Angst vor Verurteilung

Während ich durch die Rebberge wanderte, kam mir eine Frau mit einem Hund entgegen. Wie es bei uns auf dem Land Sitte ist, grüssten wir uns freundlich im Vorbeigehen. Als sie schon einige Meter hinter mir war, rief sie mir nach: „Ich habe sie nicht gestohlen, die Winzerin hat sie mir gegeben!“
Ich verstand nicht, wandte mich um und schaute sie verdutzt an. Da sah ich die Weintraube in ihrer Hand.

Wie sehr fürchten doch die Menschen, be- und verurteilt zu werden! Also rechtfertigen sie sich ständig, heischen um Verständnis… und offenbaren dadurch ihre Schwäche.
Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig, ausser uns selbst – stehen wir einfach zu uns, mit erhobenem Haupt, und kümmern wir uns nicht um die Meinung der anderen. Wir können es ihnen ohnehin nicht recht machen (siehe auch hier) – und wir müssen es auch nicht!

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8 Gedanken zu “Angst vor Verurteilung

  1. hallo guten morgen Karin,
    wie immer kommen deine kommentare zur rechten zeit; zu sich, seiner meinung seinem verhalten zu stehen ist wahrlich nicht immer einfach, will fast täglich geübt sein, zu seinen „schwächen“ zu stehen, benötigt eine portion selbstwertgefühl, ich weiss, es ist all dies miteinander verknüpft, doch manchmal erfassen mich selbstzweifel , verschiedenster art, wie schwierig ist es dann „ja“ zu sagen , zum ganzen (ich-paket)
    danke für deine wertvollen gedanken und beiträge , e gueti ziit herzlichst erika

  2. Guten Morgen liebe Erika,

    Danke für deinen Kommentar – und du sagst es: Es ist nicht einfach, will geübt sein, und auch Selbstzweifel gehören dazu. Und obwohl alles miteinander verknüpft ist, halte ich es für wichtig, immer nur kleine Schritte zu machen, sich kleine Ziele zu setzen, eins nach dem anderen. Sonst riskieren wir, erdrückt zu werden von alle den vermeintlichen Unzulänglichkeiten, die wir an uns noch verändern wollen. Eine Aufgabe ist genug, beispielsweise: „Ich rechtfertige mich nicht mehr, ich gebe für mein Handeln keine Gründe mehr an.“ So können wir ganz gezielt an etwas arbeiten und sehen auch die gemachten Fortschritte, und seien sie noch so klein, besser; alle anderen Entwicklungsaufgaben lassen wir einmal beiseite.

    Dir au e gueti ziit,
    Karin

  3. liebe Karin,

    acuh ich habe ein merkwürdiges Problem und möchte gerne erfahren, ob dies „noirmal“ oder ein Deut auf etwas Unfertiges mit mir selbst ist .

    Ich bin Angestelle in einem Vertrieb in München und mache hier seit 5 Jharen die Finanzverwaltung.
    Ab und an kommt es zu Geschäftsessen und dann (wie im Vetrag damals abgemacht) werde ich um Einholung von Getränken und Nahrung gebeten.
    Mittlerweile empfinde ich eine Minderwertigkeit, wenn ich danch gebeten werden. Ich bekomme Gedanken wie : „wenn ihr das esst, dann könnt ihr das doch auch selbst kaufen. “ (ich finde das sogar logisch diesen Gedanken..rebellisch?)
    oder auch :“ ich bin doch nicht auf der Welt, um anderen Menschen den Tisch zu decken..“ Natürlich helfe cih gern, doch es gibt Dinge, die ersehe ich als unlogisch..
    Kannst du mir objektiv deuten, ob es narzisstisch oder normal ist.

    Ich habe Angst, wenn ich sage, ich mach das nicht gerne,man würde mich für arrogant halten.

  4. Liebe Kristin

    Grundsätzlich ist keine Aufgabe / Tätigkeit mehr oder weniger wert als eine andere. Und wir sollen uns aufgrund unserer Aufgaben auch nicht überheblich bzw. minderwertig fühlen.

    Da es seinerzeit vertraglich abgemacht wurde, gehört es wohl zu deinen Aufgaben, für die Verpflegung zu sorgen.
    Andererseits ist es auch so, dass was einst richtig und stimmig war, es heute vielleicht nicht mehr ist.

    Allgemein lassen sich solche Fragen jedoch nicht beantworten, nur du kannst in dir spüren, was es mit deinem Unwillen wirklich auf sich hat.

    Ich persönlich glaube, dass wir immer das Recht (und teilweise auch die Pflicht uns selbst gegenüber!) haben, für das einzustehen, was wir möchten, und uns dabei nicht von der Angst blockieren lassen sollten.
    Allerdings müssen wir auch bereit sein, für unsere Entscheidungen und unsere Handlungsweise die Verantwortung zu übernehmen und die Konsequenzen zu tragen.

    Im Klartext heisst das: Wenn du spürst, dass du diese Aufgabe nicht mehr übernehmen möchtest, solltest du mit deinem Chef darüber sprechen und ihn bitten, den Vertrag entsprechend zu ändern. Du könntest z.B. sagen: „Ich mache das jetzt seit 5 Jahren und ich spüre, dass ich das nicht mehr möchte. Vielleicht kann jetzt einmal jemand anders diese Aufgabe übernehmen.“ Oder so ähnlich.

    Falls sich die Situation jedoch nicht ändern lässt – aus welchen Gründen auch immer –, ist es das Sinnvollste, sie zu akzeptieren, wie sie ist, und dich dabei nicht schlecht oder minderwertig zu fühlen. Dann wäre das vielleicht die daraus zu lernende Lebenslektion!

    Herzlichst,
    Karin

  5. 😐 ich habe ein Problem mit Perfektionismus manchmal.
    Eine Freundin bat mich, ihr bei einer Installierung eines neues Video-Programmes zu helfen „weil ich weiß, dass du darin die meiste Erfahrung hast und ich dir dadurch am ehesten vertraue“, sagte sie sicher in ihrem Denken. Da enstand schon Druck bei mir, enttäuschen zu müssen (was wenn das Programm nicht läuft..,da war schon meine Unsicherheit..)
    .Es lief nicht und es tat mir unendlich leid, dass sie nun das andere Bild von mir bekam,nicht immer alles zu können.und ihr nicht geholfen zu haben. Nun hat sie es selbst installiert und ich kucke zu und schäme mich.

    UNd ich muss das auch annehmen..Sehr schwer für mich.
    Die Freundin sagte mal, ich habe vielleicht eine Hochbegabung in einem Gebiet, seit dem spukt das in meinem Kopf und kleinste Fehler die ich mache ,lassen Sätze in meinem Kopf enstehen wie: na klar, du und klug, dann würdest du ja sowas einfaches hinbekommen, oder: so toll bist du auch wieder nicht., oder : mein leben ist eine show,alle denken ich bin toll,innerlich kann ich garnichts..“

    es liegt an zuwenig selbstliebe und mangelndem selbstwertgefühl..

    doch warum denke ich, immer perfekt sein zu müssen??

  6. Liebe Christiane

    Eine häufige Situation, die du da schilderst! Und die Antwort gibst du selbst: Es liegt an zu wenig Selbstliebe und mangelndem Selbstwertgefühl.
    Was nun spezifisch hinter dem Perfektionismus steckt, habe ich in einem anderen Beitrag erläutert, siehe http://www.selbstliebe.ch/?p=86
    Und lies da auch die Kommentare von Chris, sie sind ebenfalls treffend und hilfreich.

    Alles Liebe,
    Karin

  7. Liebe Karin
    Schon oft habe ich es erlebt das man, durch das Verhalten der Mitmenschen, sich angegriffen fühlt und meint man müsse sich rechtfertigen… was leider zum Teil auch so ist.
    Eigentlich muss man sich dann auch nicht rechtfertigen, tut es aber doch. Sei es aus Mangel an Selbstbewusstsein oder negativen Erlebnissen aus der Vergangenheit.
    Ich arbeite daran, aber trotzdem passiert es mir ab und zu trotzdem. danach fühle ich mich meisstens schlecht und mache mir Vorwürfe.
    Wie kann ich mich verbessern?

    P.S.Wünsche Dir eine gute Nacht

  8. Liebe Sandra,

    Dass du dir dieser Verhaltensweisen bewusst bist, ist die beste Voraussetzung, um sie irgendwann zu ändern. Es ist ein langsamer Prozess, es geht nur Schritt um Schritt. Gib nicht auf und übe weiter!

    Versuche vor allem, die Selbstvorwürfe beiseite zu schieben, ihnen nicht nachzuhängen. Sag dir vielmehr: „Gut, es ist mir wieder passiert, kein Problem. Niemand ist vollkommen! Bei der nächsten Gelegenheit versuche ich es wieder, irgendwann wird es mir nicht mehr passieren. In jedem Fall ist alles gut, wie es ist, ich bin richtig, genau so wie ich gerade bin.“

    Sei lieb und geduldig mit dir selbst! Genau so, wie du es mit anderen Menschen in der gleichen Situation auch wärst.

    Einen schönen Sonntag!
    Karin

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