mit ihm selbst zu tun, sie stammt aus seinem Unbewussten, seiner “Programmierung” und ist nicht auf mich gerichtet – ich bin nur das Objekt, mit oder an dem es sich abspielt.“

    Das sollte ich mir mal wieder bewusst machen. Es hat nichts mit einem selbst zu tun. Man kann in einem anderen Menschen nicht hineinschauen. Es sind seine Gefühle, Gedanken…

    Ich habe zum Thema Selbstliebe auch noch einen schönen Artikel gefunden. Da geht es um den inneren Kritiker und dass man das innere Kind in sich annehmen sollte: http://www.selbstbewusste-kommunikation.de/selbstliebe-lernen.php

    Ich wünsche euch allen alles Gute.

  36. Danke, lieber Mike!

    Jaaaa, das müssen wir alle uns immer wieder bewusst machen – man vergisst es so schnell und bezieht die Worte und Taten anderer dann wieder auf sich selbst…

    Herzliche Grüsse,
    Karin

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